Birgit Lücke und „ihre“ Stadtbücherei
„Irgendwas mit Büchern“

Warendorf -

Manchmal sind die Besucher der Stadtbibliothek strenger als die Chefin. „Ich bin hier im Lesebereich schon von Nutzern ermahnt worden, weil ich zu viel geredet habe“, lacht Birgit Lücke.

Donnerstag, 28.04.2016, 16:04 Uhr

Bibliotheks-Leiterin Birgit Lücke stillt in der Stadtbücherei Informationshunger und Fantasiebedarf. Die Sortierung in Themenwelten soll zum Stöbern anregen.
Bibliotheks-Leiterin Birgit Lücke stillt in der Stadtbücherei Informationshunger und Fantasiebedarf. Die Sortierung in Themenwelten soll zum Stöbern anregen. Foto: von Brevern

Aber so etwas nimmt die Büchereileiterin nicht krumm. Sie ist keine gestrenge Herrscherin über kilometerlange Buchregale, die peinlich genau auf die Einhaltung komplizierter Ausleihregeln wacht. „Das Rollenverständnis der Bibliothekare ist im Umbruch, und darum bin ich gerade jetzt auch ganz glücklich mit meinem Job“, sagt sie sehr zufrieden.

Dabei hätte die angehende Diplom-Bibliothekarin ihr Studium an der Fachhochschule Köln um ein Haar gleich im ersten Semester geschmissen. „Irgendwas mit Büchern“ war der Studienwunsch der jungen Leseratte in den achtziger Jahren gewesen. Und dann kam es knüppelhart: katalogisieren, systematisieren, Register auswendig lernen. Nichts für die junge, praktisch orientierte Studentin.

Sie habe dann doch noch einen gewissen Sinn darin entdeckt, gibt die gebürtige Sauerländerin zu. Dennoch, „Lichtjahre entfernt“, sei das, was sie damals gelernt habe, von dem, was ihre Arbeit heute ausmache. Kein Wunder. Berichtete ihre Hochschuldozentin doch damals noch mit viel Ehrfurcht davon, dass es später einmal in Büchereien „Computerausleihen“ geben könne. Internet war reine Zukunftsmusik.

Heute sind Internet und Neue Medien zentraler Bestandteil von Lückes Arbeit und „Medienbildung“ eines ihrer Lieblingsthemen. Konsequent kümmert sie sich darum, Kinder und Jugendliche an die Medienarbeit heranzuführen. Ansatzpunkt dafür sind auch die Schulbibliotheken, die Lücke – bis Ende vergangenen Jahres noch Vorsitzende der Kommission Bibliothek und Schule des Deutschen Bibliothekarverbandes – mit viel Leidenschaft in das Gesamtkonzept der Büchereiarbeit einbindet. „Ich habe einen Traum“, zitiert sie lachend. Der Weg in die Schulbibliothek könnte, wenn es nach ihr ginge, zum selbstverständlichen Teil des täglichen Unterrichts werden.

Lücke sieht ihre Rolle als Bibliothekarin darin, Menschen zu helfen, selbst zu finden, was sie suchen. „Es ist so eine Macke unseres Berufsstandes“, sagt sie selbstkritisch, „dass wir immer vom Buch aus denken und nicht vom Menschen.“ Nachdem sie das erkannt hatte, hat sie die Bücherei vom Kopf auf die Füße gestellt. Systematisch sortierte Regale mussten „Themenwelten“ weichen, in denen die Besucher stöbern und sich anregen lassen können. Die Mitarbeiter haben Zeit, Nutzer zu beraten, weil Automaten die Ausleiharbeit erledigen.

Ein „Ort zum Träumen“, eine „Heimat, die Anregungen bietet“, so wünscht sich Lücke ihre Bibliothek. Trotz aller Bücher um sie herum, ist Lesen für die bekennende Elchliebhaberin eine bevorzugte Freizeitbeschäftigung geblieben. „Für mich bedeutet Lesen das Abtauchen in andere Welten“, sagt. sie „Ich kann je nach Stimmung an den Erfahrungen anderer teilhaben.“

„Lesen, das ist Kino im Kopf“, setzt Lücke lachend hinzu, „und darum habe ich Michael Ende bis heute nicht verziehen, dass er erlaubt hat, die ,Unendliche Geschichte‘ zu verfilmen!“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3964704?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F35766%2F4852628%2F4852637%2F
Nachrichten-Ticker