Warendorf
Erregte Gemüter

Montag, 07.06.2010, 04:06 Uhr

Warendorf - Fast alle sind bereits im Rentenalter und genossen am Wochenende beim 30. Bundesheimattreffen der Reichenbacher in Warendorf anfangs gut gelaunt das Wiedersehen und den Austausch über die Erinnerungen an die alte Heimat in Schlesien .

Hoch schlugen die Wellen der Emotionen jedoch dann während der Mitgliederversammlung am Samstagnachmittag. Nur mit Mühe konnten Gottfried Böer (stellvertretender Vorsitzender) und Wahlleiter Wolfgang Baum die erregten Gemüter beruhigen.

Noch am Morgen war die Frage eines Nachfolgers für den fast 80-Jährigen bisherigen Vorsitzenden Helmut Rogel ungelöst. „Wenn wir niemanden finden, werden wir wohl nach einer Satzungsänderung ohne Vorsitzenden weitermachen,“ betonte Rogel im Gespräch mit den WN, der sich nach zwölfjähriger Amtszeit nicht mehr zur Wahl stellen wollte.

Nicht nur aus Altersgründen, sondern hauptsächlich aufgrund von Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Vorstandes, beabsichtigte der seit zwölf Jahren amtierende Vorsitzende aufzuhören. Polen müsse offiziell anerkennen, dass die Vertreibung Unrecht war, so die politische Forderung Rogels, die auf der späteren Mitgliederversammlung eine heftige Kontroverse auslöste. Die überwiegende Mehrheit der Versammlung folgte dem „Hardliner“ nicht, sondern setzte auf „ein friedliches Zusammenleben“.

„Es war ein spontaner Entschluss“, erklärte Heinz Pieper , der sich dann während der Mitgliederversammlung überraschend als Kandidat anbot. Nahezu einstimmig wurde der 1969 geborene Warendorfer zum neuen Vorsitzenden gewählt.

„Damit bin ich nicht einverstanden“, empörte sich Rogel nach der Wahl und löste erneut eine emotionale Diskussion aus, die jedoch schnell vom wiedergewählten Vorstand, bestehend aus Böer, Renate Domnick (Schriftführerin), Wolfgang Höntsch (Schatzmeister), Erika Höntsch (Beisitz) und Horst Heinzel (Beisitz) unterbunden wurde. Verbittert kündete Rogel daraufhin seinen Austritt aus dem Heimatbund der Kreis Reichenbacher an.

„Es liegt mir sehr am Herzen, dass es friedlich miteinander weitergeht“, betonte Pieper. In erster Linie solle der Heimatbund Präsenz zeigen und das Reichenbacher Treffen in Warendorf auch künftig stattfinden. Beifall brandete auf, die Erleichterung zahlreicher Mitglieder war deutlich spürbar. „Ich beschäftige mich schon lange mit der Geschichte, das berührt mich sehr“, so Pieper, dessen Familie aus Peilau stammt. Das was geschehen sei, präge auch die nachfolgenden Generationen und dürfe nicht aus dem Bewusstsein der Menschen verschwinden. „Es funktioniert weniger über offizielle Verbandsarbeit als über persönliche Kontakte“, berichtete Pieper von seinen positiven Begegnungen mit den polnischen Nachbarn. Die Kommunikation via Internet solle verstärkt werden, eine bessere Koordination und Öffentlichkeitsarbeit mit weiteren Heimatbünden erreicht werden. „Ich bekomme viele Anfragen von Jüngeren, die sich mit der Familienforschung beschäftigen“, bestätigte Pieper einen Trend bei der nachgeborenen Generation der Vertriebenen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/178135?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F35766%2F706341%2F706396%2F
Sturm und Käfer: Förster bilanzieren 2018
Wo einst Fichten wuchsen, steht jetzt nichts mehr: Förster Jan-Dirk Hubbert in seinem Steinfurter Revier.
Nachrichten-Ticker