Den letzten Willen rechtlich richtig verpacken
Geheime Kommandosache

Warendorf -

Das Komtax-Dinner in Warendorf beschäftigte sich in diesem Jahre mit dem Thema Erben. Es handelt sich dabei noch immer um ein großes Verdrängungsthema, wie der Gastredner Professor Dr. Klaus Groll bestätigte.

Mittwoch, 15.02.2012, 20:02 Uhr

Den letzten Willen rechtlich richtig verpacken : Geheime Kommandosache
Die Vertreter der KOMTAX-Geschäftsleitung freuten sich über den Besuch von Professor Dr. Groll: Volkmar Schmidt, Torsten Rose, Thomas Krale, Professor Dr. Klaus M. Groll, Reinhard Heinrichsmeier, Josef Wermeling und Daniel Albat (v.l.n.r.) Foto: Vornhusen

Zu einem Streifzug in die Welt des Erbrechts hatte die Komtax-Gruppe, Steuer- und Unternehmerberatung, in der vergangenen Woche im Haus Allendorf eingeladen. Auch wenn es um trockene Angelegenheiten wie Testamente, Schenkungsverträge, Vermächtnisse oder gar Pflichtteilsansprüche ging, so war die Reise durchaus spannend und angenehm. Eingebettet in ein schmackhaftes Dinner-Menue präsentierte Professor Dr. Klaus M. Groll den Komtax-Gästen in verständlicher und sehr anschaulich strukturierter Form Möglichkeiten, wie sie ihren „letzten Willen“ rechtlich so „verpacken“, dass am Ende unter den Erben nicht nur Gerechtigkeit geübt wird, sondern auch juristische Klarheit und vor allem Frieden geschaffen wird. Denn nur so könnten Privatleute aber auch Unternehmer das eigene Vermögen nach dem Ableben schützen, machte der Experte klar. Und dass Professor Dr. Groll ein ausgewiesener Experte auf seinem Gebiet ist, das stellte Reinhard Heinrichsmeier eingangs im Rahmen seiner Begrüßung klar: Groll ist Fachanwalt für Erbrecht, langjähriger Lehrbeauftragter an der Uni München und Gründungs- und Ehrenpräsident des Deutschen Forums für Erbrecht.

Die letztwillige Verfügung sei ein gewaltiges Verdrängungsthema, nur ein Viertel der Deutschen treffe eine solche Verfügung. Obendrein träfen rund 90 Prozent mit ihrem Testament eben nicht ihren wirklichen Willen. Wie man all die „Tellerminen“ in dem komplexen Rechtsgebiet des Erbrechts umschiffen kann, das versucht Dr. Groll aufzuzeigen.

Ein ganz wichtiger formaler Punkt: Die Testierfähigkeit: Im Zweifel sei eine fachärztliche Untersuchung auf jeden Fall ratsam. Zum Stichwort Testaments-Formen unterschied der Experte zwischen dem privatschriftlichen Testament, welches keine Mitwirkung eines Notars erfordert und dem notariellen Testament, beziehungsweise dem Erbvertrag. Wird ein Testament privatschriftlich erstellt, so ist die Handschriftlichkeit wichtige Voraussetzung.

Eine klare Überschrift, die Seitennummerierung sowie Ort, Datum und Unterschrift sind weitere Formvoraussetzungen, damit ein Testament, das im „stillen Kämmerlein“ verfasst wird, nicht unwirksam ist. Ob nun ein Testament oder ein Erbvertrag das passende rechtliche Instrument ist, das kommt auf darauf, welche rechtliche Bindung gewollt ist. „Mit dem Testament bewahrt man sich tendenziell mehr Freiheit, insbesondere wenn sich in der Zukunft noch viele Umstände ändern können“, machte Professor Groll klar. Zum Inhalt eines Testamentes skizzierte Groll gedanklich klare Strukturen: Eine Klarheit über die Personen und die Quote sei wichtig. Denn es gelte die bekannte Weisheit „Versteht ihr euch noch gut oder habt ihr schon geerbt?“

Da in einer Erbmasse jeder Nachlassgegenstand jedem Miterben ganz gehöre und jeder Miterbe auch volles Mitbestimmungsrecht habe, warnte der Fachmann vor der Erbengemeinschaft.

„Man kann das anders und oft friedlicher lösen“, zog Professor Groll Bilanz.

Das Erbrecht bietet dazu verschiedene Instrumente. Im Rahmen einer Teilungsanordnung könnten beispielsweise durch einen Geldausgleich Verkehrswertunterschiede ausgeglichen werden. Ein Vermächtnis zugunsten einer bestimmten Person, halte diese Person aus der Erbengemeinschaft heraus und gebe ihr wiederum einen schuldrechtlichen Anspruch gegen die Erben. Durch ein Vorausvermächtnis könnten obendrein bestimmte Einzelansprüche auch innerhalb einer Erbengemeinschaft festgeschrieben werden – zum Beispiel, wenn das berühmte Klavier direkt an ein Mitglied der Erbengemeinschaft gehen soll.

Der Erbrechtsexperte hatte noch weitere Instrumente dieses spannenden Rechtsgebietes für die Komtax-Gäste auf Lager – ob Vorerbschaft oder Berliner Testament, das Erbrecht versucht mit verschiedenen Rechtsinstrumenten dem letzten Willen Gestaltungsformen anzubieten. Aber, so machte Professor Dr. Groll klar, meistens gebe es immer wieder Schlupflöcher.

Die für viele brennende Frage, ob zu Lebzeiten schon Vermögen übertragen werden solle, um entsprechende Freibeträge der Erbschafts- und Schenkungssteuer (zehn Jahre vor Eintritt des Erbfalles) abzuschöpfen, konnte Groll grundsätzlich mit einem Ja beantworten. Einen Fingerzeig ließ er jedoch nicht aus: „Wir leben gerade im Zeitalter des Übertragungswahns. Sie sollten sich klarmachen, was diese Eigentumsübertragung bedeutet. Ihr Eigentum ist weg und oftmals werden falsche Begehrlichkeiten mit einer solchen Übertragung geweckt.“

Grolls Fazit lautete deshalb: „Das Testament sollte geheime Kommandosache bleiben. Auf keinen Fall aber sollte sich die Egal-Einstellung rund um das Vererben breit machen. „Das ist verantwortungslos, lieblos und kulturlos“, appellierte der Rechtsprofessor an das Gewissen seiner Zuhörer.

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