Landesweites Projekt
Die Feuerwehr wird flexibler

Warendorf -

Retten, Löschen, Bergen, Schützen – das sollen auch weiterhin die Hauptaufgaben der Feuerwehr sein. Aber diese Aufgaben lassen sich womöglich besser planen und organisieren. Um das zu testen, ist die Warendorfer Feuerwehr mit allen sieben Löschzügen jetzt eine „Pilotfeuerwehr“ in einem landesweiten Projekt.

Dienstag, 07.10.2014, 23:10 Uhr

Engagement für die „Feuerwehrensache“: Holger Niemeyer (Stadt), Olaf Schröder (stv. Leiter Feuerwehr), Helmut Pöhling (Löschzugführer Einen), Annegret Frankewitsch (Innenministerium), Christof Amsbeck (Leiter Feuerwehr), Erster Beigeordneter Martin Thormann und Nikolas Wirtz (Sporthochschule Köln).
Engagement für die „Feuerwehrensache“: Holger Niemeyer (Stadt), Olaf Schröder (stv. Leiter Feuerwehr), Helmut Pöhling (Löschzugführer Einen), Annegret Frankewitsch (Innenministerium), Christof Amsbeck (Leiter Feuerwehr), Erster Beigeordneter Martin Thormann und Nikolas Wirtz (Sporthochschule Köln). Foto: Hagemeyer

Die Eckpunkte dieses Projekts mit den Namen „Feuerwehrensache“ wurden gestern vorgestellt. Annegret Frankewitsch vom Innenministerium und Nikolas Wirtz von der Sporthochschule Köln präsentierten die Maßnahmen vor Vertretern der Feuerwehr und der Stadt. Die Kampagne ist bereits im vergangenen Jahr gestartet, sie soll die Feuerwehren zukunftssicher aufstellen und das Ehrenamt stärken. Dabei geht sie weit über reine Werbung hinaus. „Busse bekleben, das kann jeder. Wir gehen tiefer“, sagte Frankewitsch. Das Projekt, das im Koalitionsvertrag steht und bis 2017 laufen soll, krempelt die bisherigen Strukturen der Feuerwehren in NRW um. Dabei geht es um drei Eckpunkte: Die Menschen, die Organisation und das Bild der Feuerwehr in der Öffentlichkeit. Zu jedem dieser Eckpunkte wurden bereits Arbeitsgruppen gegründet, die eine Bestandsaufnahme gemacht und Probleme identifiziert haben. In der ersten Gruppe, die sich mit den Menschen in der Feuerwehr beschäftigt, arbeitet Löschzugführer Helmut Pöhling aus Einen mit.

In den Gruppen wurden mehrere Punkte herausgearbeitet, die künftig verändert oder angepasst werden sollen. Im Bereich „Menschen“ ist das zum Beispiel die bessere Vereinbarkeit von Ehrenamt und Familie, Firma oder Freizeit. Aber auch über die Nachwuchswerbung oder besondere Angebote für Quereinsteiger wurde gesprochen. Ein großes Thema sind ältere Feuerwehrleute. Bislang scheiden sie mit 60 Jahren, in Ausnahmen mit 63 Jahren, aus dem aktiven Dienst aus und gehen in die Ehrenabteilung. Hier sollen neue Organisationsstrukturen neue Möglichkeiten schaffen. „Ältere Feuerwehrleute haben nicht nur viel Erfahrung, sondern oft auch mehr Zeit als jüngere, um sich zu engagieren. Etwa in der Brandschutzerziehung“, sagt Christof Amsbeck , Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Warendorf . Bislang ist ihnen das versagt.

Um nicht mehr an einer starren Altersgrenze festhalten zu müssen, soll die gesamte Organisationsstruktur der Feuerwehren umgekrempelt und flexibler gestaltet werden. Statt festen Positionen wird es in der Modellfeuerwehr in Zukunft vier Leistungsgruppen geben. In der Gruppe 1 üben die Mitglieder leichte Tätigkeiten aus, etwa als Funker oder als Fahrer. Die Ansprüche steigen mit jeder Gruppe – in der Gruppe 4 wären dann zum Beispiel die Angriffstrupps verortet. Sie müssen besonders fit sein. Da wiederum kommt die Sporthochschule ins Spiel. Die Wissenschaftler sollen im Rahmen des Projekts einen Sporttest entwickeln, mit dem – auf freiwilliger Basis – festgestellt werden kann, für welche Aufgaben ein Feuerwehrmann rein körperlich geeignet ist. Diese Sporttests soll es für ältere Feuerwehrleute geben, die noch nicht mit 60 Jahren in die Ehrenabteilung wechseln möchten, und für jüngere, die eher von der Jugendfeuerwehr nach oben wechseln wollen. Für Christof Amsbeck hat das Vorteile: „Wir haben bei der Feuerwehr Warendorf zurzeit 290 Aktive, mit der Ehrenabteilung sind es sogar 460. Nicht jeder ältere Feuerwehrmann möchte aktiv weitermachen, aber da gibt es viel Potenzial.“

Darüber hinaus soll sich die Führungsstruktur der Wehr verändern. In Warendorf teilt sich die Leitung laut eigener Aussage zwar bereits viele Aufgaben, aber dieser Team-Gedanke ist nicht bei allen Feuerwehren die Regel. Das Leitungsteam könnte, so die Idee der Arbeitsgruppen, einen Assistenten zur Seite gestellt bekommen, der einzelne Aufgaben abnimmt und bei der allgemeinen Organisation hilft. Um mehr Basisbeteiligung zu erreichen, sollen Teamsprecher gewählt werden, die an die Leitung berichten. Insgesamt sollen die Hierarchien flacher und durchlässiger werden und die Arbeit auf mehr spezialisierte Schultern verteilt werden.

Bis zum zweiten Halbjahr 2016 sollen die Maßnahmen in der Warendorfer Wehr umgesetzt werden. Zwischendurch gibt es immer wieder Treffen der Projektteilnehmer, der Abschluss ist für das Jahr 2017 geplant.

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