Warendorf
Heimatverein besorgt über „Schandfleck“ Brinkhausgelände

Mittwoch, 28.12.2011, 19:12 Uhr

Warendorf - Mit großer Sorge reagiert der Heimatverein auf die offensichtlich immer noch ungeklärten Grundstücksfragen des Brinkhaus-Geländes (Emsinsel). Der Unmut darüber wurde beim „Runden Tisch“ am Sonntagmorgen laut (die WN berichteten gestern). Bereits einen Tag später richtet der Heimatverein, auch im Namen der anwesenden Bürger, einen dringenden Appell an den Bürgermeister und den Rat der Stadt.

In einem Schreiben heißt es: „Wir bitten Sie eindringlich, sehr zeitnah zu beschließen, was auf diesem Gelände gebaut und was nicht gebaut werden darf, unabhängig von Auseinandersetzungen mit Eigentümer- und Bankinteressen.“

Hintergrund ist, dass das Brinkhaus-Gelände ein wichtiger Baustein in der Präsentation für die Bewerbung der Stadt für die Ausrichtung der Landesgartenschau 2017 ist. Geplant ist auf dem Gelände unter anderem ein Science-Center rund ums Thema Pferd (Hippologicum).

Die LaGa-Bewertungskommission macht sich am 4. Mai ein Bild vor Ort. Die Heimatfreunde befürchten: „Wenn bis dahin nicht klar gesagt werden kann, was mit dem Brinkhaus-Gelände passiert, vermindern sich die Chancen bei der Bewerbung für die Landesgartenschau.“

Intensiv sei beim „Runden Tisch“ über die zukünftige Nutzung der Emsinsel diskutiert worden: „Die Firma Brinkhaus war hier über 130 Jahre lang ein wichtiger Arbeitgeber für die Bürger der Stadt“, heißt es. Seit vielen Jahren werde aber nicht mehr produziert. Die Industriebrache präsentiere sich wörtlich als „ Schandfleck im Herzen der Stadt“.

Die Stadt habe die Planungshoheit und somit auch die Möglichkeit, das Gelände als Grünfläche auszuweisen, heißt es in dem Dringlichkeitsbrief an Rat und Verwaltungsspitze weiter, „da es nicht mehr als Gewerbegebiet genutzt wird, beziehungsweise werden soll oder kann.“ Die Emsinsel habe eine so große Bedeutung für die Innenstadt, dass bei der Verwertung Gewinnmaximierung nicht an erster Stelle stehen dürfe.

Mechtild Wolff abschließend: „Sie als Bürgermeister und als Ratsmitglieder haben es in der Hand! Es ist unsere Erwartung an Sie, sich dafür einzusetzen, dass dieses Gelände eine Bereicherung für alle wird, auch noch für unsere Enkelkinder. Ob mit oder ohne Landesgartenschau - das Problem muss gelöst werden. Die finanziellen und logistischen Hilfen einer Landesgartenschau wären für die Neugestaltung dieser Industriebrache sehr hilfreich. Es eilt! Bitte entscheiden Sie schnell.“

„Enttäuscht“ äußerte sich gestern Baudirektor Oliver Knaup über das Schreiben des Heimatvereins: „Frau Wolff weiß, dass wir in konstruktiven Kaufverhandlungen mit Herrn Brinkhaus stehen.“ Er hätte sich gewünscht, dass die Heimatvereinschefin beim „Runden Tisch“ das Ruder herumgerissen und Zuversicht statt Empörung versprüht hätte. Und der Baudirektor stellte erst einmal klar: „Planungsrecht, wie Frau Wolff zur Eile mahnt, muss erst dann geschaffen werden, wenn wir auch wissen, was genau auf dem Gelände passieren soll.“

Die Stadt habe eine Option auf rund 6000 Quadratmetern, verriet Knaup. Dabei sei noch offen, ob die Stadt den ganzen Kuchen oder nur ein Teilstück nehme und in diesem Fall ein Dritter mit einsteige.

Knaup spricht beim Brinkhaus-Gelände von einem „Rahmen“, der für die Landesgartenschau geschaffen werden muss. Und er sieht den Eigentümer mit im Boot. Seiner Auffassung nach müsse nicht die Stadt auf die Tube drücken, sondern der Firmenchef Brinkhaus. Nicht von ungefähr. Denn dieser dürfte sicherlich Interesse haben, nicht ewig auf dem Gelände sitzen zu bleiben.

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