Hedwig Leendertse berichtet über Gefangenschaft in der DDR
Ein unbändiger Freiheitswille

Warendorf -

Zu ihrem Treffen am Dienstagnachmittag hat sich die KDF (Katholische Frauengemeinschaft) von St. Marien selbst schwere Kost gereicht.

Mittwoch, 21.11.2012, 13:11 Uhr

Hedwig Leendertse berichtet über Gefangenschaft in der DDR : Ein unbändiger Freiheitswille
Monate der Angst: Als Sprecherin der Frauengemeinschaft dankte Monika Lucht (r.) der Referentin Hedwig Leendertse für den interessanten wie bedrückenden und nahe gehenden Bericht über ihr Zusammentreffen mit der Stasi. Foto: Babeliowsky

Zu ihrem Treffen am Dienstagnachmittag hatte sich die KDF (Katholische Frauengemeinschaft ) von St. Marien selbst schwere Kost gereicht. Gemeint ist das Thema eines Vortrages der Warendorferin Hedwig Leendertse . Die im sächsischen Hohenstein-Ernstthal aufgewachsene Christin war Gemeindehelferin. Als Bewohnerin der ehemaligen DDR lernte sie 1955 den in Westdeutschland lebenden Albert Leendertse kennen. Nach häufige Treffen in Ostberlin verlobten sich die Verliebten 1961. Das ersehnte Zusammenleben im „Westen“ wurde aber durch das freiheitsfeindliche Regime der DDR verhindert. Der Bau der Mauer verhinderte weitere Treffen.

In der jungen Frau wuchs der unbändige Wille, in die Freiheit und zu ihrem Verlobten zu gelangen.

Hedwig Leendertse ging einen sehr leidensvollen Weg. Sie plante die Flucht, und brauchte dazu Helfer. In einem Auto hinter den Rücksitzen versteckt sollte das gefährliche Unternehmen gelingen. Dass einer der Mitplaner ein DDR-Spitzel war, machte alles zunichte. Es kam zur Anklage wegen Zugehörigkeit zu einer Terrororganisation, Konspiration, Vergehen gegen das Passgesetz und versuchten Grenzdurchbruchs.

Im Untersuchungsgefängnis war die Gefangene mit Schockverhören (sechs bis acht Stunden täglich), Isolationshaft und Reizentzug schweren Repressalien ausgesetzt, die eine Entindividualisierung zum Ziel hatte. Schließlich sollte ein Geständnis über Drohungen mit Maßnahmen gegen die Familie erpresst werden. Erst drei Monate nach der Verhaftung wurde ein Pflichtanwalt einbezogen. Das Urteil im Prozess lautete ein Jahr und sechs Monate Freiheitsentzug.

Sehr eindringlich schilderte Leendertse die immer wieder angewandten unterschiedlichen Maßnahmen der psychologisch geschulten Stasi-Beamten bei den Verhören, bei denen schon viele Menschen zuvor zerbrochen waren.

Überraschend winkte im Frühjahr 1964 dann doch die Freiheit, bewirkt durch einen vom Verlobten und Freunden betriebenen Freikauf, der die Bundesrepublik 40 000 DM kostete. Im Dezember 1964 heirateten Hedwig und Albert Leendertse. Ende gut, alles gut? Die Frage beantwortet die Leidgeprüfte: Angst verbleibt, hin und wieder Anzeichen einer Depression oder Schlaflosigkeit und Konzentrationsstörungen.

Missmut kommt auf, wenn Gedanken an die Täter erwachen, die heute unter uns frei leben und Renten beziehen. Eine Ehrenpension für Opfer wird aber nicht gewährt.

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