Warendorf
Urkomisch: Gedichte voller schiefer Bilder

Sonntag, 06.03.2011, 10:03 Uhr

Warendorf - Hautnah dabei sein und die Welt des Theaters aus kürzester Distanz erleben: Das ist die Philosophie der Reihe „ Tuchfühlung “ im Theater am Wall. Jeweils drei ganz unterschiedliche Inszenierungen, ob berührend, ernst oder urkomisch bilden diese Reihe im Dachtheater.

In der laufenden Saison gehen die Programmmacher des Theaters mit starken, facettenreichen Frauenfiguren auf Tuchfühlung.

Am Samstag, 12. März, steht um 20 Uhr Friederike Kempner im Focus dieser Reihe. Die schlesische Schriftstellerin (1828-1904) erlangte insbesondere durch ihre Lyrik einzigartige Berühmtheit. Ihre „Gedichte“, erstmals 1873 erschienen, lagen 1903 bereits in der achten Auflage vor. Sie waren jeweils nach Erscheinen schnell vergriffen. Denn Friederikes Bruder David, Gutsbesitzer und Autor einiger Novellen, kaufte die gesamte Auflage auf und ließ sie einstampfen. An diesem seinem ästhetischen Schamgefühl ging er schlussendlich auch wirtschaftlich zugrunde.

Seine Schwester Friederike war zu diesem Zeitpunkt von der Literaturkritik längst schon zur Großmeisterin der unfreiwilligen Komik erklärt und auf die Spottnamen „schlesische Nachtigall“ und „schlesischer Schwan“ getauft worden. „Schlechte Gedichte müssen schon außerordentlich gut sein, um wirklich komisch zu sein“, versuchte der Dramatiker Peter Hacks dem Phänomen Friederike Kempner auf die Schliche zu kommen. In der Tat, ihre Gedichte sind voll schiefer und falscher Bilder, und auch die Grammatik wird zugunsten des Versmaßes bisweilen sehr unkonventionell gehandhabt.

Geradezu rührend dagegen der tiefe Ernst, mit dem die Kempner ihre Werke guten Zwecken widmet. Sie kämpft für Leichenhäuser, beschwört die Qualen des lebendig begraben Werdens und muss dafür Häme und Verleumdung ertragen. Sie hat Novellen, Dramen und viele Gedichte geschrieben. Und trotz aller Anstrengungen ihre Bruders, das Schlimmste zu verhindern, kamen doch einige wenige Exemplare in den Handel und waren heiß begehrt. Man schrieb sie ab, lernte sie auswendig, gab sie auf Gesellschaften zum Besten und lachte sich tot.

In der Rolle der Friederike Kempner gastiert bereits zum dritten Mal in dieser Reihe Barbara Kratz in einer weiteren unverwechselbaren Solo-Rolle. Nach „Die fromme Helene“ und „Die Nibelungen“ ist also auch am 12. März ein äußert vergnüglicher Theaterabend garantiert.

Karten sind zum Preis von zwölf Euro im Vorverkauf erhältlich. Für Schüler, Studenten und andere Ermäßigungsberechtigte beträgt der Kartenpreis gegen Vorlage eines entsprechenden Ausweises acht Euro.

Vorverkauf: Kulturbüro Warendorf, Rathaus, Markt 1, ' 0 25 81 / 54-14 14 oder am Veranstaltungstag an der Abendkasse des Theater am Wall.

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