Lebensmittelversorgung bereitet Miltern Kopfzerbrechen
„Die Flinte nicht ins Korn werfen“

Milte/Einen/Hoetmar -

Wer keine Verwandten oder nette Nachbarn hat, ist aufgeschmissen, kann in Milte nicht mehr leben“ – diese Einschätzung einer Milter Hausfrau teilen viele im Dorf. Seit der Schließung des Lebensmittelgeschäftes gebe es niemanden mehr, der die Einkäufe nach Hause bringe. Abends noch kurz den fehlenden Liter Milch holen – das sei passé. Und: „Die Leute vermissen auch die Kontakte.“

Dienstag, 07.02.2012, 20:02 Uhr

„Wer keine Verwandten oder nette Nachbarn hat, ist aufgeschmissen , kann in Milte nicht mehr leben“ – diese Einschätzung einer Milter Hausfrau teilen viele im Dorf. Seit der Schließung des Lebensmittelgeschäftes gebe es niemanden mehr, der die Einkäufe nach Hause bringe. Abends noch kurz den fehlenden Liter Milch holen – das sei passé. Und: „Die Leute vermissen auch die Kontakte.“

Ein Problem, mit dem sich auch die Werbegemeinschaft „inMilte“ bereits befasst hat, wie ihr Vorsitzender Roland Danwerth erzählt. Umbau des Ladenlokals Schulte Wöstmann, Betrieb eines Lebensmittelladens durch die Freckenhorster Werkstätten (vergleichbar mit dem CAP-Markt in Glane, der die Versorgung von älteren und weniger mobilen Menschen im Blick hat und vor allem Menschen mit Behinderungen und Langzeitarbeitslosen Arbeitsplätze bietet), Genossenschaftsmarkt – es gibt offenbar nichts, was die Kaufleute noch nicht diskutiert – und wieder verworfen – hätten. Auch mit einem Vertreter der IHK habe man gesprochen. Dieser habe die Chancen, einen Supermarkt in einem Ort mit weniger als 2500 Einwohnern erfolgreich zu betreiben, als „fast unmöglich“ eingeschätzt.

„Zurzeit liegt das Thema aber auf Eis“, gibt Danwerth zu. „Wir kommen da nicht weiter.“

Viele Milter hätten sich wohl schon lange vor der Schließung des letzten Lebensmittelladens und der Schlecker-Filiale anderweitig orientiert, analysiert Jörg Aerdker das Einkaufsverhalten im Nachbarort. Der Kaufmann, der in Einen einen 300 Quadratmeter großen Markt betreibt, hatte den Miltern anlässlich der Überlegungen zu einem Dorfentwicklungskonzept Einkaufsfahrten nach Einen angeboten. „Fünf Euro für Hin- und Rückfahrt, das Taxi wäre während des Einkaufs sogar vor dem Laden stehen geblieben“, beschreibt er seine Idee. „Ich hatte Flyer verteilt und schon Kontakt mit einem Taxiunternehmen aufgenommen.“ Die Resonanz indes sei gleich null gewesen. „Das war wohl zu teuer“, vermutet Aerdker. Vielleicht habe mancher auch das Gefühl gehabt, „dass da ein Unternehmer nur an sein Geld will“. Dass es schwierig wird, Nachfolger für kleine Lebensmittelgeschäfte in den Dörfern zu finden, liegt nach Ansicht Aerdkers auch an der starken Konkurrenz auf der grünen Wiese, Einkaufszentren, wie sie sich auch die Stadt Warendorf mit Marktkauf, DM und Co. vor die Tore gesetzt habe; und in denen auch die Bewohner Miltes – und Einens – kaufen.

Die Stadt will der Entwicklung in Milte keineswegs untätig zusehen, wie Wirtschaftsförderer Torsten Krumme versichert, der die Sorgen der Bürger ernst nimmt. Seit Wochen führe er Gespräche mit Grundstückseigentümern und mit potenziellen Marktbetreibern. „Interessant für die Ansiedlung eines Vollsortimentlers könnte laut Krumme das Gelände des ehemaligen Tischlereibetriebes Mietzner an der Ostbeverner Straße sein. Der Eigentümer – Theo Pries – habe die Fläche bislang glücklicherweise noch nicht verplant. Für einen Supermarkt sei das „eine super Lage“, findet der Wirtschaftsförderer. Ein Großhändler, der in vielen kleinen Ortschaften kleine Märkte betreibt, habe bereits Interesse an einer Ansiedlung in Milte signalisiert und erklärt, dass sich ein kleiner Vollsortimentler in einem Ort mit 2000 bis 2500 Einwohnern durchaus rechnen könne. Die Verkaufsfläche müsse dann aber zwischen 500 und 600 Quadratmeter groß sein.

Und damit entschieden größer als die Verkaufsfläche im Hoetmarer Frischmarkt. Dessen Betreiberin räumte in der jüngsten Ausgabe von „Wir in Hoetmar“ ein, dass der jetzige Standort an der Dechant-Wessing-Straße zu kostenintensiv sei“. Pläne, an anderer Stelle einen neuen Markt zu errichten, der auch vom Durchgangsverkehr profitiert hätte, haben sich zerschlagen. Ein verkehrsgünstig gelegenes Grundstück mit ausreichend Parkfläche zu finden, sei dort schwierig,bestätigt Krumme. Ob der Frischmarkt bestehen bleibt, will die Inhaberin bis Mai entscheiden.

„Wir sollten die Flinte nicht ins Korn werfen“, meint Torsten Krumme mit Blick auf die Situation in Milte. Von Überlegungen, eine Genossenschaft (wie in Ochtrup-Welbergen) einzurichten, sei man noch „weit weg“. Von der denkbaren Ansiedlung eines Supermarktes auf dem Pries-Grundstück allerdings auch. ,Wegen des langwierigen Planverfahrens, räumt Krumme ein, sei so etwas nicht binnen dreier Monate zu schaffen.  

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