Katharina Leendertse
Fünf Monate im Stasi-Gefängnis

Milte -

Ergreifend war der Bericht von Katharina Leendertse über ihre Haft im zentralen Stasigefängnis Hohenschönhausen in Berlin. Die Warendorferin sprach jetzt vor der Kolping-Seniorengruppe Milte im Gasthof Biedendieck.

Sonntag, 24.02.2013, 19:02 Uhr

Katharina Leendertse spricht über ihre Haft im Stasigefängnis Hohenschönhausen.
Katharina Leendertse spricht über ihre Haft im Stasigefängnis Hohenschönhausen. Foto: Brügge

Zunächst erinnerte Katharina Leendertse an die vergangenen Rosenmontagszüge, in denen Politiker verspottet wurden. Das sei in der DDR völlig unmöglich gewesen. Dort sei ab 1949 die Staatssicherheit aufgebaut worden. Sie selbst sei in ihrer Heimat, in Sachsen, in der evangelischen Gemeindearbeit tätig gewesen. Im Jahr 1955, bei einer Fahrt in die Bundesrepublik, habe sie ihren heutigen Mann kennengelernt.

In den ersten Jahren hätten sie sich gegenseitig besucht, jedoch sei es für sie immer schwieriger geworden. Vor dem Bau der Mauer hätten sie sich oft in Berlin getroffen und sich eines Tages dort verlobt. Damit sie in den Westen kommen konnte, habe ihr Verlobter sich mit einer Fluchthilfeorganisation in Verbindung gesetzt. Diese Leute hatten ein Auto vorbereitet und einen Platz zwischen Kofferraum und Rücksitz geschaffen, in dem Katharina Leendertse sich verstecken konnte.

Jedoch sei in dieser Organisation ein Mann von der Stasi gewesen, der das Auto nicht nach Westberlin, sondern ins Stasigefängnis Hohenschönhausen gefahren habe.

Hier erfuhr die Warendorferin zunächst Demütigungen und Erniedrigung durch Leibesvisitation. Dann sei sie zweimal zwölf Stunden lang verhört worden, danach täglich acht Stunden. Die Stasi wollte herausfinden, wie die Fluchthilfe funktionierte. Vor allem wollte der Geheimdienst der ehemaligen DDR Namen wissen. Diese waren Leendertse aber nicht bekannt. Nach vier Wochen sei sie für vier Monate in Isolationshaft gekommen. Allein in einer Zelle, keine Verbindung nach außen, kein Buch, keine Zeitungslektüre sei ihr gestattet worden.

Auf die Zwischenfrage eines Zuhörers, wie sie diese Zeit durchstanden habe, erklärte sie, dass sie durch Gebete Halt gefunden habe. Vor allem die Worte von Dietrich Bonhoeffer „Von guter Mächten wunderbar geborgen“ hätten sie stets getröstet.

Katharina Leendertse warnt heute vor der SED-Nachfolgepartei, die „Linke“, die das Treiben des Geheimdienstes der DDR zu verharmlosen versuchten.

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