Die essbare Stadt
Warendorf zum Anbeißen

Warendorf -

Eine neue Idee der Bürgerstiftung Warendorf: Grüne Freiflächen sollen zu öffentlichen Gemüsebeeten werden. Und jeder darf mal naschen.

Freitag, 08.01.2016, 13:01 Uhr

Beispiel Andernach: Hier wachsen Bohnen vor der alten Stadtmauer.
Beispiel Andernach: Hier wachsen Bohnen vor der alten Stadtmauer. Foto: Sandmann

Wer früher in der Stadt lebte, der hatte vor den Stadttoren seinen Kamp. Auf der Scholle wuchsen Kartoffeln, Gemüse, Salat, Kräuter, Obstbäume und Beerensträucher. Noch bis in die 1960er Jahre besaßen die meisten „Altstädter“ oder Bewohner von Mehrfamilienhäusern ohne Gartengrundstück einen Schrebergarten im Stadtfeld, der meist als Nutz- und Freizeitgarten angelegt wurde.

Frische Lebensmittel kamen so direkt auf den Tisch oder wurden für die Winterzeit eingekocht und in den kühlen Kellern gelagert. Selbst gemachtes Kompott gehörte so stets zu einem guten Mittagessen.

Als die Lebensmittelgeschäfte aus den 1960er Jahren sich allmählich zu Supermärkten entwickelten und die flächendeckende Bebauung von Ein- und Mehrfamilienhäusern innerhalb des Stadtfeldes massiv vorangetrieben wurde, verschwanden im selben Tempo die kleinen von Hecken eingefriedeten Schrebergärten. An der Ostbleiche haben sich bis heute noch einige wenige erhalten.

Doch Stadtgärten liegen längst wieder im Trend. Aus vielen Medien wird von der „Rückkehr der Gärten in die Stadt“ berichtet. In manchen Orten, wie beispielsweise in Köln, schließen sich Menschen zu Gartengemeinschaften zusammen und bewirtschaften gemeinsam vernachlässigte Brachflächen. In Gelsenkirchen haben sich Schüler mit Migrationshintergrund verbündet und einen Mädchengarten angelegt. Wer noch einen Schrebergarten gepachtet hat, versucht Einfluss auf Stadtplaner auszuüben, damit ihre Scholle nicht zum Baugebiet umgewandelt wird. An der Dr.-Leve-Straße in Warendorf ist dieses Vorhaben leider in jüngster Zeit gescheitert. Dabei sind die Kleingärten wichtige Bestandteile der Städte und dienen als Frischluftschneise und Naturerlebnis mitten in der Stadt. Sie schaffen Lebensqualität für die Bewohner. In Andernach haben die Menschen eine „essbare Stadt“ geschaffen: Im Schlossgraben, wo früher Büsche wucherten und die Stadtgärtner regelmäßig den Müll beseitigten mussten, gedeihen heute Kürbis, Spitz- und Grünkohl. An den Promenadenwegen finden sich Tomaten und Zucchini und entlang der Stadtmauer finden sich Zwiebeln und Rhabarber. Wer sich auf den Weg macht, findet auch Mandel- und sogar Orangenbäume. In dieser Stadt säen und ernten die Bürger, aber auch die überraschten Besucher werden animiert, die reifen Früchte zu pflücken und sich für den weiteren Weg zu stärken.

Die Initiatoren wollen hier nicht nur kostenloses Gemüse präsentieren. Nein, sie wollen, dass die Bürger wieder das angebaute Obst und Gemüse schätzen lernen und dafür auch eine Verantwortung übernehmen. Die Menschen kommen ins Gespräch, planen und organisieren sich selbst. Sie erleben auf ganz neue Weise, ein Teil ihrer Stadt zu sein.

Und was in einer Stadt am Rhein geht, das sollte doch auch in der Emsstadt Warendorf gelingen. Vielleicht kann man ja schon bald in der Promenade Kohlköpfe ernten oder am Emssee Beeren lesen oder Salatbeete auf Brachflächen bestaunen und natürlich ernten.

Die Bürgerstiftung Warendorf möchte die „Stadt zum Anbeißen“ herrichten. Für die Umwandlung von Brachflächen in eine Paradieslandschaft sucht sie Menschen mit Ideen, Personen mit grünem Daumen oder einfach nur Mitmacher. Sie hofft natürlich auf die Unterstützung der Stadt Warendorf, den Kreis und die Kirchen sowie andere Grundstückseigentümer, die Land zur Verfügung stellen.

Die Stadt Warendorf hat ihre Unterstützung bereits zugesagt. Die Bürgerstiftung lädt jetzt alle Interessierten am Mittwoch, 13. Januar, um 19 Uhr in den Saal der Gaststätte Porten-Leve zu einem ersten gemeinsamen Gespräch ein. Die Bürgerstiftung ist auf Reaktionen und Beteiligung schon sehr gespannt.

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