Natur im Garten
Hilfe für alleinerziehende Mütter

Warendorf -

Schon im 19. Jahrhundert gab es Menschen, die sich um die Bestäubung ihrer Obstbäume sorgten und deshalb Wildbienenkästen aufhängten. In den letzten Jahren erleben diese Insekten-Nisthilfen, gerne als Bienenhotel bezeichnet, eine echte Renaissance. Die Hotelgäste sind nicht etwa in großen Völkern lebende Honigbienen oder Wespen, sondern Wildbienen und Solitärwespen, einzeln lebende Insektenweibchen, die, jedes für sich, eine Brutröhre bauen. „Das ist ein Heim für alleinerziehende Mütter“, scherzt Biologe und Naturexperte Rainer Seidl.

Dienstag, 02.04.2013, 11:04 Uhr

Holzscheiben wie diese können ein Heim für Solitärbienen und -wespen sein.
Holzscheiben wie diese können ein Heim für Solitärbienen und -wespen sein. Foto: Brocker

Bei den Solitärbienen handele es sich um eine große Artenzahl von Wildbienen und Wildwespen, die für den Laien kaum als Bienen oder Wespen erkennbar seien. Seidl : „Sie sind sehr schlank, zierlich, viel kleiner als Stubenfliegen, zum Teil sehr farbenprächtig. Manche nutzen kleine Höhlen in Holz und Mauerfugen oder hohle Halme. Andere gehören zu den Grabbienen oder Grabwespen und graben sich Löcher in den sandigen Gartenboden. Sie stechen im Allgemeinen nicht und sie naschen nicht von unserem Pflaumenkuchen.“

Wildbienen und Solitärwespen seien hervorragende biologische Schädlingsbekämpfer im Garten , weil sie beispielsweise Läuse und kleine Raupen an ihren Nachwuchs verfütterten. Vor allem aber leisten die kleinen Insekten mehr Bestäubungsarbeit als die Honigbienen-Völker, die durch die Varroa-Milbe stark geschädigt werden.

In einer Welt, in der prächtige Blumenwiesen und bunte Wegraine heute eher die Ausnahme als die Regel sind, in der es kaum noch Wildkräuter und kaum noch Totholz gibt und in der in Hausgärten die chemische Keule regiert, haben es die kleinen Nützlinge schwer, geeignete Niströhren zu finden. Doch Garten- und Balkonbesitzer können mit einfachen Mitteln viel für die Tierchen tun. In einen unbehandelten Holzblock oder eine hölzerne Scheibe werden vier bis acht Millimeter tiefe Löcher gebohrt. Das Holzstück wird an eine sonnenbeschienene, die Wärme speichernde Wand gehängt.

In die einzelnen vorgefertigten Röhren legen die Solitärwespen und Wildbienen dann je ein Ei. Dazu packen sie Futter, etwa Pollen oder durch ihren Biss gelähmte Blattläuse.

Dann verschließen sie die Kammer mit einer Wand, die sie aus Sand und Speichel mauern. Dann wird ein weiteres Ei in die gleiche Röhre gelegt, mit Nahrungsvorrat versorgt und zugemauert. Auf diese Weise entsteht ein „Kinderzimmer“ nach dem anderen. Schließlich wird die gesamte Röhre nach außen mit einem massiven Deckel aus Sand und kleinen Steinchen zugemauert.

Aus den Eiern schlüpft die Larve, die sich, sobald das Futter in der Röhre aufgebraucht ist, verpuppt. Aus der Puppe, die auch überwintern kann, kriecht das fertige Insekt. „Die zuletzt gelegten Eier müssen sich am schnellsten entwickeln. Und die ersten, die schlüpfen, sind immer Männchen“, verweist Rainer Seidl auf ein „Wunder der Natur“.

Auch offene Halme oder dünne Bambusrohre sind, in Büscheln zusammengefasst, ideale Bienenhotels. Ebenso geeignet sind Halmkästen oder ungebrannter Ziegelton, der zunächst genau so bearbeitet wird wie die Holzblöcke und dann gebrannt werden muss, um wind- und wetterfest zu sein. Auch im Handel gibt es Bienenhotels, zum Teil auch Kombinationen verschiedener Materialien.

Alle Nistobjekte in Augenhöhe aufgehängt, eignen sich gut für Kinder zur Naturbeobachtung, denn die fleißigen Insekten lassen sich beim Säubern, Bauen und beim Futtereintragen nicht stören.

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