Psychiatrischer Gutachter beschreibt den Tattag
Ex-Frau zerstückelt: Prozessauftakt

Warendorf -

Die Tat war Gesprächsthema: Ein 49-jähriger Mann soll am 21. April in Freckenhorst seine Ex-Frau erst erstochen und dann ihre Leiche zerstückelt haben. Dazu passte die Schilderung der Nachbarn im Mehrfamilienhaus, die einen Streit zwischen dem Paar gehört hatten. Als der Mann die 58-Jährige später vermisst meldete, schaltete sich die Polizei ein. Die Ermittler fanden Blutspuren im Treppenhaus: Seither sitzt der gebürtige Russe in U-Haft.

Dienstag, 16.10.2012, 18:10 Uhr

Psychiatrischer Gutachter beschreibt den Tattag : Ex-Frau zerstückelt: Prozessauftakt
Ein Mann mit Kapuze: Der 49-jährige Angeklagte schwieg gestern zur Bluttat. Sein Anwalt Andreas Tinkl (r.) hatte ihm dazu geraten. Foto: Wilfried Gerharz

Beim Prozessauftakt vor dem Landgericht Münster überließ es der Gelegenheitsarbeiter gestern einem psychiatrischen Gutachter, die Tat zu schildern. In den Wochen zuvor habe ihm seine – nach russischem Recht von ihm geschiedene – Frau massive Vorwürfe gemacht. Er trinke zu viel, tauge nichts, sei „kein Mann“. Auch am Tattag habe er viel Schnaps zu sich genommen.

Als seine Frau von einem Besuch bei ihrer Schwester zurückkam, eskalierte die Situation. „Das sei ihr Fehler gewesen“, berichtete Gutachter Prof. Norbert Leygraf aus der Sicht des Angeklagten. Wäre sie bei ihm geblieben, hätte er nicht so viel getrunken und wäre nicht aggressiv geworden, so dessen Standpunkt. Als sie ihm wieder Vorwürfe machte, ergriff er ein Obstmesser und rammte es ihr in den Hals, wo es stecken blieb. Anschließend legte er sich aufs Sofa und guckte eine russische Sendung, „in der viel gesungen wurde“. In dieser Zeit verblutete seine Frau in der Küche.

Erst ein Klingeln des Telefons brachte den Mann wieder zur Besinnung. Leygraf: „Er fand seine Frau in der Küche ohne Puls.“ Da in Russland unter Alkohol begangene Taten härter geahndet würden als in Deutschland – der Angeklagte aber nicht wusste, dass es hier anders ist, wollte er die Leiche „entsorgen“.

Er schleppte sie ins Bad, wo er der Frau erst Arme und Beine abschnitt. Er packte die Körperteile in eine Tasche und einen Koffer, um sie ins Auto seiner Frau zu laden. „Für einige Zeit standen die Leichenteile neben dem Wagen auf der Straße“, berichtete der Gutachter.

Erst wollte der Angeklagte nach Münster fahren, um die Leiche in den Kanal zu werfen. Dann jedoch landete er in der Bauerschaft Überwasser bei Ostbevern. „Wo er die Leichenteile genau versteckte, erfuhr er später von der Polizei ,“ berichtete Staatsanwältin Bettina Werner. Der Mann sei zu betrunken gewesen, um sich zu erinnern.  

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