Überversorgung mit Psychotherapeuten – trotzdem hoher Bedarf
Therapie ist kein Makel

Kreis Warendorf -

Schon vor drei Jahren gab es viel zu viele Psychotherapeuten im Kreis Warendorf. Rein statistisch jedenfalls. Denn auch damals mussten Patienten lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Die Quote der Überversorgung wurde im Jahr 2011 mit 202,3 Prozent angegeben. Und diese Zahl ist inzwischen weiter gestiegen: auf 217 Prozent.

Freitag, 21.03.2014, 10:03 Uhr

In konkreten Zahlen sind es 79 Psychotherapeuten, die für die ambulante Versorgung der Patienten im Kreis Warendorf zuständig sind. Trotz der eklatanten (statistischen) Überversorgung liegt die Wartezeit im Landesschnitt immer noch bei acht bis zehn Wochen. Immerhin eine leichte Verbesserung: Vor drei Jahren betrug die Wartezeit noch drei Monate.

Trotzdem: „Die gefühlte Wartezeit ist für die Patienten oft hart“, meint Christopher Schneider, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe. Besonders schlimm sei die Situation bei Kindern und Jugendlichen. Denn die meisten von ihnen hätten auch am Nachmittag Unterricht und seien zeitlich sehr eingeschränkt. „Allerdings haben sich manche Therapeuten auf die veränderte Situation eingestellt und bieten auch samstags Sprechstunden an.“

Eine bedarfsgerechte Planung zu machen, sei eine große Herausforderung. „Die erste Planung im Bereich Psychotherapie fand 1989 statt und war wohl eher unterdimensioniert“, schätzt Schneider. Dies erkläre zum Teil, warum es trotz der angeblich hohen Überversorgung lange Wartezeiten gibt. „Therapie ist heute kein Makel mehr. Und wir registrieren seit Jahren einen erheblichen Zulauf bei den Psychotherapeuten.“ Neben dieser gesellschaftlichen Veränderung werde aber natürlich auch aufs Geld geguckt. „Bei der Bedarfsplanung sind die Krankenkassen schließlich zu 50 Prozent beteiligt“, sagt Schneider. Insbesondere für den nördlichen Teil des Kreises gelte, „dass viele Menschen es vorziehen, nach Münster zu fahren und sich dort einen Therapeuten zu suchen“, so Schneider. Dadurch entspanne sich die Lage bei den Wartezeiten.

Besonders schwierig sehe es im Kinder- und Jugendbereich aus. Kein Wunder: Schließlich gibt es weniger Therapeuten, die sich darauf spezialisiert haben. Für die ambulante Versorgung von Kindern und Jugendlichen stehen im Kreis Warendorf 9,5 Therapeuten-Stellen zur Verfügung – auch das liegt deutlich über dem Soll von 6,5 Stellen.

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