Jan-Christian Zeller: DJ und Moderator aus Freckenhorst
„Bei mir ist immer Party“

Warendorf -

Er ist DJ und Moderator bei 1LIVE und stammt gebürtig aus Freckenhorst: Jan-Christian Zeller. Mit den WN hat sich der Mann mit der Zuckerwatte-Frisur über den Reiz der Provinz, seinen Arbeitsalltag in Köln und seinen Job als Rote-Teppich-Ausroller bei der "1Live Krone" unterhalten.

Freitag, 22.04.2016, 23:04 Uhr

Immer wieder gerne in der „Provinz“:  Beruflich und privat fühlt sich Jan-Christian Zeller im Kreis Warendorf, in Bielefeld und Paderborn wohl.
Immer wieder gerne in der „Provinz“:  Beruflich und privat fühlt sich Jan-Christian Zeller im Kreis Warendorf, in Bielefeld und Paderborn wohl.

Ob Caren Miosga sich während der Tagesthemen-Moderation manchmal ihr Publikum vorstellt? Wie es vor dem Fernseher Chips und Bier vernichtet, mit Maniküre oder Pediküre beschäftigt ist oder schnarchend auf dem Sofa liegt? Ihrem Hörfunk-Kollegen Jan-Christian Zeller jedenfalls geht das so. Wenn der gebürtige Freckenhorster – tatsächlich war der 35-Jährige eines der letzten Babys, die 1981 im Thiatildis-Hospital geboren wurden – im Studio sitzt, mit „1LIVE Go“ und „1LIVE Moving“ das Warm-up für die Freitag- und Samstagabend-Partys im Sektor bestreitet, stellt er sich regelmäßig seine Hörer vor. Wie sie mit dem Trecker auf einem münsterländischen Acker unterwegs sind, in Gelsenkirchen unter der Dusche stehen oder sich vor dem Spiegel in ihrer Kölner Studentenbude aufhübschen.

Dass das so ist, weiß er von der Fangemeinde selbst. Denn Zeller hat, anders als die Nachrichtenkollegen, regelmäßig Kontakt zur Zielgruppe. Gleich im Anschluss an seine Sendungen – und zur Verblüffung seiner Mutter, die sich regelmäßig fragt, ob zu dieser unchristlichen Zeit außer ihrem Sohn überhaupt noch jemand unterwegs ist – ist der Moderator und DJ in den größten Clubs und Diskotheken Nordrhein-Westfalens unterwegs und legt aktuelle Club-Hits und Party-Classics auf. „Es gibt super Clubs im Land“, schwärmt er, gedankenverloren in seinem Milchkaffee rührend. Besonders gern sei er im „Stereo“ in Bielefeld und in der „Residenz“ in Paderborn. Klar, in Düsseldorf wie auch in seiner Wahlheimat Köln gebe es zig Clubs für unterschiedliche Klientele. Doch in der „Provinz“ seien solche Partys noch echte Events. Und: „Die Mädchen dort tragen Chucks, nicht Kleider und High Heels. Das sind Mädels, mit denen man auch privat gerne einen trinken geht.“

Apropos Provinz: Auch in seine Heimat kehrt Zeller immer wieder gerne zurück. So oft wie möglich besucht er seine Eltern in Ennigerloh – nicht nur um Mutters PC zu reparieren – trifft alte Freunde in Warendorf , wo er „Backstage“ (auf dem Lohwall) parkt und, anders als in Köln, von Selfie-Sammlern unbehelligt unterwegs sein kann. Trotz der blondierten Haare, deren Bad-Hair-Day-Optik das Ergebnis einer wohldosierten Ladung Puder in Kombination mit Haarspray ist: „Das fühlt sich dann an wie Zuckerwatte.“

Hier in Warendorf hat Zellers Radio-Karriere vor 22 Jahren beim damals noch jungen Radio WAF begonnen. Die ersten eigenen „Radiobeiträge“, eine Mischung aus Musik und vorgelesenen Zeitungsartikeln, ausgestrahlt über beide Etagen seines Elternhauses, sieht er im Rückblick eher kritisch: „Das musste zum Glück keiner hören.“

Als 13-Jähriger meldete sich der aufstrebende Nachwuchs-Moderator bei Radio WAF: „Ich wollte Musikwünsche am Telefon entgegennehmen.“ Zeller stieß auf offene Ohren: „Einer der Redakteure hat mich sehr supported.“ Das junge Talent lernte, O-Töne zu schneiden und nahm am Telefon Hörerwünsche entgegen. Nach einem Ferienpraktikum war der inzwischen 15-Jährige in seinem Heimatort der „Radiomann“, der auch in Ratssitzungen gehen musste. Und er durfte seine eigenen ersten Sendungen live moderieren. In der Stadthalle in Ahlen etwa, wo er, gemeinsam mit Janin Reinhard (heute unter anderem Extra 3) und Nova Meierhenrich, die Radio WAF-Chart-Partys moderierte.

