WN-Abendvisite
Schritt für Schritt vorgehen

Warendorf -

Geschnarcht hat keiner – auch wenn es das Thema der WN-Abendvisite im Josephs-Hospital war. „Schnarchen bis zur Atempause“ – damit beschäftigten sich Dr. Albert Esselmann, Priv. Doz. Dr. Florian Sachse und Zahnarzt Chris van Dijk. Die drei Referenten arbeiten im noch jungen Warendorfer „Netzwerk gesunder Schlaf“ eng zusammenarbeiten.

Mittwoch, 18.09.2013, 17:09 Uhr

Schnarchen ist eine Volkskrankheit. Jeder Zehnte im Alter von 20 Jahren ist davon betroffen, ab einem Alter von 65 Jahren sogar die Hälfte. Gründe und Ursachen gibt es viele: Täglicher Stress und Belastung machen knapp 40 Prozent aus, das Grübeln und das Nicht-in-den-Schlafkommen 24 Prozent, Schichtarbeit schlägt mit 21 Prozent zu Buche. Doch Gründe gibt es noch mehr. Ebenso wie die Schlafstörungen an sich. 85 solcher Störungen sind bekannt. Das Schnarchen ist die bekannteste.

Wie es zum Schnarchen kommt, das beschrieben die Referenten anhand von Bildern und Videos. Verengte Atemwege sind die Hauptursache, Behandlungsmöglichkeiten gibt es mehrere. Wichtig ist die Diagnose. Nicht immer ist das Schlaflabor dafür das Mittel der Wahl. Stattdessen gehen die Mediziner Schritt für Schritt vor, tauschen sich gegebenenfalls aus, überweisen den Patienten zum Kollegen. „Das alles muss sehr gewissenhaft gemacht werden“, erklärt Albert Esselmann. Es gibt verschiedene Untersuchungs-Methoden. In der sogenannten Stufen-Diagnostik „wird die Spreu vom Weizen getrennt“, so Esselmann.

Eine Möglichkeit ist die Endoskopie. Schritt für Schritt geht der Arzt die Aufzeichnung mit dem Patienten durch.

Erst dann wird entschieden, welche Behandlungsmethode sinnvoll ist. Die Mund-Nasenmaske, bei der der Rachen mit einer Luftdrucktherapie erweitert wird, gilt als Gold-Standard. „Das löst das Problem zu 95 Prozent“, erklärt Esselmann. Einige andere Nebenwirkungen, die die Schlafstörungen mit sich bringen, werden damit ebenfalls behoben. Der Blutdruck wird gesenkt, die Lebensqualität verbessert, ebenso die Tagesschläfrigkeit, die ein erhöhtes Unfallrisiko mit sich bringt.

Eine simple Gewichtsabnahme könne zwar Besserung bringen: „Ganz selten aber wird das Problem damit komplett gelöst“, so Esselmann. Das Gleiche gilt für Nasenklammern, Schnarchbrillen oder Magnetkopfkissen: „Keine Lösungen für die breite Masse“, betont Esselmann.

Dagegen kann ein kleiner operativer Eingriff schon hilfreich sein. Wenn beispielsweise das Gaumensegel gekürzt wird. Oder wenn Zahnarzt und Kieferorthopäde ins Spiel kommen. Wie bei einer Unterkiefervorverlagerung, um die Atemwege offener zu machen.

Welche Therapie letztendlich durchgeführt wird – in den meisten Fällen muss man sie lebenslang durchhalten. „Man muss gewissenhaft schauen, welche Optionen es gibt“, erklärt Esselmann. Auch die Kostenübernahme durch die Krankenkassen sei ein Faktor, so der Experte für Schlafmedizin. Gebissschienen waren da mal in der Diskussion. „Die Krankenkassen konnten aber überzeugt werden und übernehmen die Kosten“, meint van Dijk. So kann bereits eine Unterkieferprotrusionsschiene, die in den Schlafphasen getragen wird, für Ruhe sorgen. Mit Hilfe dieser Schiene wird der Unterkiefer vorverlagert, der Rachenbereich stabilisiert und ein Herabsenken der Zunge in den Rachenraum verhindert.

„Man stirbt nicht an einer Atempause “, fasste Esselmann zusammen. Schnarchen führe jedoch zu Stress, zu erhöhtem Blutdruck – am Ende der Kette können Diabetes und Herzrhythmusstörungen stehen. „Man ist früher gesundheitsgefährdet“, so Esselmann, der noch eine andere Lösung für das Schnarchproblem parat hatte: Das Didgeridoo, ein australisches Blasinstrument, soll tatsächlich ein gutes Mittel sein, die Atemwege zu trainieren und erweitern. „Ich glaube aber, das ist nichts für uns in Deutschland .“

 

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