Unterwegs mit dem Coffee-Bike
Eine Illusion für die Sinne

Milte -

Vom Leiter der Tagespflege zum Kaffeeverkäufer auf dem Fahrrad: Diesen Schritt hat der Milter Ingo Grave gewagt. Mit Erfolg!

Samstag, 07.12.2013, 10:12 Uhr

Liebe, sagt der Volksmund, geht durch den Magen. Ute und Ingo Grave würden das vermutlich uneingeschränkt bestätigen. Denn: Eine der ersten Fragen, die der bekennende Coffeeholic seiner damaligen Freundin und heutigen Ehefrau stellte, war: „Kannst du einen guten Kaffee kochen?“ Sie konnte. Und hat großes Verständnis für die schwarze Leidenschaft ihres Mannes, dem Kaffee aus Kapsel oder Pad niemals in die Tasse kämen.

Für seine Küche hat sich Grave, zu Hause in Milte , eine Kaffeemaschine mit allen Schikanen gegönnt. Eine Bezerra Bz 10, so etwas wie den Porsche unter den italienischen Espressomaschinen. „Das ist noch Handwerk, noch ursprünglich“, schwärmt er von der Kaffeezubereitung mit der Siebträgermaschine Auf der Suche nach einem noch etwas größeren Modell für den Hausgebrauch stolperte er über die Maschine seiner Träume. Eine Astoria Perla AL, eine Siebträgermaschine mit Handhebel, die sich auf Gas umrüsten lässt. Und dazu eine Mühle, in der die Bohnen für jede Tasse Espresso, Kaffee oder Cappuccino frisch gemahlen werden.

Für den häuslichen Gebrauch wäre die Maschine nicht nur ein wenig überdimensioniert, sondern auch entschieden zu kostspielig. Dann stieß Grave, der jahrelang Pflegedienstleiter im Malteser Marienheim war, während abendlicher Internet-Recherchen auf das Kaffee-Fahrrad, ein edles Gefährt, dessen Herzstück eben jene begehrte Kaffeemaschine ist. Die Idee zweier junger Unternehmer, die in Osnabrück die Coffee-Bike-Company gegründet hatten und Franchisenehmern das Coffee-Bike anbieten, faszinierte den 43-Jährigen derart, dass er nach reiflicher Überlegung und Gesprächen mit seiner Frau sein Leben umkrempelte.

Anfang des Jahres kündigte er seinen Job als Pflegedienstleiter im Malteser Marienheim und bekam wenig später die Stelle als Leiter der Tagespflege im Alten Kloster angeboten. „Besser hätte es kaum kommen können“, findet er rückblickend. Die neue Stelle erlaube es ihm, an den Wochenenden mit dem Coffee-Bike unterwegs zu sein. „Und dienstags“, setzt er mit Blick auf das fünf Monate alte Töchterchen Lara strahlend hinzu, „ist mein Papa-Tag.“ Ob Gutschein-Sonntag, Frühlingserwachen oder Fettmarkt – der rollende Coffee-Shop ist seit dem Frühjahr bei nahezu allen Veranstaltungen der Warendorfer Kaufmannschaft im Einsatz. Beim Freckenhorster Herbst und beim Schützenfest in der Stiftsstadt waren das nostalgisch wirkende Fahrrad mit dem dunklen Markisen-Dach und dem edlen Vorratskasten aus Mahagoni-Holz, in dem Milch und Espressobohnen gelagert werden, ebenso dicht umlagert wie bei den Hengstparaden in Warendorf oder beim Krach-am-Bach-Spektakel in Beelen. Ristretto, Espresso, Caffé Crema und Cappuccino servierte Grave schon am Phönix-See in Dortmund und auf den Promenaden-Flohmärkten in Münster. Latte Macchiato, Mochaccino, Chai Latte und Fair-trade-Kakao bot er den Besuchern der vorweihnachtlichen Messe „Zimt und Sterne“ in der Halle Münsterland. Spezialitäten wie die Schwarzwälder-Kirsch-Latte, übrigens der Renner beim Tag der offenen Tür in einem Seniorenheim, oder heißen Tee, serviert der flink zwischen Lenker und Gepäckträger hantierende Barista am zweiten Adventswochenende auf dem Sendenhorster Weihnachtsmarkt. Dass das Coffee-Bike, freitags auf dem Warendorfer Wochenmarkt anzutreffen, auch immer häufiger auf privaten Geburtstagsfeiern oder sogar Hochzeiten zum Einsatz kommt, liegt allerdings nicht nur an der Optik, sondern wohl vor allem an der guten Qualität der Kaffee- und Kakaospezialitäten, die Ingo Grave seinen Gästen bietet. Von der hohen Qualität der Produkte hat der junge Unternehmer, der in Sachen Kaffee nach wie vor nicht die Katze im Sack kauft, sich übrigens vor Unterzeichnen des Franchise-Vertrages höchstpersönlich überzeugt: „Ich habe mir erst mal ein paar Kilo Kaffeebohnen nach Hause schicken lassen.“

Bis zu 500 Getränken am Tag – darunter auch frisch gepresster Orangensaft – gehen an besonders guten Tagen über den Fahrradlenker. Manchmal laufe das Geschäft so gut, dass die Milchvorräte zur Neige gehen. Das will etwas heißen, denn 50 Liter Bio-Milch hat der junge Unternehmer immer an Bord des Coffee-Bike, das im beladenen Zustand rund 500 Kilo wiegt. „Der Schritt in die Selbstständigkeit war das Beste, was ich gemacht habe“, findet Ingo Grave, der sich hobbymäßig als Illusionist, als Flohzirkus-Direktor, betätigt. Fast genau so gut finden seine Stammkunden den „Mint shot“, einen Espresso mit Mint. Auch der Mint shot sei eine Illusion für die Sinne“, findet Grave. „Es riecht wie Espresso, schmeckt aber anders“, schwärmt er von einer wahren Geschmacksexplosion auf der Zunge.

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