Marktfest auf dem Lohwall
Ab ins Mittelalter

Warendorf -

Wie sagt man in der Mode doch so schön? Jeder Trend kommt wieder. Im weitesten Sinne trifft das wohl auch auf die Gewänder der oft aufwendig ausstaffierten Gestalten zu, die am Wochenende scharenweise in Richtung Lohwall zogen. Dort war nämlich wieder mal das Mittelalter ausgebrochen, mit allem was dazu gehört: Ritterlager soweit das Auge reicht, Schwertkampf, Bogenschießen, Barden und Bächen von Met.

Sonntag, 06.07.2014, 15:07 Uhr

Für die Szene ist das Marktfest mittlerweile zu einem wirklichen Highlight geworden, so mancher Schausteller nimmt 500 Kilometer Anreise in Kauf, um dabei zu sein. Über 800 Gäste kommen jedes Jahr angereist. Die Nachfrage ist allerdings noch erheblich größer. „Wenn wir den Platz hätten, könnten wir auch ohne Probleme 1500 Leute unterbringen, die hier das ganze Wochenende verbringen. Wir erhalten fast doppelt so viele Anfragen, wie wir Plätze vergeben können“, berichtet Hauptorganisator Ralph Damke von Ars Westfalica.

Mit Ausnahme der ungefähr 70 Händler und Gastronomen ist das Treffen für die meisten Teilnehmer einfach ein Hobby. Zugegeben, kein ganz billiges: Selbst ein einfaches Zelt kostet schnell an die 2000 Euro – dafür schläft es sich allerdings auch nicht schlecht darin.

Das Mittelalter hat in den letzten Jahren Hochkonjunktur. Als Grund vermutet Damke ein Bedürfnis vieler Menschen, dem modernen Alltag mit all seiner Technik zu entfliehen, und sei es nur für ein paar Tage. Für alle Bewohner der Zeltstadt waren – zumindest außerhalb der Behausungen – Smartphone, Kamera und Zigaretten verboten. Gerade für die Kinder sei das fantastisch: „Sie können den ganzen Tag draußen herumlaufen und mit Gleichaltrigen toben. Abends werden sie in einem der Lager mitversorgt. Wenn sie ins Zelt zurückkommen, gehen sie direkt ins Bett – sogar freiwillig!“, schmunzelt auch Ulrike Bitterlich-Nietsch, Ehefrau des „Marktvogts“, wie Ralph Damke hier auch genannt wird. Tatsächlich liegt ihm Familienfreundlichkeit bei seinem Fest sehr am Herzen. Für die Kleinen gibt es viele Spiel- und Bastelangebote.

Großer Beliebtheit erfreut sich die Ziegenschmiede, Deutschlands einziger historischer Mobil-Bauernhof. Katja Schäfer kam durch ihren Mann Martin Schüller, der früher als Schmied auf Märkten gastierte, aufs Mittelalter. Eines Tages nahmen sie kurzentschlossen ihre Ziegen mit, da Zuhause niemand war, der sie hätte melken können. Mit der Gründung ihres Selbstversorgerhofs entstand die Idee, mit Kuh, Schwein und Huhn durch die Republik zu touren und den Menschen die Tiere, die sie verspeisen, aus einer anderen Sicht zu präsentieren. „Selbst in ländlichen Regionen erzählen viele, dass sie noch nie eine Kuh aus der Nähe gesehen haben“, verrät Katja Schäfer. Normalerweise lebt sie übrigens sehr wohl im 21. Jahrhundert – mit fließend Wasser, Strom und Internet.

Neben zahlreiche Ständen, an denen es alles zu kaufen gab, was das Herz des Mittelalterfans begehrt und diversen Tavernen mit exotisch klingenden, aber durchaus für den modernen westeuropäischen Gaumen geeigneten Speisen und Getränken auf der Karte, wurde den Erwachsenen natürlich gerade eines geboten: Entertainment. Schaukämpfe und Geschichtenerzähler Tandaniel ließen keine Langeweile aufkommen. Besonders standen in diesem Jahr aber die musikalischen Acts im Fokus. Die Bands „Frendskopp“ und „Nachtwind“ rockten die Bühne. Highlight war das Abendkonzert der „Streuner“ am Samstag, sowie die anschließende Feuershow.

Ein Andenken an den Besuch nahm übrigens jeder umsonst mit nach Hause: Den Geruch der Lagerfeuer in Haaren und Kleidung.

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