Reichenbacher Heimattreffen
Brücken bauen zur alten Heimat

Warendorf -

„Geschichtsbewusstsein zu pflegen, Kultur, Brauchtum und Sitten des Kreises Reichenbach sowie der weiteren schlesischen Heimat zu wahren und diese Werte weiterzugeben“. Unter diesem Motto folgten zahlreiche Mitglieder, Verwandte und Freunde des Heimatbundes Reichenbach, Eulengebirge der Einladung zum 32. Bundestreffen der Kreis-Reichenbacher nach Warendorf.

Montag, 23.06.2014, 11:06 Uhr

Unter den zahlreichen Gästen, die der Einladung der Reichenbacher gefolgt sind, fanden sich neben Zeitzeugen auch jüngere Generationen der Vertriebenen im Warendorfer Emshof ein.

„Fast täglich erreichen mich Anfragen. Menschen suchen nach ihren Wurzeln“, erklärt der Vorsitzende Martin Pieper . „Allein unsere Homepage (www.heimatbund-reichenbach.de) zählte im vergangenen Jahr weit mehr als 100 000 Aufrufe aus der Ganzen Welt und wir haben Mitglieder in der ganzen Bundesrepublik, in Amerika, Südafrika und natürlich in Polen . Das ist ein Zeichen für das riesige Interesse der Nachfolgegenerationen an der Aufbereitung ihrer Geschichte“, so Pieper weiter.

Unmittelbar nach Kriegsende 1946 wurde die Westgrenze Polens verschoben, so dass große Teile Schlesiens und Ostpreußens an Polen übergingen.

„Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie wir eines Tages eine Mitteilung bekamen, dass wir in nur wenigen Stunden unsere Häuser verlassen mussten und sich das ganze Dorf zu Fuß zum Bahnhof aufmachen musste. Dort wurden wir mit 30 bis 35 Personen in Güterwaggons zusammen gepfercht“, erinnert sich Dr. Ingried Aebert , die im Alter von sechs Jahren die Vertreibung der Reichenbacher Bevölkerung miterlebt hat.

„Es herrschte eine angstvolle Atmosphäre, denn niemand wusste, wo wir hingebracht wurden. Als wir mitbekamen, dass wir nach Westen fuhren, waren wir sehr erleichtert“, fügt Aebert hinzu. „Die Menschen haben damals nicht nur ihr Dach über dem Kopf und ihr gesamtes Hab und Gut verloren, viel schwerer wog der Verlust der Heimat und der eigenen Identität“, berichtet Aebert.

Ihre Reise endete nach acht Tagen in Warendorf , wo die Vertriebenen zunächst im evakuierten Landgestüt Unterkunft fanden, um in Folge den Bauern in der Region zugeteilt zu werden.

„Damals wussten wir noch nicht, dass die Leute, die unsere alten Häuser besiedelten, selbst vertrieben worden waren“, erläutert Ebert. „Die Menschen teilten unser Schicksal, wurden auch aus ihrer Heimat vertrieben, um das neu gewonnene Land zu besiedeln. Auch diese Menschen hatten große Angst und hatten alles verloren“.

Dem Heimatbund Reichenbach-Eulengebirge geht es heute vor allem um den Gedankenaustausch zwischen den Menschen. „In Zeiten eines freien Europa ist es uns möglich, engen Kontakt zu den Menschen im heutigen Dzierzoniow aufzubauen und gemeinsam vor Ort, wie hier, die Geschichte aufzubereiten“, erläutert Pieper.

„Nach der Vertreibung fühlte sich dort niemand daheim. Es war als hätte man mit einem großen Besen alles Heimische weggefegt. Es ist ein geschichtsloser Raum entstanden, den wir uns nun bemühen mit Leben, Erinnerungen und Freundschaft zu füllen“, fasst Aebert die Tätigkeit des Heimatbundes zusammen.

Und genau das stand auch im Mittelpunkt des Bundestreffens. Nach der Begrüßung durch den Vorstand und einem gemeinsamen Mittagessen hatte der Heimatbund Karl Heim und Ruth Niermann aus Münster sowie Ruth Nicklas aus Herne zur „Mundartstunde“ geladen, in der die schlesische Mundart wieder lebendig wurde. Zwischen den Programmpunkten bot sich den Gästen viel Raum für gemeinsame Gespräche und Gedanken über die neue wie die alte Heimat.

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