Landesgold gewonnen
Berlin ruft – Hoetmar kommt

Hoetmar/Bad Sassendorf -

Zeugnistag-Momente. Die längst überwunden geglaubten bangen Minuten, die wohl jeder kennt, die Momente, da der Lehrer die Klasse bei der Übergabe der „Jammerlappen“ noch ein wenig zappeln ließ, um erst ganz am Ende zu verkünden, wer das beste Zeugnis nach Hause tragen würde. Am Sonntagmorgen waren sie plötzlich wieder da. Mit Herzklopfen bis zum Hals und einem leichten Druck in der Magengegend.

Sonntag, 13.09.2015, 17:09 Uhr

Doch kaum hatten NRW-Umwelt- und Landwirtschaftsminister Johannes Remmel sowie Johannes Frizen, Präsident der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen , auf Haus Düsse bei Bad Sassendorf mit Welbergen (Kreis Steinfurt) den letzten der insgesamt 26. Silberplaketten-Gewinner des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ verkündet, brandete Jubel auf. Die Hoetmarer feierten Landesgold . Und das, obwohl der Minister das Urteil der Bewertungskommission noch gar nicht offiziell verkündet hatte.

In Feierlaune waren mehr als 200 Hoetmarer in zwei Bussen und etlichen Privatautos gestern Morgen auf dem Gelände des Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Düsse eingetroffen. „Wir haben im Bus schon etwas Sekt und ein paar Schnäpse getrunken“, verriet Stephan Ohlmeier, Mitglied der Dorfwerkstatt, schmunzelnd. Josef Brand , der mit Fug und Recht als einer der Baumeister des Erfolges bezeichnet werden darf, gab den „Einpeitscher“ und stimmte den Gassenhauer „Wenn wir irgendwo sind“ an, in den seine Mitstreiter lauthals singend einfielen. Dabei schwenkten sie, selbstbewusst und siegesgewiss, Hoetmar-Wappen und ein riesiges „Hoetmar-wir-sind-das-Dorf“-Transparent.

Einzig Peter Molitor gab sich etwas zurückhaltender und bemerkte, dass es doch schon toll sei, im Wettbewerb unter die letzten 51 Dörfer gekommen zu sein. Auch ohne Silber- oder Goldmedaillen habe die Dorfgemeinschaft auf jeden Fall schon jetzt gewonnen. Als es der Minister auf der Bühne besonders spannend machte, war aber auch Molitor gespannt wie ein Flitzebogen. Und am Ende fiel auch er Josef Brand jubelnd um den Hals.

Im allgemeinen, von „Berlin-Berlin-wir-fahren-nach-Berlin“-Rufen begleiteten Freudentaumel wäre der Sonderpreis, den die Hoetmarer neben der Goldmedaille „abstaubten“, beinahe untergegangen. Die Bewertungskommission muss am 16. Juni – das erfuhr Josef Brand am Rande der Veranstaltung – von der Präsentation des „Dorfes 1. Klasse“ schwer beeindruckt gewesen sein. Auch wegen des außerordentlich hohen Engagements der Dorfbewohner bei der Integration und Betreuung von Flüchtlingen und Neubürgern. Folgerichtig gab es einen Sonderpreis „für Migration“ der NRW-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege. Darüber freuten sich neben Josef Brand und Adelheid Vollmann, Vertreterin des Arbeitskreises Aktiv im Ruhestand, der sich federführend um die Flüchtlinge im Dorf kümmert, Ivana Milenkovic, Dawor Jovanovic und ihre Kinder Alex und Kevin. Für die aus Serbien stammende Familie, die sich in Hoetmar voll integriert hat und hofft, dauerhaft in ihrer neuen Heimat bleiben zu dürfen, war es Ehrensache, mit nach Bad Sassendorf zu fahren.

Engagement und Begeisterung für den Dorfwettbewerb seien beeindruckend, bemerkte Minister Remmel bei der Verkündung der Sieger-Kommunen, von denen sieben Gold, 26 Silber und 18 (darunter Asbeck im Kreise Borken) Bronze gewonnen haben: „Die Teilnahmezahlen der Dörfer in Nordrhein-Westfalen sind ein bundesweiter Spitzenwert. In keinem anderen Bundesland zeigen die Dörfer so viel Interesse an diesem Wettbewerb wie in unserem Heimatland NRW.“ 23 Gewinner-Dörfer lägen im Rheinland, 28 in Westfalen. Das große Interesse an Heimat sei „ein eindrucksvolles Zeichen“, gerade auch in einer Zeit, da viele Menschen aus ihrer Heimat fliehen müssten.

Im Golddorf knallten am Nachmittag die Sektkorken. Das ganze Dorf war auf den Beinen. Bürgermeister Jochen Walter gratulierte mit 50 Litern Freibier, Pfarrdechant Manfred Krampe, der gestern Geburtstag hatte und mit so einer rauschenden Party vermutlich gar nicht gerechnet hatte, übernahm die Getränke für alle Kinder. Der Spielmannszug Sendenhorst brachte ein Ständchen. Und die Glocken von St. Lambertus läuteten, während der Himmel vor Freude Sturzbäche weinte. Das war den Hoetmarern aber gestern ungefähr so egal wie der Ausgang der Bürgermeisterwahlen. „Die Wahlen interessieren hier heute keinen mehr“, hatte Josef Brand schon am Mittag auf Haus Düsse gemutmaßt und verraten, dass die Hoetmarer sich nun nicht etwa auf ihren (goldenen) Lorbeeren ausruhen, sondern weitere Projekte angehen werden. Keine Frage: Hoetmar ist auf Bundesgold-Kurs.

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