Ausstellung „30 Jahre Tschernobyl“
Bilder eines vergessenen Ortes

Warendorf -

Eindrucksvolle Bilder aus der Sperrzone um das havarierte Kernkraftwerk von Tschernobyl, aber auch Bilder, die die Gastfamilien, die seit 1994 Jahr für Jahr bis zu 16 Kinder für einige erholsame Wochen in Milte und Müssingen betreuen sowie sehenswerte Fotos, die ein Gastvater in Swensk machte, sind seit Freitag im Foyer der Sparkasse Münsterland Ost in der Münsterstraße ausgestellt.

Samstag, 23.04.2016, 06:04 Uhr

Fotograf Oliver Kykal, dessen Fotos im Hintergrund zu sehen sind, Claire Mesch, Gabi Wiesmann, Beate Jürgens, Arnold Metz, Dr. Hermann Mesch, Dr. Sabine Fischer, Sparkassen-Filialleiter Klaus Oortmann (hinten, vl.) sowie Rosie Weber und Irina Höfel (vorne, v. l.) haben gestern im Foyer der Sparkassen-Filiale in der Münsterstraße die Ausstellung „30 Jahre Tschernobyl“ eröffnet.
Fotograf Oliver Kykal, dessen Fotos im Hintergrund zu sehen sind, Claire Mesch, Gabi Wiesmann, Beate Jürgens, Arnold Metz, Dr. Hermann Mesch, Dr. Sabine Fischer, Sparkassen-Filialleiter Klaus Oortmann (hinten, vl.) sowie Rosie Weber und Irina Höfel (vorne, v. l.) haben gestern im Foyer der Sparkassen-Filiale in der Münsterstraße die Ausstellung „30 Jahre Tschernobyl“ eröffnet. Foto: Brocker

Oliver Kykol hat ein Faible für Technik, Industriefotografie und „Lost places“. Ein Ort, an dem sich all das verbindet, ist Tschernobyl . Ein vergessener Ort, der für den 33-jährigen Dortmunder so etwas wie „der Mercedes unter den Lost places“ ist: „Es ist der Ort, an dem am längsten kein Mensch war.“

Die eindrucksvollen Bilder, die in der Sperrzone des am 26. April 1986 havarierten Kernkraftwerks entstanden sind, wollte der ursprünglich aus Ahlen stammende Fotograf anlässlich des 30. Jahrestages der Reaktorkatastrophe unbedingt der Öffentlichkeit zugänglich machen. Seit gestern sind sie nun im Foyer der Sparkasse Münsterland Ost an der Münsterstraße ausgestellt; und lassen erahnen, wie es hierzulande aussehen könnte, wenn sich eine ähnliche Katastrophe wie vor 30 Jahren in Tschernobyl heute in Belgien oder Frankreich ereignen würde.

Die Atomreaktor-Katastrophe in Tschernobyl

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  • Von einem Hubschrauber aus wurde im Januar 1991 diese Übersicht des Atomkraftwerks Tschernobyl aufgenommen. Eine schwere Explosion zerstörte am 26. April 1986 den Reaktorblock II des Kernkraftwerks. 

    Foto: dpa
  • Hinterbliebene der Opfer auf einem Friedhof am 15. Jahrestag der Katastrophe.

    Foto: dpa
  • Der Atomreaktor Tschernobyl in der Ukraine am 15. April 2006. 

    Foto: dpa
  •  Eine Brigade Metro-Bauer aus Moskau und eine Brigade Bergleute aus Tula treiben im Mai 1986 einen Tunnel unter den am 26. April 1986 explodierten Reaktorblock Nr. 4 des Atomkraftwerkes Tschernobyl. Durch den Tunnel werden Rohre verlegt, um von unten flüssigen Stickstoff zur Kühlung an den Reaktor heranzuführen. Auf dieses Weise sollte verhindert werden, daß der Kern des durchgegangenen Reaktors schmilzt und im Erdreich versinkt. Am Tunneleingang, wo Freiwillige Betonsegmente zur Tunnelauskleidung auf Loren verladen, betrug die empfangene Strahlendosis pro Stunde 12 bis 15 Röntgen.

    Foto: dpa
  • Fahnen mit dem Anti-Atomkraft-Logo wehen am 24. April 2016 in Brokdorf (Schleswig-Holstein) vor dem Kernkraftwerk. Zum 30. Jahrestag von Tschernobyl machen Kernkraftgegner mit einer Protest- und Kulturmeile auf die Gefahren von Atomenergie aufmerksam. 

    Foto: dpa
  • Kinder aus der besonders betroffenen Region Gomel bei Tschernobyl (Weißrussland) suchen am Dienstag (22.05.2001) auf dem Rollfeld des Flughafens Hannover ihre Gepäckstücke. Sie gehören zu den ersten 145 Kindern und Jugendlichen, die in Begleitung von 12 Müttern sowie sieben Dolmetschern einen vierwöchigen Ferienaufenthalt in Niedersachsen verbringen.

