Rüdiger Wilke ist Berufsmusiker
„Die Musik hat mich gerettet“

Hoetmar -

Am 27. Februar gibt er auf Einladung des Arbeitskreises „Aktiv im Ruhestand“ zum ersten Mal ein Konzert in seiner Wahlheimat Hoetmar. Über sein bewegtes Leben als Berufsmusiker sprach Saxophonist Rüdiger Wilke mit den WN.

Samstag, 21.02.2015, 12:02 Uhr

 
  Foto: Brocker

„Die Musik“, davon ist Rüdiger Wilke überzeugt, „hat mich gerettet.“ Sie war es, die dem 15-Jährigen Halt gab, als er seine Mutter verlor. Damals kaufte er seine erste Platte von den Rolling Stones : „Sticky Fingers“. Vor allem den Song „Can‘t you hear me knocking“ hörte er rauf und runter. Auch wegen des „geilen“ Saxophon-Solos von Bobby Keys, das er noch heute gerne hört.

Als Jahre später sein Vater starb, Wilke steckte an der Uni mitten im Pädagogik-Vordiplom, war es wiederum die Musik, die ihm half, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Der Musik verfallen war der heute 57-Jährige allerdings praktisch schon in Kindertagen. Weil die elterliche Wohnung in Kamen für ein Schlagzeug zu klein und ein Klavier zu kostspielig war, lernte der kleine Rüdiger Klarinette spielen. „Ich hatte da so einen Klarinetten-Muckel, bei dem ich Ländler und so lernte.“ Etwas Uncooleres hätte man einem Jugendlichen im Ruhrgebiet der 70er Jahre, der auf die Musik der kalifornischen Rockband Creedence Clearwater Revival abfuhr und deren Songs mit der Band „Perpetuum Mobile“ sogar coverte, kaum antun können.

Irgendwann fügte sich Wilke dem Druck der Jungs aus der Band und legte sich ein Saxophon zu. Mit diesem und der Band zog er fortan an den Wochenenden kreuz und quer durch den Kreis Unna, um sich mit dem ein oder anderen Gig ein bisschen Geld zu verdienen.

Wenngleich er nach Abi und Zivildienst in Dortmund Musikpädagogik – unter anderem bei Jesse Bennet, dem bekannten New Yorker Saxophonisten – studierte, ließ ihn die Musik nicht los: „Ich machte weiterhin Musik“, blickt der Berufsmusiker auf Sessions mit anderen Musikern zurück, bei denen vorwiegend Jazz-Standards gespielt wurden. „Musik für die Seele.“ Mit dem Gitarristen Gerold Heitbaum , der Musik im Stil des französischen Gitarristen, Komponisten und Bandleaders Django Reinhardt machte, der als Mitbegründer des europäischen Jazz gilt, zog Wilke während der Semesterferien durch französische Städte, um Straßenmusik zu machen.

Mit ihrem „Gypsy Jazz“ verdienten die Musiker so gut, dass sie in den kleinen Kneipen und Clubs in ihrer Heimat an diese Erfolge anzuknüpfen versuchten. Die Rechnung ging auf. Die Musiker machten sich einen Namen, retteten einmal sogar das Kulturamt in Werne, das ein Konzert mit Schnuckenack Reinhardt, dem Jazzmusiker und Geigenvirtuosen der Sinti-Musik, geplant hatte. Als Reinhardt sich verspätete, sprangen Wilke und seine Band kurzerhand – und zur großen Begeisterung des Profis – ein.

Schon während des Studiums hatte Wilke das Angebot bekommen, an der Musikschule Kamen einige Stunden pro Woche als Dozent zu arbeiten. Die einzige Sicherheit nach dem plötzlichen Tod des Vaters. „Irgendwas braucht man zum Leben, wenn der Vater stirbt“, sagt er. So verzichtete er auf das Referendariat und verdiente an der Musikschule, für die er noch heute als Saxophon-Dozent und Leiter der Big Band tätig ist, sein Geld.

Und durch die Auftritte mit zahlreichen (semi-)professionellen Jazz- und Blues-Bands, darunter „Soulfingers“, „Blues Mafia“ und die 1982 mit Gerold Heitbaum gegründete Band „salut!“, die beim North Sea Jazz Festival in Den Haag für Furore sorgte. Wilke spielte beim Jazz-Festival in Montreux, war an

CD-Produktionen mit Jeanne Carroll, Angela Brown, und Helen Sachs beteiligt. Mit dem Jazz-Gitarristen Ziroli Winterstein, der Mitglied des Häns‘che- Weiss-Quintetts war, produzierten er und Gerold Heitbaum die CD „Green and orange“, auf der Zigeunerswing mit Gitarre, Kontrabass und – sehr ungewöhnlich – Saxophon erklingt.

Als er eines Abends nach einem Konzert als „Vorgruppe“ mit keinem Geringeren als Mick Taylor, dem einstigen Leadgitarristen der Rolling Stones, und dessen Band in Dortmund auf der Bühne stand und auf dem Saxophon „Can‘t you hear me knocking“ spielte, war das zweifellos ein Höhepunkt in seinem Musikerleben: „Da hat sich für mich der Kreis geschlossen“, sagt Wilke, der nach einer künstlerischen Schaffenspause vor zwei Jahren, zusammen mit seiner Frau, ein Haus in Hoetmar gekauft hat.

In einer festen Band spiele er im Moment ungern, sagt Rüdiger Wilke, der hin und wieder mit dem Dortmunder Pianisten „Huggy“ J. Borghardt unterwegs ist, im Übrigen aber auf Sessions spielt, Ausstellungen bildender Künstler, Vernissagen und Finissagen künstlerisch begleitet und dem Nachwuchs – auch im Kreis Warendorf – die Saxophon-Töne beibringt.

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