Warendorf
Lachen im Schnelldurchgang

Sonntag, 02.05.2010, 12:05 Uhr

Warendorf - Heutzutage muss alles schnell und noch schneller gehen. Im Theater ist das zum Glück noch anders. Dort kann man dem Geschehen in Ruhe folgen und hat Zeit, sich Gedanken zu machen. In der Regel. Bei Ingo Börchers und seinem Kabarett-Programm ist das ganz anders. Am Donnerstagabend stellte er sein Programm „Die Welt ist ein Google “ im Theater am Wall vor.

Börchers prescht durch sein Programm wie auf einer High-Speed-Datenautobahn. Das macht es mitunter schwer, seinen durchaus intelligenten Gedankengängen und witzigen Querverbindungen zu folgen. Bei der hohen Geschwindigkeit, mit der Börchers sein Programm durchzieht, möchte man zwischendurch den Reset-Knopf drücken oder für einige Augenblicke ganz abschalten.

Aber dazu ist Börchers einfach zu gut. Es wäre schade, etwas von seinen erschreckend richtigen oder abstrusen Erörterungen zu verpassen. Schon von beginn an checkt er die Systemvoraussetzungen ab, unter denen der Kabarettabend ablaufen wird.

„Wer hat heute noch nicht gegoogelt?“, fragt er sein Publikum. Wer „Ingo eingebe, stoße etwa auf einen Beistelltisch des Einrichtungskonzerns Ikea . „Vielleicht wollten sie ja ins Möbelhaus und nicht ins Kabarett?“

Börchers beweist, dass die digitalisierte Gesellschaft auf der Bühne angekommen ist: „Gibt man bei Google das Wort Google ein, bekommt man doppelt so viele Suchergebnisse, als wenn man Gott eingibt“. Aus diesem Grunde fänden Computer-Messen meist Sonntags statt, philosophiert er weiter.

Um unsere Sprache Jugendlichen näher zu bringen schlägt dann folgerichtig vor, Christi Himmelfahrt in „Jesus Upload“ umzubenennen.

Börchers bewegt sich geschickt im Spannungsfeld zwischen Notwendigkeit und Wahnsinn des Internets. Einerseits schildert er die Gefahren der Flucht in die virtuellen Welten, stellt andererseits aber auch deren Chancen dar.

„Ältere Menschen haben mehr verdient als Dulcolax und ZDF“, schlägt er auch ernstere Töne an. „Für sie bedeutet es einen Weg nach Draußen“.

Skurril witzige Aussagen wechseln sich mit solchen ernst gemeinten oder warmherzigen Anstößen ab. „Es ist nicht mehr wichtig zu wissen, sondern zu wissen, wo das Wissen zu finden ist“, stellt Börchers richtig dar. Bevor man darüber nachdenken kann, toppt er seine Aussage: „In zehn Jahren machen Cyberbrillen das Renovieren überflüssig“. Börchers nimmt kein Blatt vor den Mund und spricht das aus, was er denkt. Wer sind die Menschen, die sich auf „Myspace“ meine Freunde nennen? Und was soll ich im „Second Life“, wenn ich schon mit meinem ersten Leben überfordert bin? In einem rasanten Tempo wechselt Börchers zwischen den Themen. Wer möglichst viele Informationen in denkbar kurzer Zeit erhaltzen möchte oder gar keine Zeit hat, dem sei ein Besuch in Ingo Börchers Programm „Die Welt ist eine Google“ nahegelegt.

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