Konzert mit Minako Schneegass
Chopin im Kimono

Freckenhorst -

Zu einer „romantischen Soirée“ unter dem Motto „Chopin im Kimono“ hatte das Freckenhorster Bürgerhaus ins Schloss Westerholt eingeladen. Vorsitzender Peter Marberg freute sich, die Gäste im voll besetzten, prächtigen Schloss-Saal begrüßen zu können, einem passenden Ambiente für ein hochkarätiges Konzert mit der Pianistin Minako Schneegass, im ersten Teil wie angekündigt mit „Chopin im Kimono“.

Sonntag, 25.10.2015, 16:10 Uhr

Die Pianistin Minako Schneegass gab am Freitagabend auf Einladung des Vereins Freckenhorster Bürgerhaus ein Konzert im Schloss.
Die Pianistin Minako Schneegass gab am Freitagabend auf Einladung des Vereins Freckenhorster Bürgerhaus ein Konzert im Schloss. Foto: Schlosser

Die Künstlerin, die ihr Konzertexamen bei dem international renommierten Professor Anatol Ugorski an der Hochschule für Musik Detmold abgelegt hatte, wurde inzwischen für ihre hervorragenden pianistischen Leistungen mit namhaften Auszeichnungen bedacht, darunter dem 1. Preis des Scarlatti-Wettbewerbs der Internationalen Sommerakademie Mozarteum Salzburg.

Für den ersten Teil des Klavierabends mit Werken von Frédéric Chopin (1810-1849) erwies sich der restaurierte hauseigene Flügel der Gebrüder Knake, Münster, als bestens geeignet. Nur gut zehn Jahre nach Chopins Tod gebaut, dürfte er den eigentümlichen Klangcharakter eines Pianofortes jener Zeit besser widerspiegeln als die heute allgemein üblichen großen, modernen Konzertflügel. So hörte man drei Mazurken, das Fantaisie-Impromptu, ein Nocturne und die Étude As-Dur op. 25.1 (die „Äolische Harfe“), sowie vier seiner berühmten Walzer streckenweise ganz neu und mit großem Genuss. Minako Schneegass verstand es, mit viel Gefühl, aber auch mit flinken Händen und mit Kraft und Entschlossenheit die Schönheit, den Reichtum und die Spannweite der Chopinschen Kompositionen herauszuarbeiten.

Spricht man manchmal anerkennend davon, dass große Pianisten ihr Instrument „beherrschen“ und zuweilen regelrecht „traktieren“ (von Franz Liszt wird erzählt, dass er dabei schon mal ein Klavier zertrümmerte), so kann man dies von Minako Schneegass ganz und gar nicht sagen, im Gegenteil: Sie kann die Tasten liebevoll „streicheln“ und sich dem Instrument sozusagen hingeben bis zur Verschmelzung mit diesem, ohne dabei ins Süßliche abzugleiten.

Daraus resultiert ein bezauberndes Klangbild, das überzeugt.

Nach der Pause begeisterte die Pianistin zunächst mit vier hinreißend interpretierten Werken des Spaniers Isaac Albeniz (1860-1909) mit temperamentvollen Rhythmen spanischer und andalusischer Volksmusik. Es folgten für das Cembalo komponierte einsätzige Sonaten von Domenico Scarlatti (1685-1757), der sich in Spanien einen Namen gemacht hatte. Vergleicht man Scarlattis Musik mit der seines Zeitgenossen Johann Sebastian Bach (1685-1750), so ist man erstaunt über ihre Kühnheit und „Modernität“.

Minako Schneegass erwies sich als würdige Scarlatti-Preisträgerin und bestach mit äußerster Präzision ihres Spiels, gepaart mit viel Ausdruck und Facettenreichtum.

Grandios besonders die Sonate D-Dur K. 492, bei der die Pianistin ein rasantes Tempo hinlegte, ohne dabei mit vordergründiger Virtuosität glänzen zu wollen. Am Ende noch einmal Chopin: Seine „Grande Polonaise“ op. 22 mit einleitendem „Andante spianato“, eine gewaltige pianistische Herausforderung, lag hier in besten Händen.

Als Zugabe beeindruckte das berühmte „Rondo alla turca“ aus Mozarts Klaviersonate A-Dur KV 331, ungemein einfühlsam und temperamentvoll zugleich interpretiert, dass es eine Freude war, diesem Spiel zu lauschen. Und schließlich durfte eine Hommage an ihren Ehemann Klaus-Peter Schneegass nicht fehlen, dessen meisterhafte Bearbeitung des französischen Chansons „Unter den Dächern von Paris“ aus dem gleichnamigen Film von René Clair die Künstlerin in faszinierender Weise vortrug.

Die total begeisterten Zuhörer applaudierten stürmisch. Peter Marberg dankte der Pianistin, die ihr Publikum mit ihrer Fröhlichkeit und ihrem Charme angesteckt habe, sowie dem Hausherrn Friedrich Graf von Westerholt und seiner Familie für ihre Gastfreundschaft.

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