Warendorf
„Konfessionsschule hat sich überlebt“

Donnerstag, 10.02.2011, 06:02 Uhr

Warendorf - „Dieser Geburteneinbruch ist ziemlich dramatisch.“ Was dem städtischen Beigeordneten Dr. Martin Thormann die Sorgenfalten auf die Stirn treibt, drückt sich in Zahlen aus. In Warendorf wurden im vergangenen Jahr nur noch 283 Kinder geboren.

„Das ist ein Allzeittief“, sagt der Vize-Chef der Stadtverwaltung. In der Tat: Während die Geburtenziffern in früheren Jahren zum Teil über 400 lagen und 2009 noch 323 Kinder vermelden, sind die aktuellen Zahlen besorgniserregend.

Und sie dürften schon bald Auswirkungen auf die Grundschul-Landschaft der Stadt haben. So ist die Diskussion über eine Container-Lösung an der Laurentiusschule (Dr.-Leve-Straße), um die Filiale an der Klosterstraße auflösen zu können, schwierig.

Denn angesichts der neuen Geburtenzahlen stellt sich für die Stadtverwaltung die Frage, ob es Sinn macht, über Neu- oder Umbaumaßnahmen nachzudenken. „Wir müssen uns insgesamt Gedanken über die Strukturen machen“, sagte Thormann im Schulausschuss. Und das nicht nur in Sachen demografischer Entwicklung. Auch die Veränderungen auf der Förderschul-Ebene (Stichwort Inklusion) spielt da eine Rolle.

Peter Marberg ( SPD ) nahm das auf: „Wenn die Schullandschaft im Umbrauch ist, müssen wir die Gebäude-Diskussion im Zusammenhang lösen.“ Die Eltern der Grundschulkinder an der Klosterstraße müssten dann wohl die Situation noch eine Zeitlang aushalten. Auch wenn die mittelfristige Perspektive eine Aufgabe des Standortes Klosterstraße ist.

Für Dr. Erich Tertilt (SPD) ist die Diskussion über Zahl und Größe zukünftiger Grundschul-Standorte auch Anlass darüber nachzudenken, ob es nicht sinnvoll wäre, die vier Bekenntnis-Grundschule (drei katholische, eine evangelische) in der Stadt in Gemeinschaftsschulen umzuwandeln. Tertilt: „Ich glaube, die Konfessionsschule hat sich überlebt.“ Nicht nur, weil viele katholische oder evangelische Eltern nicht mehr die starke konfessionelle Bindung früherer Jahrzehnte haben. Mittlerweile sei die Zahl muslimischer Kinder in Warendorf sehr hoch und es gebe ja auch eine starke mennonitische Gemeinde in der Stadt. Dieser Entwicklung würde die Gemeinschaftsgrundschule am ehesten gerecht, meinte Tertilt.

Der SPD-Ratsherr hat auch ein finanzielles Argument: Der Busverkehr, um die Kinder zu den Bekenntnisschulen zu bringen, koste pro Jahr etwa 100 000 Euro. „Dieses Geld kann man sinnvoller einsetzen oder einsparen.“ Tertilt ist überzeugt: Mit Gemeinschaftsschulen könne man die Versorgung angesichts sinkender Geburtenzahlen erheblich besser, wohnungsnaher und auch kostengünstiger organisieren.

Klar ist ihm aber auch, dass es hier keine politische Entscheidung geben kann: „Das ist alleine Sache der Eltern, Schulen und Kirchen. Die müssen das natürlich auch wollen.“

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