Flüchtlinge
Offenheit und Toleranz gefordert

Warendorf -

„Wenn die Flüchtlinge Toleranz zeigen und wenn wir Toleranz zeigen, dann sollen wir wohl miteinander klarkommen“: Westfälisch-pragmatisch gehen die Anwohner der ehemaligen Freiherr-von-Ketteler-Schule mit dem auch für sie ungewohnten Umstand um, seit gestern eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in unmittelbarer Nachbarschaft zu haben. Etwa 50 Bewohner aus den anliegenden Straßen waren am Nachmittag der Einladung der Verwaltung gefolgt, die Einrichtung des Landes in Augenschein zu nehmen und sich von Bürgermeister Jochen Walter, Jens Peters, Geschäftsführer des DRK-Ortsvereins, der die Einrichtung betreibt, und Ludwig Austermann, Leiter der Polizeiwache Warendorf, informieren zu lassen.

Samstag, 22.08.2015, 10:08 Uhr

Sie besichtigten die zum Schlafraum umfunktionierte Aula, 18 Klassenzimmer, die vor allem Familien ein wenig Privatsphäre ermöglichen sollen, die Sanitär-Container und das Versorgungszelt, das gerade aufgebaut wurde, während nimmermüde DRK-Mitarbeiter noch Mobiliar durch die Flure trugen.

Ausführlich informierte Bürgermeister Jochen Walter anschließend über die Entwicklung der vergangenen Tage. Vom Anruf der Bezirksregierung, die am Dienstag um Amtshilfe gebeten hatte, bis hin zum Einsatz von DRK und Städtischem Bauhof, die drei Tage lang, von morgens bis tief in die Nacht, die Erstaufnahmeeinrichtung hergerichtet hatten. Verwaltung, Vereinen wie der Aktion Kleiner Prinz, dem DRK, dem MHD, der am Abend die Registrierung übernahm, dem Caritasverband und der Bundeswehrsportschule dankte er für die unbürokratische Zusammenarbeit. Die Anwohner bat er, der Situation, die ihnen gewiss einiges abfordere, während der nächsten drei Monate – so lange wird das alte Schulgebäude voraussichtlich als Erstaufnahmeeinrichtung des Landes genutzt – offen, gelassen und tolerant zu begegnen: „Es ist ein Zustand, der vorübergehend ist, aber was das in dieser Zeit heißt, kann ich nicht beantworten.“ Bei Fragen oder Problemen sei die Verwaltung jederzeit ansprechbar. Doch in Zusammenarbeit mit dem Partner DRK sehe er „alle Chancen, diese schwierige Situation zu meistern“.

Ganz ähnlich sieht das Jens Peters , der der Stadtverwaltung eine „hervorragende Planung“ attestierte. Die Einrichtung in Warendorf unterscheide sich erheblich von den schlagzeilenträchtigen, viel größeren und oftmals überbelegten Einrichtungen andernorts, ließ er die Zuhörer wissen. Die Flüchtlinge lebten hier in festen Behausungen, ihnen stünden viel mehr Betreuer zur Seite (das DRK stellt, wie berichtet, eigens zusätzliche Mitarbeiter für die Betreuung ein), es gebe also stets Ansprechpartner. Überdies sei ein Sicherheitsdienst rund um die Uhr im Einsatz und es werde eine restriktive Hausordnung geben.

Vor allem aber werde es die in jüngster Zeit andernorts beklagten Mängel in den Gesundheits- und Hygiene­standards in Warendorf nicht geben, verwies er auf die noch am Abend stattfindenden ärztlichen Untersuchungen und Impfungen. Hier engagierte sich übrigens auch das Praxisnetz Warendorf. Auch im Krankenhaus war man darauf eingestellt, unter Umständen noch am Abend Patienten aufnehmen zu müssen.

Die sehr verständnisvollen Anwohner hatten nur wenige Fragen, etwa die, wann die zu einer großen „Arztpraxis“ mit mehreren Kabinen umfunktionierte Turnhalle wieder von den Vereinen genutzt werden könne. Das soll voraussichtlich Ende nächster Woche der Fall sein. Andere hatten vor allem eine Frage: „Wie können wir helfen?“ Walter stellte dazu klar, dass Hilfe für die der Kommune bereits zugewiesenen Asylbewerber, deren Verfahren bereits laufen, willkommen sei. Die Menschen, die gestern eintrafen, würden auf verschiedene Kommunen im Land verteilt.

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