Volkstrauertag
Verunsicherung, Sorge und Entsetzen

Warendorf -

„In einer Zeit, in der wir fassungslos wahrnehmen müssen, dass die Welt aus den Fugen zu gehen scheint. Kriege und Terror haben diese Welt wieder erfasst in einem Maße, wie es noch vor wenigen Jahren kaum möglich erschien. Die Hoffnungen auf eine friedliche Welt, mit denen wir vor 15 Jahren in ein neues Jahrtausend eintraten, sind Verunsicherung, Sorge und blankem Entsetzen gewichen. Brutales Kriegsgeschehen und Terror in den Krisenherden dieser Welt fordert immer wieder neue Opfer. Tag für Tag!“ Die Rede zum Volkstrauertag in Warendorf hielt Bürgermeister Jochen Walter. Bürger kamen an den Mahnmalen in Warendorf und den Ortsteilen zusammen, um der Opfer von Kriegsgewalt und Terror zu gedenken.

Sonntag, 16.11.2014, 16:11 Uhr

Verhangen war der Himmel am Sonntag und spiegelte sicherlich die Gefühle der vielen Menschen wider, die sich an den Gedenkstätten versammelt hatten, um gemeinsam die alljährlich stattfindende Gedenkfeier zum Volkstrauertag zu begehen. In Warendorf sprach Bürgermeister Jochen Walter.
Verhangen war der Himmel am Sonntag und spiegelte sicherlich die Gefühle der vielen Menschen wider, die sich an den Gedenkstätten versammelt hatten, um gemeinsam die alljährlich stattfindende Gedenkfeier zum Volkstrauertag zu begehen. In Warendorf sprach Bürgermeister Jochen Walter. Foto: Wiening

Bürger kommen an den Mahnmalen in Warendorf und den Ortsteilen zusammen, um der Opfer von Kriegsgewalt und Terror zu gedenken. Die Redner, aber auch die Besucher wenden sich gegen das Vergessen. Verhangen war der Himmel am gestrigen Sonntag und spiegelte sicherlich die Gefühle der vielen Menschen wider, die sich an den Gedenkstätten versammelt hatten, um gemeinsam die alljährlich stattfindende Gedenkfeier zum Volkstrauertag zu begehen.

In Warendorf sprach Bürgermeister Jochen Walter : „In einer Zeit, in der wir fassungslos wahrnehmen müssen, dass die Welt aus den Fugen zu gehen scheint. Kriege und Terror haben diese Welt wieder erfasst in einem Maße, wie es noch vor wenigen Jahren kaum möglich erschien. Die Hoffnungen auf eine friedliche Welt, mit denen wir vor 15 Jahren in ein neues Jahrtausend eintraten, sind Verunsicherung , Sorge und blankem Entsetzen gewichen. Brutales Kriegsgeschehen und Terror in den Krisenherden dieser Welt fordert immer wieder neue Opfer. Tag für Tag!“ Millionen von Menschen seien auf der Flucht, sagte Walter weiter. „Ihnen zu helfen, ist ein Gebot der Menschlichkeit für uns alle, auch dann, wenn unsere Lebensverhältnisse dadurch eine nachhaltige Veränderung erfahren.“

In Freckenhorst hielt Rolf Zurbrüggen, Leiter der Volkshochschule, die Rede. Der Erste Krieg werde zu Recht als „Urkatastrophe des 20. Jahrhundert“ bezeichnet, die die zivilisierte Welt in Abgründe gestürzt habe. Der Zweite Weltkrieg habe Schrecken und Gewalt dann ins Unfassbare gesteigert. „Im hinter uns liegenden 20. Jahrhundert, das wie kein anderes zuvor von Kriegen und Gewaltherrschaft, von Terror und Flüchtlingselend, von Hunger und Not geprägt ist, haben wir viele Opfer in unserem Volk und auch in unserer Stadt zu beklagen“, machte Zurbrüggen deutlich, wie sehr das Unglück des 20. Jahrhunderts jeden betrifft. Zurbrüggen gedachte insbesondere der sechs Millionen getöteten Juden, sowie der ermordeten Sinti und Roma, der Homosexuellen, der Menschen mit Behinderung und der politisch und religiös Verfolgten. Zurbrüggen wünschte sich eine friedliche Lösung.

Im Zusammenhang mit der Wahrung von Frieden erinnerte Zurbrüggen auch an den 70. Jahrestag des Hitler-Attentates am 20. Juli 1944. „Dieser Umsturzversuch erinnert uns daran, dass es auch unter den Bedingungen der totalitären Diktatur des Nationalsozialismus möglich war, sich eben nicht widerspruchslos anzupassen, sondern seine Handlungsspielräume zu nutzen und sich konsequent der verbrecherischen, menschenverachtenden Diktatur entgegenzustellen.“

„Jeder Mensch, der geht, hinterlässt eine nicht zu schließende Lücke. Wir dürfen gerade auch in unserer schnelllebigen Gesellschaft nicht verlernen zu trauern und Mitgefühl zu zeigen“, mahnte Landrat Dr. Olaf Gericke in Hoetmar am Ehrenmal vor der Lambertus-Kirche. Der anschließenden Kranzniederlegung wohnten die Kameradschaft ehemaliger Soldaten, die freiwillige Feuerwehr, die Landjugend, der Schützen- und Heimatverein, der Orchesterverein Freckenhorst und der Kirchenchor St. Lambertus Hoetmar bei.

In seiner Ansprache unterstrich Gericke, wie wichtig es ist, sich 100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges und 75 Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges seiner Geschichte zu stellen und sein Entsetzen zum Ausdruck zu bringen. Zeitzeugen, wie Leslie Schwartz, der vor wenigen Wochen in Warendorf darüber berichtete, wie er den Holocaust überlebte, würden die Geschichte lebendig machen. 100 Millionen Tote sowie Abermillionen Verwundeten und Flüchtlingen in beiden Weltkriegen und 104 gefallene Bundeswehrsoldaten in den letzten 20 Jahren seien Aufforderung genug, sich für dauerhaften Frieden und Versöhnung einzusetzen.

Hubert Kleinschnitker, Vorsitzender des Heimatvereins Einen, beklagte am Volkstrauertag die heutigen Missstände wie Krieg und Hungersnöte in der Welt und appellierte, dass „Die junge Generation mehr geschichtliches Bewusstsein bekommen muss.“ Zum Gedenken der gefallenen Soldaten des Ersten und zweiten Weltkriegs waren die Vereine aus Einen und Müssingen, die Fahnenabordnungen, der Spielmannszug aus Müssingen und der Männergesangsverein gekommen.

Wegen des Regens fand die Feier zum Volkstrauertag in Milte in der Kirche statt. Die Rede dort hielt Dr. Peter Paziorek, stellvertretender Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge und Regierungspräsident a.D.

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