Verunsicherung in Milte
Stimmungsmache gegen Flüchtlinge

Milte -

Von Stimmungsmache gegen Asylbewerber berichtete jetzt Dr. Hermann Mesch (Bündnis 90/Grüne) im Bezirksausschuss Einen-Müssingen/Milte. Einige Mütter dächten bereits darüber nach, ihre Kinder aus der OGS abzumelden. Aus Furcht vor den Flüchtlingen, die irgendwann im Laufe des Jahres das Obergeschoss des alten Schulgebäudes beziehen könnten.

Mittwoch, 13.05.2015, 21:05 Uhr

Im Dorf kursierten Gerüchte, wonach 15 „Kerle“ das Haus bezögen, um dann ganztägig auf dem Schulhof abzuhängen, berichtete Mesch . Ferner werde erzählt, dass der Stadtkapelle der Probenraum in der alten Schule gekündigt worden sei. Die Kommunikation zwischen Verwaltung und Bürgern müsse anders laufen, forderten Mesch und Oliver Möllers vom Verein Familiendorf Milte , der auch von fremdenfeindlichen Flugblättern berichtete, mit denen eine rechtsextreme Partei vor einiger Zeit Ängste zu schüren und Misstrauen gegen alles Fremde zu säen versucht habe.

Dass die Verwaltung ausschließlich mit Schulleiterin Andrea Schulz gesprochen habe, die nicht im Dorf wohne, könne nicht angehen, gab Mesch die Stimmungslage in Milte wieder. Die Bürger müssten informiert werden. Genau das geschah am Dienstag im Bezirksausschuss beim „Bericht der Verwaltung“, als David Graubner aus dem Büro des Bürgermeisters über bauliche Maßnahmen berichtete, durch die die Eingänge zu den Wohnungen im Obergeschoss vom Eingang zur OGS getrennt werden sollen. Sämtliche Umbaupläne seien einvernehmlich und auf Augenhöhe mit der Schule besprochen worden.

Tatsächlich fand gestern ein Termin zwischen Vertretern der Stadtkapelle und dem Beigeordneten Dr. Martin Thormann statt, bei dem es um Alternativen zum bisherigen Probenraum ging. Eine Kündigung der alten Probenräume hat es übrigens nie gegeben, da gar kein Mietvertrag zwischen Stadt und Stadtkapelle existiert, wie Schulamtsleiter Udo Gohl berichtete.

Er verwies ausdrücklich darauf, dass zwei Familien mit kleinen Kindern, die Schüler der Achtermann-Schule werden könnten, irgendwann im Laufe des Jahres in den zwei Dachgeschosswohnungen untergebracht werden sollen. In Hoetmar funktioniere die Idee der dezentralen Unterbringung von Flüchtlingen im übrigen sehr gut.

 

Ein Kommentar zur Flüchtlingsdiskussion in Milte von Joke Brocker:

"Die Milter wollen selbstverständlich nicht als Hinterwäldler dargestellt werden. Trotzdem: einige wenige sind im Moment ziemlich hinterwäldlerisch unterwegs. 

Die bloße Ankündigung, dass irgendwann im Laufe des Jahres Flüchtlinge in die ehemalige Hausmeisterwohnung auf dem Schulgelände einziehen könnten, versetzt sie in helle Aufregung. Gerade so, als würde Milte von einer Horde potenziell krimineller Ausländer „überfallen“. Wer wohl das Märchen von den 15 Einzug haltenden „Kerlen“ erfunden hat, die künftig auf dem Schulhof herumlungern sollen?

Gut möglich, dass diese Story aus der gleichen braunen Ecke kommt, die vor einiger Zeit in Milte und Umgebung mit Flugblattaktionen Stimmung gegen alles Fremde zu machen versuchte. Nun wird der Verwaltung vorgeworfen, die Bürger zu spät in ihre Pläne einzuweihen, indem sie über die Nutzung der Räume, in die zwei Familien mit (schulpflichtigen) Kindern einquartiert werden könnten, ausschließlich mit der Schulleiterin gesprochen hat; die zu allem Überfluss nicht einmal aus dem Dorf stammt. Wie hinterwäldlerisch ist das denn?

Nein, die Schulleiterin stammt aus dem fernen Hoetmar, wo die Uhren offenbar vollkommen anders ticken. Dort hat man den Zuzug von Flüchtlingsfamilien als Chance und Bereicherung des dörflichen Lebens begriffen. Im Golddorf bemüht man sich, Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, um ihren Kindern ein möglichst angstfreies Leben in Frieden und Freiheit ermöglichen zu können, in die Gemeinschaft aufzunehmen. Das ist wirklich vorbildlich."

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