    Foto: dpa
  • Fahnen mit dem Anti-Atomkraft-Logo werden am 24. April 2016 in Brokdorf (Schleswig-Holstein) von Aktivisten auf dem Deich in die Höhe gehalten Zum 30. Jahrestag von Tschernobyl machen Kernkraftgegner mit einer Protest- und Kulturmeile auf die Gefahren von Atomenergie aufmerksam.

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  • Denkmal für die 30 bei der Explosion des Reaktors im Kernkraftwerk Tschernobyl und der nachfolgenden Strahlung umgekommenen 30 Feuerwehrleute und Kraftwerksmitarbeiter, aufgenommen am 22. April 2016 in Tschernobyl.

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  • Vom Dach eines Hochhauses in der verlassenen 1970 gegründeten Kleinstadt Prypjat, aufgenommen am 22.04.2016,  grüßen noch Hammer und Sichel der Sowjetunion. Die knapp 50 000 Einwohner mussten nach der Explosion des Reaktors im nahen Atomkraftwerk Tschernobyl in aller Eile umgesiedelt werden. 

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  • In der Anti-Atomkraft-Debatte auf der Bundesversammlung der Grünen in Hannover am 19. Mai 1986 erklärte der damalige hessische Umweltminister Joschka Fischer, dass eine Stilllegung der Atomanlagen in Hessen noch in diesem Jahr nicht möglich sei. "Selbst ein grüner Ministerpräsident könnte dieses Vorgehen nicht garantieren" so Fischer in seiner Rede vor den fast 900 Delegierten. Wenige Wochen zuvor im April 1986 hatte sich in Tschernobyl in der Ukraine die bislang weltweit schwerste Reaktorkatastrophe ereignet. 

    Foto: dpa
  • Verstümmelte Fehlgeburt eines Hundewelpens aus der Todeszone von Tschernobyl im Tschernobyl-Museum in Kiew, aufgenommen am 9. April 2011. Am 26. April 1986 kam es im Kernkraftwerk Tschernobyl zum Super-GAU. 

    Foto: dpa
  • Arbeiter stehen am 22. April 2016 unter dem 100 Meter hohen Stahlbogen, der ab 2017 für 100 Jahre über dem im Hintergrund zu sehenden explodierten Reaktor 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl stehen soll. 

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  • Delegierte einer internationalen Konferenz "15 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl. Erfahrung der Bewältigung" messen am Samstag (21. April 2001) die Radioaktivität vor der Kulisse des "Sarkophags", in dem vor 15 Jahren, am 26. April 1986, die Reaktorexplosion von Tschernobyl als Super-GAU in die Geschichte eingegangen ist.

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  • Noch 2005 werden Hilfsgüter verteilt - wie hier in der Stadt Ilintsky nahe Tschernobyl.

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  • Bergungsmannschaften sind nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl mit Aufräumarbeiten beschäftigt, Aufnahme von 1986.

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  • Fahnen mit dem Anti-Atomkraft-Logo werden am 24.04.2016 in Brokdorf (Schleswig-Holstein) von Aktivisten auf dem Deich neben einem Schriftzug aus Holz der das Abschalten des Kernkraftwerks Brokdorf fordert in die Höhe gehalten. Zum 30. Jahrestag von Tschernobyl machen Kernkraftgegner mit einer Protest- und Kulturmeile auf die Gefahren von Atomenergie aufmerksam.

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  • Reparaturarbeiten am explodierten ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl (Aufnahme vom 1. Oktober 1986).

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  • Ein Arbeiter misst Radioaktivität, während der Reaktorblock vier in Tschernobyl mit Spundwänden eingeschalt und einbetoniert wird (Archivbild vom Oktober 1986). 

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  • So sieht der Schutz über der Reaktorruine 2014 aus. 

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  • Arbeiter gehen am 22. April 2016 auf der Baustelle für das Zwischenlager der Brennelemente aus dem ehemaligen Atomkraftwerk Tschernobyl, begleitet von Straßenhunden, zur Schicht. 

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  • Das neue Stahldach für den havarierten Reaktor 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl glänzt am 22. April 2016 in der Sonne. Im Vordergrund ein Denkmal für die bei der Explosion und den Aufräumarbeiten umgekommenen Menschen.

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  • Ein Gedenkstein mit der Inschrift "Den Toten, Kranken und Vertriebenen von Tschernobyl" steht am 24. April 2016 in Brokdorf (Schleswig-Holstein) vor dem Kernkraftwerk. Zum 30. Jahrestag von Tschernobyl machen Kernkraftgegner mit einer Protest- und Kulturmeile auf die Gefahren von Atomenergie aufmerksam. 

