Jahrestag des Mauerfalls
Seine schlimmste Zeit: Alexander Richter erinnert sich jeden Tag an die DDR

Emsdetten - Sie wuchsen zusammen auf. Aber ihre Beziehung scheiterte. Vor 62 Jahren fing die gemeinsame Geschichte von Alexander Richter und der DDR an. Kurz nachdem der Deutsche Volksrat am 7. Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik ausrief, kam Richter zur Welt. Er distanzierte sich, sie ließ nicht los - und noch heute prägen ihn die Jahre bis zum Mauerfall.

Mittwoch, 09.11.2011, 07:11 Uhr

Während seiner Schulzeit begeisterte die DDR den jungen Mann. Wie er war sie sportbegeistert und versprach ihm täglich Gerechtigkeit und Glück. Es folgten die 60er Jahre, in denen Alexander Richter die Beatles und Rolling Stones hörte. Seine Wegbegleiterin hatte dafür kein Verständnis - und die Geheimnistuerei fing an.

Obwohl er Sportreporter werden wollte, studierte er an der Humboldt-Universität in Berlin Finanzwirtschaft - und entdeckte nach seinem Abschluss die wirtschaftliche Misere der DDR. „Es war das totale Chaos und ich fing an, das System zu hinterfragen.“

Bruch in der Beziehung

Die Beziehung der beiden erlitt daraufhin einen Bruch. Die DDR akzeptierte seine Meinung nicht, schnüffelte hinter ihm her - und fand heraus, dass er ein kritisches Buch über sie geschrieben und in den Westen geschickt hat. Daraufhin folgten die schlimmsten Jahre seines Lebens. Wegen staatsfeindlicher Hetze verbrachte er elf Monate im Potsdamer Gefängnis „Lindenhotel“, ehe er zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt worden ist.

Am 9. November 1989 endete die Ära der DDR. Da lebte Alexander Richter bereits im Westen Deutschlands, und das Telefon klingelte an diesem Tag, ohne Pause zu machen. „Ich war wie benommen, und hatte mit Hinblick auf den Aufstand in China auch Angst“, erinnert er sich. Zwei Tage später kamen bereits Verwandte aus Potsdam, um ihn zu besuchen. Alles war gut.

DDR war ein Unrechtsstaat

Für ihn war und ist die DDR ein Unrechtsstaat gewesen. „Es gab keine freien Wahlen, und wir lebten unter dem strengen Blick eines Überwachungs- und Unterdrückungsapparats.“ Damit dies nicht in Vergessenheit gerät, vergegenwärtigt Alexander Richter die Vergangenheit als Zeitzeuge. Er hält Schülern Vorträge, hat zahlreiche Bücher geschrieben und bringt monatlich die Zeitschrift „Freiheitsglocke“ heraus.

Früher ist er an dem heutigen Tag nach Potsdam oder Berlin gefahren. Heute nicht mehr. Die historischen Debatten sind ihm längst zu einseitig, die Gedenkstätten zu instruiert - und auch wenn das Datum Erinnerungen wach ruft, begleiten ihn diese doch auch jeden gewöhnlichen Tag.

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