Ausgleichsmaßnahme der Bundeswehr an der Hessel
Raus aus dem starren Korsett

Warendorf / Milte -

In Höhe des Bundeswehr-Funkgeländes in Milte darf sich die Hessel auf mehr als 600 Metern wieder frei entfalten. Die Renaturierung war eine von insgesamt sechs Ausgleichsmaßnahmen für Bauprojekte der Bundeswehr im Kreis Warendorf, insbesondere in der Sportschule.

Mittwoch, 04.11.2015, 15:11 Uhr

So idyllisch präsentiert sich die Hessel am Bundeswehrgelände in Milte nach der Renaturierungsmaßnahme. Die Uferbegradigung wurde zurückgebaut, in der Mitte des Flusses sorgen Baumstümpfe für eine verlangsamte Strömung.
So idyllisch präsentiert sich die Hessel am Bundeswehrgelände in Milte nach der Renaturierungsmaßnahme. Die Uferbegradigung wurde zurückgebaut, in der Mitte des Flusses sorgen Baumstümpfe für eine verlangsamte Strömung. Foto: Hartmeyer

Vorbei sind die Zeiten begradigter Uferstreifen, in denen die Hessel ohne Rücksicht auf ihre tierischen Bewohner durch ihr Bett strömte. Zumindest auf einem Teilabschnitt von 630 Metern auf dem Gelände der Bundeswehr-Funkstation in Milte kann sich der Fluss jetzt wieder frei entfalten. Möglich machte das eine von sechs ökologischen Ausgleichsmaßnahmen , die die Bundeswehr im Gegenzug für Ausbauten ihrer Liegenschaften in Auftrag gab. Kostenpunkt allein für Milte: rund 70 000 Euro.

Im Rahmen eines Pressetermins am Mittwochmorgen stellten die Initiatoren die Vorgeschichte und den Ablauf der Arbeiten vor. Der Hintergrund: Für ein Investitionsvolumen von insgesamt zwei Millionen Euro hat sich die Bundeswehr seit 2011 vor allem drei große Bauprojekte im Kreis Warendorf auf die Fahnen geschrieben: den Umbau des Rasensportplatzes an der Sportschule in Warendorf in einen Kunstrasenplatz, die Errichtung einer neuen Hindernisbahn an der Sportschule sowie den Neubau einer Wache auf dem Gelände in Milte.

Um die dafür notwendigen Eingriffe in die Natur zu kompensieren, ermittelten die Verantwortlichen in Gesprächen mit der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises entsprechende Ausgleichsmaßnahmen. Auf diesem „Ökokonto“ landete 2013 auch die ökologische Aufwertung der Hessel. Nach intensiven Absprachen begannen im Februar 2015 die Arbeiten – schon im Juni war das Werk vollendet.

„Vom Kreis gibt es dafür ein großes Lob“, betonte Landrat Dr. Olaf Gericke . Es wäre sicherlich möglich gewesen, die Ausgleichsmaßnahme „auf alltäglichere Weise“ durchzuführen. „Entsprechend begrüßenswert ist es, dass Sie sich für einen aufwändigeren und ökologisch wertvolleren Weg entschieden haben“, so Gericke.

Hauptanliegen der Planer war es, die Hessel aus ihrem starren Korsett zu befreien. Ein so genannter „Sohlabsturz“ wurde in eine „Sohlgleite“ umgewandelt, damit Kleinstlebewesen und Fische jetzt auch bei stärkerer Strömung den Fluss in Gegenrichtung passieren können. Die Steine an der Böschung wurden entfernt und statt dessen in Form von fünf Buhnen neu aufgeschüttet, um das Gewässer gezielt in sanfte Kurven zu lenken. Totholz am Ufer, gewonnen aus den Pappeln vom benachbarten still gelegten Altarm der Hessel, sorgt für weitere Rückzugsmöglichkeiten für die Tierwelt. Außerdem wurden sechs Baumstümpfe in der Flussmitte verankert, um die Strömung zusätzlich abzulenken.

„Insgesamt haben wir der Hessel damit an dieser Stelle eine eigendynamische Entwicklung ermöglicht“, erläuterte Marco Pfeil, Diplom-Ingenieur beim zuständigen Planungsbüro Schmelzer. „Wir haben den Grundstein gelegt – jetzt kann das Gewässer sich in einem gewissen Korridor von allein verbreitern und tiefer werden. Dadurch erreichen wir eine ökologische Durchlässigkeit.“

„Naturschutz endet nicht vor dem Kasernenzaun“, unterstrich Hans-Joachim Rahe vom Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Münster in Vertretung von Leiter Thomas Goldschmidt. Er zeigte sich vor allem begeistert darüber, dass hier „mit kleinen Infrastrukturmaßnahmen eine große Wirkung“ erzielt worden sei. Das sieht auch Hubertus Hermanns vom Dienstleistungszentrum ähnlich, dessen Dank allen Beteiligten für die reibungslose Zusammenarbeit gilt: „Solche Dinge so pragmatisch umzusetzen, ist nicht selbstverständlich. Das hat richtig Spaß gemacht!“

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