    Foto: dpa
  • Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD, r) und Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Bündnis 90/Grüne, l) sitzen bei der Plenartagung der deutsch-ukrainischen Konsultationen am Mittwoch (12. Juli 2000) im Festsaal des Alten Rathauses in Leipzig. Gegenüber am Tisch hat die ukrainische Delegation mit Staatspräsident Leonid Kutschma (3.v.r.) Platz genommen. Eines der wichtigsten Beratungsthemen sind neue Energiekapazitäten in der Ukraine nach der geplanten Abschaltung des letzten Atomreaktorblocks von Tschernobyl. 

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  • Ein leeres Verwaltungsgebäude in der nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl aufgegebenen Kleinstadt Prypjat, aufgenommen am 22. April 2016. Katastrophen-Touristen hinterließen Sprühereien an den Wänden.

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  • Zwei Männer messen am 9. Mai 1986, zwei Wochen nach dem sowjetischen Atomunfall, auf einem Gemüsefeld bei Allensbach am Bodensee die Radioaktivitätswerte von Kohlrabis. 

    Foto: dpa
  • Die Gedenkstätte für die Opfer der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl ist am 21. April 2013 in Sichtweite des Kernkraftwerkes in Brokdorf zu sehen.

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  • Kraftwerksingenieur Alexej Breus steht 20 Jahre nach der Katastrophe am 9. November 2006 an seinem ehemaligen Arbeitsplatz im Leitstand des Unglücksreaktors 4 im Atomkraftwerk Tschernobyl.

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  • Der dritte (rechts) und vierte Reaktorblock 1999.

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  • Ein Modell des explodierten vierten Blocks des ehemaligen Kernkraftwerkes Tschernobyl, aufgenommen am 22. April 2015 in einem Vorführraum für Besucher an der Baustelle der neuen Schutzhülle am ehemaligen Kernkraftwerk Tschernobyl in Prypjat, Ukraine. 

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  • Rollatoren mit der Aufschrift "Atom Rolling Home" stehen am 24. April 2016 in Brokdorf (Schleswig-Holstein) bei einer Kundgebung von Atomkraftgegnern. Zum 30. Jahrestag von Tschernobyl machen Kernkraftgegner mit einer Protest- und Kulturmeile auf die Gefahren von Atomenergie aufmerksam. 

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  • Der über 100 Meter hohe und 30 000 Tonnen schwere Bogen aus rostfreiem Stahl, der ab 2017 für 100 Jahre über dem explodierten Reaktor 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl stehen soll, ist am 22. April 2016 in Tschernobyl zu sehen. 

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  • Blick auf den zerstörten Unglücksreaktor Vier des Kernkraftwerkes Tschernobyl am 7. April 2011. 

    Foto: dpa
  • Zwei Männer messen am 9. Mai 1986, zwei Wochen nach dem sowjetischen Atomunfall, auf einem Gemüsefeld bei Allensbach am Bodensee die Radioaktivitätswerte von Kohlrabis. 

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  • Witwen von Tschernobyl-Opfern trauern am 14. Dezember 2000 in der ukrainischen Hauptstadt Kiew neben einem Gedenkstein um ihre Angehörigen.

    Foto: dpa

Ergänzt wird die Ausstellung „30 Jahre Tschernobyl“ durch eine Vitrine mit Gastgeschenken aus Weißrussland und durch Foto-Collagen von Gastfamilien aus Milte und Müssingen, die sich seit 1994 in der Tschernobyl-Initiative Milte um Claire Mesch , die aus der örtlichen Kolpingsfamilie hervorgegangen ist, engagieren. Ein wenig versteckt, in einem Gang hinter der Treppe, hängen die sehenswerten Fotos, die Gastvater Albert Ruhe-Schänzer bei einem Besuch in Swensk gemacht hat. Aus dem radioaktiv belasteten Dorf in Weißrussland stammen die Kinder, die jedes Jahr im Sommer – diesmal vom 9. bis 31. Juli – drei erholsame und ereignisreiche Wochen in Milte verbringen, die sich nachhaltig positiv auf ihr Immunsystem auswirken. „Anders als bei jeder anderen Katastrophe nehmen die Folgen der radioaktiven Verstrahlung mit dem Abstand vom Ereignis zu. Das ist wie eine auf dem Kopf stehende Pyramide. ( . . .) Tschernobyl wütet in den Genen, aber auch in jeder anderen Zelle, die von Genen gesteuert wird. 25 Jahre danach ist das Problem vor allem die Niedrigstrahlung“, beschrieb die Ärztin Dr. Dörte Siedentopf am 25. Jahrestag der Katastrophe die gesundheitliche Situation in Weißrussland, unter der bis heute vor allem die Kinder leiden, die schon durch minimale Strahlungs-Dosen in ihrer Entwicklung gestört werden. Weil Weißrussland eine Diktatur ist, gebe es keine offiziellen Studien über die gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung, bedauert Claire Mesch, die in den Erholungsaufenthalten der Kinder einen nachhaltigen Beitrag zur Völkerverständigung sieht.

► Die Ausstellung ist bis zum 6. Mai während der Öffnungszeiten der Sparkassen-Filiale zu sehen.

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