Storno im Theater am Wall
Jahresschluss mit Kult-Charakter

Warendorf -

Karten ihrer Jahresendabrechnung sind fast so begehrt wie „heiße“ Ware. Bei Storno 2012 verblasste Silvester im ausverkauften Theater am Wall alles andere zur Seifenoper.

Dienstag, 01.01.2013, 16:00 Uhr
Jahresendabrechnung: Jochen Rüther, Thomas Philipzen und Harald Funke (v. l.) zerpflückten gnadenlos die großen und kleineren Katastrophen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Jahresendabrechnung: Jochen Rüther, Thomas Philipzen und Harald Funke (v. l.) zerpflückten gnadenlos die großen und kleineren Katastrophen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Foto: Engels

Mehr kann sich ein Jahr wie das schicksalsträchtige 2012 nicht wünschen, als von diesem kultigen Trio durch die Mangel genommen zu werden. Diese von Harald Funke , Thomas Philipzen und Jochen Rühter konzipierte Form des modernen Heimatabends bot eine gnadenlose Zerpflückung der großen und kleineren Katastrophen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Die Sketche wechselten sekundenschnell, waren mit anmutigen Choreographien und einzigartigen Gesangseinlagen gewürzt. Wer vorher nicht vom Storno-Virus befallen war, der hatte bereits zum virtuosen Auftakt jegliche Widerstandskraft verloren und wurde süffisant zur großen Gemeinde der Stornisten bekehrt. Als Einstieg musste Felix Baumgartner herhalten. Sein Sprung aus der Stratosphäre als Metapher für den freien Fall der FDP oder den fatalen Abstieg des 1. FC Köln ließen das Publikum jede Zurückhaltung verlieren.

Das Trio schoss sich nach einem kurzen Ausflug über den großen Teich schnell auf innerdeutsche Themen ein. Beim neuen Frontmann der SPD, Peer Steinbrück, störten sich die drei Wortakrobaten an seinen Spitzenhonoraren. Den könnte man sich bei der angespannten Finanzlage nur kurzzeitig leisten, dann müsste man ihm ein Sprechverbot aus Spargründen erteilen.

Das Grundsatzblättchen der „Piraten“ mit der Forderung nach freiem Internet, legalisierten Drogen und unbegrenztem Grundeinkommen zerlegten sie mit Akribie und Sezierkunst bis in die kleinste Faser. Jochen Rüther fasste alles zusammen mit den Worten „Das heißt ja wohl übersetzt: Pornos gucken, dabei kiffen und das ganz auch noch bezahlt bekommen.“

Für Harald Funke gab es nur eine Person, die alle aus der Krise führen kann. Bei Nennung ihres Namens bekam er gar glänzende Augen. Unser aller Angie als Kaiserin Europas leuchtete für ihn im Strahlenglanz ihres Ruhmes. Auch die degenerierten und völlig überbezahlten Windsors mit Hannoveraner Wurzeln mussten herhalten. 60 Jahre Queen Elisabeth bedeuteten für Prinz Charles tragischerweise, 60 Jahre auf den Thron zu warten.

Die großen Jubiläen von James Bond bis zu den Rolling Stones ließen sie musikalisch am Publikum vorbeiziehen. Ihr Bee-Gees-Gesang stellte das Original in den Schatten. In perfekter Überzogenheit widmeten sie gar den Tote-Hosen Song „An Tagen wie diesen“ der Kanzlerin mit dem kleinen Tadel versetzt „. . . mit Phrasen wie diesen“.

Wenn Hannelore Kraft zur Maria Hellwig der Politik mutierte, der Wahnsinn sich im Paul-Schallück-Saal ausbreitete, Mutti Merkel ihre schützende Hand über all ihren Untertanen ausbreitete, dann konnte sich das Jahr 2012 genüsslich zur Ruhe begeben, hatte Storno 2012 mal wieder gesiegt.

Axel Engels

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