Warendorf
Hilfe für Kinder in Not

Montag, 28.12.2009, 16:12 Uhr

Telgte/ Warendorf - Dr. Petra Hölzel und Dieter Grothues stehen vor einem großen eingerahmten Foto. Zu sehen ist ein zweistöckiges gelbes Gebäude in der Abendsonne. Es ist das Waisenhaus „Good Shepherds Home“ in Südostindien. „Wenn man sieht, was diese Kinder durch uns für eine Chance bekommen haben, dann ist das schöner als jedes Dankeschön. Wir brauchen gar keinen Dank“, betont Dieter Grothues beim Anblick des Fotos mit ein wenig Stolz. Grothues ist Projektleiter der Kinderhilfsorganisation „Aktion Kleiner Prinz“, für die viele Telgter - unter anderem an Grundschulen und Kindergärten - vor Weihnachten gespendet haben.

Als der Tsunami 2004 weite Teile Südostasiens überrollte, verloren auch viele Kinder in Indien ihr Zuhause und oftmals beide Elternteile. Mit 62 000 Euro aus Spendengeldern gelang es dem „Kleinen Prinzen“, in nur zehn Monaten ein zweistöckiges Haus mit 720 Quadratmetern zu bauen. Für 65 Waisenkinder ist das „Good Shepherd´s Home“ ihr neues Zuhause. „Wir haben lange überlegt, ob dieses Projekt nicht eine Nummer zu groß für uns ist. Aber wir sind froh, dass wir es getan haben“, so Grothues, der mit seiner Frau bei der Einweihung vor Ort war. „Bis zu ihrer Berufsausbildung bleiben diese Kinder in dem Waisenhaus“, erzählt die Pressereferentin Dr. Petra Hölzel.

Der Bau des Waisenhauses in Indien ist nur ein Projekt unter vielen, die die Kinderhilfsorganisation seit ihrer Gründung 1993 in Angriff genommen hat. So hilft der „Kleine Prinz“ in Afghanistan, Bosnien und Herzegowina, baute das Bethesda-Krankenhaus in Goma, Kindergärten in den Slums von Swakopmund und ein Rehazentrum für behinderte Kinder in Rumänien.

Die Anfragen aus aller Welt sind enorm. „Natürlich können wir nicht überall helfen. Wir prüfen die Anfragen ganz genau. Der persönliche Kontakt ist ganz wichtig“, betont Hölzel. Das oberste Gebot seien Transparenz und Verlässlichkeit. „Wir wollen, dass jeder Cent der Spendengelder auch richtig ankommt. Die Verwaltungskosten liegen bei unter fünf Prozent der Einnahmen. Im Jahr werden rund 400 000 Euro und Sachspenden für die Projekte ausgegeben”, macht sie deutlich.

Der Verein arbeitet ausschließlich ehrenamtlich. Die Arbeit ist über die Jahre so umfangreich geworden, dass der Vorstand nun um zwei Beisitzer erweitert worden ist. „Hier muss man voll einsatzbereit sein. Einfach mal bei uns reinschnuppern geht nicht. Wir sind alle mit ganz viel Herzblut dabei. Wir haben einen tollen Zusammenhalt, der aus der Freude für die Kinder etwas tun zu können, rührt. Allerdings ist die Vereinsarbeit mit Beruf und Familie nicht vereinbar“, erklärt Dr. Petra Hölzel, deren Vorstandskollegen bis auf Dieter Grothues bereits im Ruhestand sind.

Der Projektleiter steht nach seinem Feierabend mit der halben Welt im E-Mail-Kontakt. „Ohne Internet wäre unsere Hilfe nicht machbar“, ist er sich sicher. „Unsere Arbeit ist so unheimlich effizient. Das ist ein befriedigendes Gefühl.“

Aber nicht nur die Vorstandskollegen, die alle ihre Reisen zu den Hilfsprojekten aus eigener Tasche bezahlen, engagieren sich über das Normalmaß hinaus, auch viele Helfer packen fleißig mit an. Um an Spendengelder zu kommen, organisiert der Verein einmal im Jahr einen großen Trödelmarkt. „In diesem Jahr hatten wir 40 Helfer, die waren Gold wert“, so Hölzel.

Das Büro an der Beckumer Straße ist donnerstags zwischen 15 und 17 Uhr geöffnet. Dann können auch Sachspenden abgegeben werden. „Vor einiger Zeit sind zwei Mädchen zu mir ins Büro gekommen, die haben 25 Euro vorbeigebracht. Solche Gesten mitzuerleben ist einfach schön“, berichtet Hözel.

Auch für die Weihnachtspäckchen-Aktion, die bereits seit 1995 hilfsbedürftige Kinder beschenkt, braucht der „Kleine Prinz“ immer viele Helfer, um die Pakete in die Lkw zu packen. In diesem Jahr nahmen 193 Institutionen teil. Insgesamt 10 300 Päckchen wurden auf den Weg gebracht.

Doch der „Kleine Prinz“ hilft nicht nur im Ausland, sondern kümmert sich auch vor Ort. Über die Frauenberatungsstelle, Caritas und der Arge wer-den Kinder unterstützt. „Das sind kleine Projekte, die wir schnell unterstützen. Bei uns ist die Armut oft verschämt“, so Hölzel.

Im Eingangsbereich der neuen Halle an der Beckumer Straße hängt neben Fotos der vielen Projekte auch die Originalzeichnung des „Kleinen Prinzen“, dem heutigen Logo der Organisation. Gezeichnet wurde die Skizze 1993 von der damals elfjährigen Judith Schäffer, Tochter des Gründers und langjährigen Vorsitzenden Dr. Klaus Schäffer. Die Familie Antoine de Saint-Exupéry unterstützt die Warendorfer Aktion, indem sie den Vereinsnamen authorisiert hat: „Die Menschen haben diese Wahrheit vergessen, sagte der Fuchs. Aber du darfst sie nicht vergessen. Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast...“ (Antoine de Saint-Exupéry, „Der kleine Prinz“). „Eine sehr schöne Geschichte, die so wunderbar zu uns passt“, meint Dr. Petra Hölzel.

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