Abriss der Hauptschule
Ende einer Ära

Freckenhorst -

„Hurra, hurra, die Schule brennt“ – mit dieser Liedzeile stürmte die Band Extrabreit 1980 die Charts; und sang damit vermutlich Generationen von Schülern aus der Seele. Vielleicht auch dem gebürtigen Freckenhorster Thomas Hagedorn, der Anfang der 80er- Jahre die Hauptschule in Freckenhorst besucht hatte und sich am Freitag einen Schüler-Traum erfüllen und die eigene Schule nicht abbrennen, wohl aber mit einem Bagger einreißen durfte.

Freitag, 15.05.2015, 17:05 Uhr

Binnen sechs Wochen wird die Hauptschule in Freckenhorst endgültig Vergangenheit und Platz für die geplante Klimaschutzsiedlung geschaffen sein.
Binnen sechs Wochen wird die Hauptschule in Freckenhorst endgültig Vergangenheit und Platz für die geplante Klimaschutzsiedlung geschaffen sein. Foto: Brocker

Hagedorn ist Chef des Gütersloher Abbruchunternehmens, das den Auftrag hat, das Hauptschulgebäude dem Erdboden gleich zu machen. Ehe er sich in die Fahrerkabine setzte, zeigte er Ehefrau Barbara und den beiden kleinen Töchtern aber noch rasch seine alte Wirkungsstätte, das Klassenzimmer im ersten Stock.

Und dann erfüllte er Dieter Mevert , von 1989 bis 2006 Schulleiter, einen besonderen Wunsch. Mevert interessierte sich für die Plombe, die am 27. Mai 1972, kurz nach der Schuleinweihung, in eine Wand des Pädagogischen Zentrums eingelassen worden war. Nachdem Hagedorn-Mitarbeiter Abraham Block die Plombe aus ihrem dunklen Verlies befreit hatte, strahlten Mevert (74) dessen Vorgänger Wilhelm Reckhorn (89) und ihr früherer Kollege Heinrich Wichmann (80) um die Wette.

„Das ist wie Weihnachten “, freute sich Mevert, als er diesen besonderen Schatz in Händen hielt. Neben den Tageszeitungen vom Einweihungstag enthielt die Plombe eine Einladung zum Tag der offenen Tür am 28. Mai 1972, eine von Heinrich Wichmann liebevoll gestaltete Chronik zur Geschichte Freckenhorsts und der Schule sowie ein Tütchen mit Münzen, bestehend aus Mark- und Pfennigstücken und einer Münze mit dem Bild der Stiftskirche. Den Inhalt der Plombe hat Mevert dem Heimatverein versprochen: „Das kommt alles ins Archiv.“

„Wäre heute ein Grundstein gelegt worden, hätten wir jetzt einen Drink genommen“, kommentierte Wilhelm Reckhorn traurig das weitere Geschehen auf dem Schulgelände; und ließ keinen Zweifel daran, dass an diesem bitteren Tag ein Magenbitter das passendere Getränk gewesen wäre: „Das war die schönste Schule, die ich gehabt habe, einschließlich Mexiko“, bemerkte der alte Herr, der lange an einer Schule in Mexiko gelehrt hatte, um dann von der Ausstattung mit Physik- und Musikraum, Schwimmbad und Fotolabor zu schwärmen. Rund sechs Wochen wird der Abbruch dauern, wie Frank Kreimer, Prokurist der Hagedorn GmbH, die in der nächsten Woche übrigens auch mit den Vorbereitungen für den Abbruch des Edeka-Marktes an der Dreesstraße beginnen wird, schätzt.

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