KunstWerkStatt hilft Flüchtlingen
Das Erlebte besser verarbeiten

Warendorf -

Petra Schürmann weiß wie sich die Flüchtlinge fühlen, die Schlimmes erlebt haben. Sie ist Kunsttherapeutin und kümmert sich schon von Berufs wegen um traumatisierte Menschen.

Montag, 14.12.2015, 09:12 Uhr

Ein tolles Bild: Der zwölfjährige Shaqri aus dem Kosovo präsentiert hier
Ein tolles Bild: Der zwölfjährige Shaqri aus dem Kosovo präsentiert hier Foto: Bulla

Dass kreatives Gestalten dabei helfen kann, mit dem Erlebten besser umzugehen, erlebt sie nicht selten. Um Flüchtlingen, aber auch anderen Interessierten, eine Möglichkeit zum künstlerischen Austausch zu geben, bietet die engagierte Freckenhorsterin seit kurzem ehrenamtlich offene Treffs an. In ihrer KunstWerkStatt an der Straße Brede 7 in Warendorf treffen sich von 15 bis 18 Uhr jeden zweiten Freitag im Monat junge Frauen und Mädchen, die aus ihrer jeweiligen Heimat geflohen sind, gemeinsam mit deutschen Frauen. Sie nähen, malen und stricken zusammen.

Bevor es losgeht mit der Kreativität, wird stets gesungen, Kaffee getrunken und ganz gemütlich geplaudert. „Wir versuchen uns hier möglichst in deutscher Sprache zu verständigen. So wird das Erlernen gefördert“, gibt Petra Schürmann eines der Hauptziele an, bevor sie gemeinsam mit der Gruppe das Weihnachtslied „Leise rieselt der Schnee“ anstimmt. Die meisten der Frauen gehen anschließend in den oberen Teil des Gebäudes. Dort warten schon Annette Paulitsch und Freifrau Paula von Ketteler vom Inner Wheel Club Warendorf. Sie geben Anleitungen und erklären den Frauen die Funktion der drei Nähmaschinen, die auf dem langen Tisch stehen. Daneben befindet sich ein großer Korb, aus dem bunte Stoffe hervor lugen. Daraus werden zunächst einfache Dinge geschneidert wie Kissen, Decken und Gardinen.

In den unteren Räumen geht es ebenso bunt zu. Stifte in allen Farben, Wachskreide, Tuschfarbe, Leinwände, Papier und Pinsel sind auf der Tischplatte verteilt. Mit großem Eifer leben die Teilnehmer hier ihre Kreativität in vollen Zügen aus. Im vergangenen Sommer hatte Petra Schürmann angefangen mit einer Gruppe Flüchtlinge zu arbeiten, die sich mittwochs von 17 bis 18 Uhr zum Malen in ihrer Werkstatt trifft. Die jungen Künstler sollten ihre Geschichte, Gedanken oder Wünsche zeichnen. Dabei herausgekommen sind wunderbare Werke, die im Januar in der städtischen Bücherei im Rahmen einer Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert werden. Ein Bild ist besonders gut gelungen. Das von Shaqri. Der Zwölfjährige ist vor einem Jahr mit seiner Familie aus dem Kosovo nach Deutschland gekommen. Er hat ein tolles buntes Bild auf die große Leinwand gebannt: Eine rote Blüte auf sattgrünem Hintergrund. Stolz zeigt der talentierte Junge seine Arbeit. „Ist das gut?“, fragt er auf deutsch und freut sich, als alle heftig nicken.

Beim Frauentreff sind es derzeit rund 20 Kreative, die freitags aktiv sind. Petra Schürmann wünscht sich, dass mehr Frauen kommen, und sie sich mindestens zweimal im Monat treffen könnten. Doch dafür fehlt zum einen das Geld und zum anderen auch ehrenamtliche Helfer. „Irgendwann möchte jeder statt auf Papier, lieber auf einer Leinwand malen. Doch die sind nicht billig“, erklärt die Initiatorin. Sie könne zudem überhaupt nicht schneidern, sodass sie auch dort Unterstützung brauche. Wer Petra Schürmann also helfen möchte, sei es mit finanziellen Mitteln oder durch freiwillige Hilfe, kann sich gern bei ihr per Telefon unter 02581 / 4175 oder über e-mail psch.kunst@gmx.de melden.

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