Hospizverein Warendorf: Humor in der Sterbebegleitung
Der Tod ist kein schwarzes Loch

WARENDORF -

Kann bei einem eigentlich traurigen Anlass wie der Sterbebegleitung auch Humor seinen Platz haben? Und wie er das kann! Das bewies jetzt der Pantomime und Klinikclown Christoph Gilsbach aus Münster mit seinem 145-minütigen Vortrag im Haus der Familie – eine Veranstaltung des Hospizverein Warendorf.

Freitag, 12.09.2014, 11:09 Uhr

Christoph Gilsbach veranschaulicht den Zuhörern, wie wichtig es ist, auch in der Sterbebegleitung mit Humor und Offenheit jenen Dingen zu begegnen, die auf den ersten Blick schwer und belastend erscheinen,
Christoph Gilsbach veranschaulicht den Zuhörern, wie wichtig es ist, auch in der Sterbebegleitung mit Humor und Offenheit jenen Dingen zu begegnen, die auf den ersten Blick schwer und belastend erscheinen, Foto: Peter Sauer

Mehr als 30 Zuschauer und ein Hund erlebten einen Referenten, der – nicht nur optisch – halb als Clown und halb als Lebenskünstler, einfühlsam wie mitreißend, nachdenklich wie unterhaltsam durch einen kurzweiligen Abend nur scheinbarer Gegensätze führte. Denn Gilsbach gelang in der Veranstaltung des Hospizverein Warendorf der schwierige Balanceakt zwischen der Kunst, mit Humor die Prüfungen des Lebens zu meistern, und der Lebenserfahrung, den Prozess des Sterbens als Teil des Lebens zu begreifen, und deshalb auch mit Humor zu begleiten.

Christoph Gilsbach bemüht nur kurz zentrale Bücher zum Thema, um dann sehr schnell persönlich zu werden – eine seiner weiteren Stärken. Wenn er von einem Freund erzählt. Dessen Vater starb, aber der Freund war nicht traurig und sagt: „Mein Vater ist nicht weg. Er ist noch da, bei mir.“ Diese Initialzündung vermittelte Gilsbach: „Der Tod ist kein schwarzes Loch, kein Verlust, kein Tränenmeer.“ Voraussetzung: Man weiß mit ihm umzugehen, etwa mittels Humor. Für Zuhörerin Michaela ist dies ein Gewinn für ihre ganz eigene Sterbebegleitung : „Humor gehört zum Leben dazu.“

Gilsbach gibt vielfältige Anregungen aus seinem Umgang mit Kranken und Sterbenden. Er reichert seine Worte mit Pantomime, nebst Klobürste – als Interview-Mikrofon und Bürste für seine Zuhörer – an. Gut an kommt sein Improvisationsspiel mit einer roten Clownsnase („die kleinste Maske der Welt“). Diese stülpt er willkürlich einzelnen Zuschauern über und befragt sie, ob sie einen Unterschied verspüren. Und das tun sie.

Für viele Zuhörer steigerte sich Gilsbach im zweiten Teil seines Vortrags. So vermittelte er, dass man auch in der Sterbebegleitung Mensch sein dürfe, ja sogar müsse. Zuhörerin Ingrid fand es beispielsweise besonders wichtig, „dass der Zauber des Humors, der Zauber der Begegnung, darin liegt, offen Signale des anderen verstehen und erwidern zu können“.

Gerade in der Sterbebegleitung und ihren sehr belastenden Situationen ist eine hohe Sensibilität, eine feinfühlige Wahrnehmungsfähigkeit, ein großer Respekt vor den Menschen, ein achtsamer Umgang miteinander wichtig – aber bitte nicht bierernst, sondern kommunikativ, kreativ und humorvoll (fein dosiert). Das vermittelt Gilsbach und das kommt bei den Zuhörern an.

Humor erhält seine sinnstiftende und Furcht hemmende Wirkung. Die Zuhörer erfahren so Hinweise, die helfen, die eigenen Erfahrungs- und Handlungsmöglichkeiten zu erweitern. Die eigenen und sehr unterschiedlichen Einstellungen und Vorstellungen, welche sie mit dem Thema Sterben und Tod verbinden, werden direkt angesprochen, auch um zu zeigen, wie man in der letzten Lebensphase eines Menschen ihm und seinen Angehörigen den Sinn des Sterbens, des Todes, vermitteln kann.

Zahlreiche Zuhörer fanden es befreiend, wie Gilsbach mit dem Tod umgeht, nämlich mit (respektvollem) Humor und wie er gleichzeitig die Erfolgsformeln für ein glückliches Leben vermittelt.

Zuhörerin Gertrud bringt es auf den Punkt: „Man sollte das Leben schon jetzt mit mehr Leichtigkeit und Fröhlichkeit erfahren und erleben.“ Denn dann gehört das Sterben irgendwann als ganz normaler Prozess dazu. So die Botschaft – und die kam an.

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