Warendorf
Ein Spiegel der Zeit

Mittwoch, 03.02.2010, 18:02 Uhr

Warendorf - Das Ratsprotokolle keineswegs langweilig sein müssen, stellte gestern Siegfried Schmieder eindrucksvoll unter Beweis, als er den neunten Band der „Ratsprotokolle und Kämmereirechnungen der Stadt Warendorf von 1710 bis 1745“ präsentierte. Schmieder hat die alten Protokolle gelesen, die sehr gewöhnungsbedürftige alte Schrift der damaligen Stadtsekretäre entziffert und übersetzt. Dabei herausgekommen ist ein Stück Warendorfer Geschichte, angereichert mit wörtlichen Zitaten der damaligen Ratssitzungen.

Dabei fällt ein Thema besonders auf, das damals wie heute ganz aktuell ist: die finanzielle Not der Kommune. Das Warendorfer Stadtsäckel wies im Jahre 1741 ein Minus von 1256 Reichstalern aus. Übrigens konnte sich die Stadt damals nicht einfach Geld bei der Sparkasse leihen - es gab noch keine. Das Problem wurde viel einfacher gelöst: In Plusjahren, heißt es bei den Schlussabrechnungen, blieben die Kämmerer der Stadt die Reichstaler schuldig. In Minusjahren schuldete die Stadt den Kämmerern die fehlende Summe. Im Klartext: Die Kämmerer streckten der Stadt in klammen Jahren die Gelder vor. Es konnten daher nur vermögende Bürger Kämmerer der Stadt werden.

Was noch auffällt: der große Stadtbrand von 1741 findet in den Ratsprotokollen kaum Niederschlag. Ein Drittel der Warendorfer Bausubstanz, vor allem im Münsterviertel, wurde Raub der Flammen. In den Ratsprotokollen geht das alltägliche Leben weiter.

Bürgermeister Jochen Walter würdigte gestern die Arbeit des „Schöpfers der Warendorfer Geschichtsquellen“ als ein wichtiges Werk für die Warendorfer Stadtgeschichte. „Der Wert dieses Buches misst sich nicht daran, wer die Seiten eins bis 948 liest, sondern die Geschichtsforschung dieser Stadt ist ein Wert an sich - ein Stück Kultur.“ Die Warendorfer Ratsprotokolle würden nicht nur für die Geschichtsforschung (Uni Münster) intensiv genutzt, sagte Walter weiter, sondern halten auch die Stadtgeschichte lebendig.

Herausgeber des knapp 1000 Seiten starken Werkes sind der Heimatverein Warendorf und der Kreisgeschichtsverein. Auftrageber ist die Stadt Warendorf und nicht zuletzt hat die Kulturstiftung der Sparkasse Münsterland Ost die Ausgabe erst finanziell möglich gemacht.

Es gibt 100 Exemplare, die zum Stückpreis von 30 Euro im Buchhandel und im Kreisarchiv Warendorf erhältlich sind. Bestseller sind die Bände nicht gerade. Der Kreisgeschichtsverein überlegt jetzt, ältere Exemplare kostengünstig anzubieten.

Der Bearbeiter der Werke, Siegfried Schmieder, war von 1967 bis 1999 der erste Leiter des 1967 gegründeten Kreisarchivs. Die Edition reicht vom ersten Band, der 1571 beginnt, und soll bis zum Ende der Fürstbischöflichen Zeit 1803 in noch zwei Bänden fortgesetzt werden.

„Die Edition zählt zu den bedeutsamsten Grundlagen der Stadtgeschichte“, sagte Kreisgeschichtsvereins-Vorsitzender Prof. Paul Leidinger, die neben dem politischen und rechtlichen Geschehen vor allem auch Wirtschaft, Bauwesen und Alltagsleben Warendorf widerspiegele. Als einen„Spiegel der Zeit“ würdigte Mechtild Wollf, Vorsitzend des Warendorfer Heimatvereins, das Werk.

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