Lebensmittel
Viel zu gut für die Tonne

Warendorf -

Im Supermarkt noch mal schnell zugreifen, obwohl das Produkt gar nicht auf dem Einkaufszettel stand, mit leerem Magen etwas im Restaurant bestellen, was sich dann doch als viel zu viel rausstellt: Wer kennt es nicht, dass die Augen mal größer sind als der Magen? Zuhause landet der Joghurt oder das Brot dann schon mal im Müll, im Restaurant geht das zu viel bestellte Essen meist zurück und landet dann ebenso im Abfall. Es geht aber auch anders.

Samstag, 11.04.2015, 08:04 Uhr

Mit der „Beste-Reste-Box“ kann die Gastronomie ihren Kunden eine praktische Möglichkeit zur Mitnahme von nicht vollständig verzehrten Mahlzeiten anbieten.
Mit der „Beste-Reste-Box“ kann die Gastronomie ihren Kunden eine praktische Möglichkeit zur Mitnahme von nicht vollständig verzehrten Mahlzeiten anbieten. Foto: Allendorf

Um die Lebensmittel-Verschwendung in der Gastronomie , Großküchen und Veranstaltungen mit Catering zu bekämpfen hat die Initiative „Zu gut für die Tonne“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft gemeinsam mit „Greentable“ und dem Infoportal für nachhaltige Gastronomieangebote die Aktion „Restlos genießen“ ins Leben gerufen.

Das Prinzip ist einfach: Restaurants sollen ihren Gästen, die das Essen nicht vollständig verzehrt haben, anbieten, die Reste in einer „Beste-Reste-Box“ mitzugeben.

Das Mitnahme von übrig gebliebenen Speisen ist bereits in vielen Betrieben gängige Praxis. „Bei großen Veranstaltungen wie Familienfeiern geben wir das übrig gebliebene Essen gerne mit, wenn die Gäste das möchten und danach fragen“, klärt Gerhard Leve über die Praxis im Hotel „Im Engel“ auf. Ähnlich gehandhabt wird das auch im „Haus Allendorf “ und „Landhaus Aust “: Anders als in der „Restlos genießen“-Aktion geben die Gastronomen allerdings die Reste auf Nachfrage mit und animieren die Gäste nicht zur Mitnahme.

„Es ist aber auch nicht so, dass von 20 Schnitzeln 16 in die Küche zurückgehen“, stellt Uwe Aust es nicht besonders häufig fest, dass die Gäste die Speisen mitnehmen wollen: „Das passiert nur ab und zu.“

Rolf Allendorf hat ähnliche Erfahrungen gemacht: „Grundsätzlich geben wir Reste auf Nachfrage unentgeltlich mit – aber in den meisten Fällen wird der Teller leer gegessen. Die meisten Gäste wollen die Reste auch nicht mitnehmen, wenn sie abends noch woanders hingehen wollen. Anderen ist es zu viel Arbeit, die wollen nicht so viel Aufhebens darum machen.“

Etwas anders sieht das bei älteren Gästen aus, die nehmen schon mal etwas mit, ob für den zweiten Hunger zu Hause oder für den nächsten Tag.

Wichtig ist, dass die Gäste verantwortungsbewusst mit dem Essen umgehen, es kühl lagern und nicht zu lange stehen lassen – eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Und doch bereitet genau das den Gastronomen durchaus Sorgen: „Take-away macht Sinn, aber so lange das rechtlich nicht geklärt ist, bleibt das ein Zahnschmerzthema“, befürchtet Aust ein Haftungsproblem.

Doch da kann man ihn beruhigen: Die Pressestelle des Bundeslandwirtschaftsministerium teilt auf Nachfrage mit, dass die Haftung immer auf den Kunden übergeht: „Rechtlich gesehen ist das Essen Eigentum des Gastes, er hat dafür bezahlt.“ Auch Leve meint: „Das Risiko geht auf die Gäste über, wenn sie fragen, ob sie die Reste mitnehmen können.“

Die Restaurants tun aber auch neben den „Beste-Reste-Boxen“ etwas dafür, dass möglichst wenig Essen im Abfall landet. Mit den Waren haushalten, den Teller nicht randvoll befüllen und einen Nachservice anbieten – Standards in vielen Restaurants. Leve: „Man kann bei uns Kleinigkeiten bestellen, es gibt auch halbe Portionen – das ist eine Selbstverständlichkeit.“ Auch im „Haus Allendorf“ versucht man, die Speisen so zu portionieren, dass nichts oder möglichst wenig übrig bleibt. Allendorf: „Wir sind ja auch daran interessiert, so wenig Reste wie möglich zu haben.“

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