Mitdenkende Fahrräder
Der Navigator in den Fahrradgriffen

WARENDORF -

Wie man Fahrräder und die modernen Errungenschaften von Smartphone, Navi & Co. nachhaltig zusammenbringt zeigen jetzt clevere Erfinder aus Montreal und Warendorf. Dabei geht es um Intelligenz im Fahrradlenker.

Samstag, 03.01.2015, 03:01 Uhr

Mit Vibration zum Ziel: Der gebürtige Warendorfer Uli Westhoff (l.) und der Kanadier Louis-P. Huard haben „Smrtgrips“ erfunden. Zwischen den Jahren weilten sie in Warendorf. Ihr Büro befindet sich in Berlin.
Mit Vibration zum Ziel: Der gebürtige Warendorfer Uli Westhoff (l.) und der Kanadier Louis-P. Huard haben „Smrtgrips“ erfunden. Zwischen den Jahren weilten sie in Warendorf. Ihr Büro befindet sich in Berlin. Foto: Peter Sauer

Wer beim Fahrradfahren ein Handy benutzt, läuft nicht nur Gefahr eine hohe Strafe zahlen zu müssen, sondern auch Schaden an Leib und Leben zu riskieren. Das muss nicht sein. Denn jetzt gibt es Fahrradgriffe , die die Benutzung eines Handys für Leezenritter überflüssig machen. Das ganze heißt neudeutsch „Smrtgrips“. Die Idee kam Informatiker Uli Westhoff aus Warendorf gemeinsam mit Designer Louis-P. Huard (44) aus dem kanadischen Montreal, als sie für den kanadischen Fahrradhersteller Boréal Bikes in Berlin ein neues Elektrofahrrad entwickelten. Und Huard wiederum ist mit der Biotechnologin Sylvia Niebrügge liiert, die ebenfalls aus Warendorf stammt: „Ich habe sie beim Segeln auf dem Lake Ontario in Toronto kennengelernt.“ Durch Zufall kam das Trio dann in der Hauptstadt zusammen.

In Warendorf wohnen die Eltern von Niebrügge und Westhoff nur 200 Meter auseinander, was Kanadier Louis Huard jetzt beim Weihnachtsbesuch feststellte: „In Warendorf kann man gut Fahrrad fahren. An der Ems habe ich viele E-Bikes gesehen.“

Mit Westhoff entwickelte der Kanadier die intelligenten Vibrationsgriffe. Und die „Smrtgrips“ funktionieren so: In die beiden Griffe des Fahrradlenkers werden zwei sehr robuste Stäbe links und rechts in den Lenker geschoben. Diese 92 Gramm leichten „Smrtgrips“ stecken voller Technik. Per Bluetooth verbinden sie sich über eine spezielle (im Preis inbegriffene) App mit dem Smartphone (Android und iPhone möglich) und helfen durch sanfte Vibration bei der Navigation – ohne dass man auf das Handy schauen muss. Das bleibt in der Hosentasche. Anstatt über Sprachanweisungen oder über ein Display den richtigen Weg zum Ziel zu finden, vibrieren die Griffe, bevor es entweder nach links oder rechts geht. „So können sich die Fahrer besser auf die Straße konzentrieren, brauchen keine Karten mehr und fahren somit auch entspannter“, erläutert Uli Westhoff die Vorteile, der früher auf seinen Touren, etwa zur Ostsee, immer auf den Weg achten musste. „Die ,Smrtgrips` erhöhen den Komfort und die Verkehrssicherheit“, ergänzt Huard. Die Batterie im Lenker soll bis zu drei Monate halten.

Weiterer Effekt: Das Rad soll sich mit den „intelligenten Griffen“ schneller wiederfinden lassen. Ideal für Radfahrer, die nicht mehr genau wissen, wo sie ihr Zweirad abgestellt haben. Per Drücken der App erzeugen die Lenkergriffe einen Ton. Dieser soll auch aus größerer Entfernung gut zu hören sein. Ideal für „Fahrradpulks“, etwa an Bahnhöfen. Aber auch ideal für gestohlene Räder. „Mit zwölf wurde mir ein Rad gestohlen. Das gab viele Tränen“, erinnert sich Huard.

Weitere Anwendungen sind denkbar: naheliegende Fahrradwege, beliebte Strecken oder der Aufenthaltsort von Freunden in der Nähe – all das könnten die Griffe per Vibration dem Radfahrer signalisieren. Praktischer Zusatzeffekt für Eltern: Sobald sich ein Kind zu weit von den Eltern entfernt, gibt es Schwingungen am Lenker.

Jeder Lenker lässt sich mit „Smrtgrips“ nachrüsten versprechen die smarten Erfinder. Sie haben die „Smrtgrips“-Idee und den Gebrauchsmusterschutz. Jetzt suchen sie Geldgeber, die per Crowdfunding die Produktion der „Smrtgrips“-Griffe finanzieren.

Ab 11. Januar stellt das Startup-Unternehmen um die beiden Warendorfer das innovative Projekt bei indiegogo.com vor. „Sobald die notwendige Investitionssumme von 50 000 Dollar zusammenkommt, werden die intelligenten Griffe produziert“, verspricht Uli Westhoff – in den Farben Schwarz, Silber, Metallgrau und Gold. Der Einführungspreis soll bei 69 Euro liegen. Wie erfolgreich die Warendorf-Montreal-Allianz in Sachen „Smrtgrips“ jetzt schon ist, beweisen die Klicks im Internet. „Wir haben mehr als die „Helene Fischer Show“ sagt Huard, der aber mehr ein Fan der kanadischen ProgRockband „Saga“ ist, nicht ohne Stolz.

 

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