Anders als Hörfunkkollege Tobias Häusler, der sich als 16-Jähriger ebenfalls seine ersten Sporen bei Radio WAF verdiente und inzwischen von 1LIVE zu WDR 2 wechselte, blieb Jan-Christian Zeller nach Stationen bei Radio Hellweg und Radio NRW, nach Abi und Zivildienst, auf der Party-Schiene. Für seriöse Sendungen, in denen Journalisten mit Korrespondenten in Kriegsgebieten telefonierten, sei er nicht der Richtige, bemerkt er selbstkritisch: „Bei mir ist immer Party.“

Bei 1LIVE ist der Mann mit den „Zuckerwatte“-Haaren heute eines der Aushängeschilder. Das war nicht immer so. Als er sich nach dem Zivildienst in Köln bewarb, lehnte der Sender ihn ab. Zeller ging nach Berlin, arbeitete bei Kiss FM, wechselte zu Megaradio in München und Planet Radio in Bad Vilbel. Nach der dritten Bewerbung erhörten ihn 2003 endlich die Programm-Macher von 1Live , die damals für ein neues Format junge Leute suchten.

„Auch im neunten Jahr bei 1LIVE bin ich immer noch happy“, versichert er und erzählt, angenehm unprätentiös, von seinem Arbeitsalltag, der morgens um 11 Uhr beginnt – „ein Luxus, den ich nicht missen möchte“ – und für Privates – der 35-Jährige hat eine Freundin – wenig Zeit lässt. Was im Radio so locker und spontan wirke, sei eigentlich harte Arbeit. Für die Sendungen, die er freitags und samstags – vor den Bookings – moderiere, werde während der Woche die Musikauswahl getroffen. Interviews würden aufgezeichnet, DJs eingeladen.

„Es ist schon toll, wenn Weltstars wie Major Lazer bei dir im Studio sind und ein DJ-Set spielen“, gibt Zeller zu. Und er findet es „klasse, dass DJs wie Robin Schulz oder Felix Jaehn, die DJs der Neuzeit, immer zuerst bei uns, bei 1LIVE, ein Interview gegeben haben und immer wieder zurückkommen. Da fühlt man sich schon ein bisschen verantwortlich, schließlich haben wir deren Karriere mit angeschoben.“

Der Perfektionist, der sich höchstens fünf Tage Urlaub am Stück gönnt, will nichts dem Zufall überlassen, „Löcher im Programm“ unbedingt vermeiden. Als DJ und Event-Moderator tritt „JC“ zudem bei Musikevents wie dem Beachline-Festival in Riccione (italienische Adria) oder der 1LIVE Krone auf. „Ich habe da einen coolen Job. Ich kann alle auf dem roten Teppich begrüßen und bei der After-Show-Party wieder verabschieden. Das ist top. Gut, dass ich das nicht moderieren muss“, findet der selbst ernannte Rote-Teppich-Ausroller und Aftershow-Bändchen-Verteiler, damit kokettierend, dass er sowieso keinen Anzug habe. Sondersendungen für 1LIVE produziert JC auf Ibiza und beim Tomorrowland-Festival.

„Größtes Highlight ever“ sei für ihn der Abend gewesen, an dem die deutsche National-Elf Fußballweltmeister wurde. „An dem Abend habe ich moderiert. Wir hatten die Playlist der außergewöhnlichen Stimmung angepasst. Als die Autokorsos fuhren, habe ich das bis drei Uhr nachts musikalisch begleitet. Das war ein außergewöhnlicher Moment.“ Außergewöhnlich, wenn auch im negativen Sinne, war auch der Abend der Paris-Attentate. Die ursprünglich geplante Samstag-Abend-Party fiel aufgrund der dramatischen Ereignisse in der französischen Hauptstadt aus: „Nach Party war keinem zumute. Wir waren zwar alle im Studio, haben die Moderation aber Frühmoderator Andreas Bursche überlassen.“

So lange er mit Hörern wie Gesprächspartnern auf einer Wellenlinie liegt, sieht Jan-Christian Zeller keine Veranlassung das Metier zu wechseln. Allerdings: Als Berufsjugendlicher möchte er nicht enden. Er werde so lange weitermachen, wie er das Gefühl habe, authentisch rüberzukommen, sagt er. „Im Moment ist alles sehr harmonisch. Aber wenn ich meine Gesprächspartner nicht mehr verstehe oder sie meine Musik nicht mehr, dann hätte ich einen Plan B.“  JC würde sich dann um sein eigenes Internet-Radio kümmern. Dafür bleibt im Moment nur Zeit, wenn die 1Live-Hörer schlafen. Morgens zwischen drei und fünf . . .

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