Musical „Der kleine Tag“
Eine tiefe Völkerverständigung

Warendorf -

Zur Premiere des Musicals „Der kleine Tag“ erwartet der Freckenhorster Kinder- und Jugendchor am 24. Juni im Theater am Wall keinen Geringeren als den Komponisten des Werkes, Johannes Niehaus, der 1953 in Warendorf geboren wurde. WN-Redakteurin Joke Brocker hat der Gymnasiallehrer und Komponist, der zurzeit am Lübecker Carl-Jacob-Burckhard-Gymnasium tätig ist und dort die Fächer Musik, Deutsch und Sport unterrichtet, verraten, dass er sich auf ein Wiedersehen mit seiner alten Heimatstadt freut.

Mittwoch, 04.05.2016, 11:05 Uhr

Johannes Niehaus hat das Musical „Der kleine Tag“ komponiert. Zur Premiere im Juni kommt er in seine Heimatstadt.
Johannes Niehaus hat das Musical „Der kleine Tag“ komponiert. Zur Premiere im Juni kommt er in seine Heimatstadt. Foto: privat

Sie leben in Lübeck . Wie hat es Sie von der einen in die andere Hansestadt verschlagen?

Niehaus : Ich lebe seit 1978 mit meiner Frau Heidi in Lübeck beziehungsweise Bad Schwartau. Nach dem Abitur am Aufbaugymnasium 1972 verschlug es mich zum Musikstudium erst nach Köln und später nach Freiburg im Breisgau, wo ich meine Examina ablegte. Zum Referendariat ging‘s dann in den hohen Norden nach Lübeck, wo wir, mit Unterbrechungen im Ausland, sesshaft geworden sind.

Wie und wann ist es zur Zusammenarbeit mit Wolfram Eicke und Rolf Zuckowski gekommen? Wer hatte die Idee für „Den kleinen Tag“?

Niehaus: Seit 1987 mache ich mit dem Lübecker Autor Wolfram Eicke Kabarett: Kippenbek und Pahnke – zwei Kontrahenten streiten um die Deutungshoheit. Wolfram Eicke hat den „Kleinen Tag“ zuerst als Märchen verfasst, Rolf Zuckowski lernte es kennen und als ich mit meiner Familie zurück aus Johannesburg /Südafrika kam, setzten wir das zu dritt zuerst in ein Hörspielmusical um, bevor ich mit meiner Musical-AG eine Bühnenfassung ausprobierte. Der Durchbruch gelang beim Katholikentag 2000 in Hamburg und durch die Präsentationen in den Planetarien Berlin, München, Mannheim, Hamburg und Jena.

Sehen Sie sich eher als Lehrer oder als Komponist?

Niehaus: Gerade habe ich mit meiner Frau ein erstes Liederbuch für junge Deutschlehrer „Liederspaß mit Bonobo – Na sowas!?“ herausgegeben. Die Ursache liegt in Palästina, wo ich von 2010 bis 2013 am Talitha-Kumi College in Beit Jala unterrichtet habe. Um die Jüngsten für unsere Sprache zu begeistern, habe ich mehr als 30 einfache Lieder komponiert und meine Frau hat dazu Ausmalbilder entworfen. In den DaZ-Klassen („DaZ“ steht für Deutsch als Zweitsprache, Anm. d. Red.) tut dieses Projekt nun auch bei uns gute Dienste. Die Kinder aus Syrien, Iran, Irak und Afghanistan sind begeistert. Sie haben Bonobo, den Stoffaffen, fest ins Herz geschlossen.

Sie waren mit Ihrer Familie lange im Ausland. Was genau haben Sie dort gemacht?

Niehaus: Von 1992 bis 1997 waren wir mit unseren Kindern Julika, Fabio und Miriam in Johannesburg an der Internationalen Deutschen Schule. Meine Frau hat dort auch als Oboistin in vielen öffentlichen Konzerten mitgewirkt. Von 2010 bis 2013 waren wir dann als Ehepaar – die Kinder sind erwachsen und stehen in eigenen Berufen – in Beit Jala, Westjordanland am College Talitha Kumi, eine palästinensisch-deutsche Schule in der Trägerschaft des Berliner Missionswerkes. Dort wurde 2013 das erste deutsche Abitur abgelegt. Ich habe dort auch die Arbeit der Instrumentallehrer, die für die Barenboim-Foundation arbeiteten koordiniert. Meine Frau hat dort drei Ausstellungen mit einem palästinensischen Kalligraphen gehabt: in Bethlehem, Beit Jala und Ramallah. In Deutschland folgten dann Ausstellungen im Kloster Nütschau bei Bad Oldesloe, im St. Annen Museum in Lübeck bei der Ausstellung „Salam Lübeck“ und im letzten Jahr in Osnabrück bei den Friedenstagen.

Kennt man den „Kleinen Tag“ auch über die Grenzen Deutschlands hinaus?

Niehaus: „Den kleinen Tag“ kennt man inzwischen auch in Palästina, und auch in Jerusalem an der katholischen Schmid Schule für arabische Mädchen werden diese Lieder geschmettert.

Für das Musical „Der kleine Tag“ sind Sie und Ihre Mitstreiter mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet worden. Hat Sie der Erfolg überrascht?

Niehaus: Die Goldene Schallplatte kam überraschend für uns, weil ja der Markt für CDs eher kleiner geworden ist. Aber das Musical läuft seit 1999 richtig erfolgreich, halt als kleiner Tag, nicht aufdringlich und dafür rund um die Welt. Eine wunderbare Erfahrung hatten wir zu dritt bei der polnischen Uraufführung im Breslauer Staatstheater, das war schon eine sehr tiefe Völkerverständigung .

Gibt oder gab es weitere Musical-Projekte?

Niehaus: Das Musical „Das silberne Segel“ mit Stefan Gwildes, Uwe Ochsenknecht, Nina Hagen, Tim Mälzer und Annett Louisan erschien 2006, eine Abenteuer-Geschichte um einen Waisenjungen in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges.

Zur Musical-Premiere im Juni kommen Sie nach Warendorf. gibt es noch Verbindungen in Ihre Heimatstadt?

Niehaus: Die emotionale Verbindung mit Warendorf bleibt, meine drei Kinder waren als Kleinkinder große Fans von Mariä Himmelfahrt, das kannten sie aus dem protestantischen Norden nicht. Wir freuen uns weiter über jahrzehntelange Freundschaft mit den Familien Schneegans und Schnittger. Und ehemalige Mitschüler und Spielfreunde würde ich natürlich auch mal wieder gerne sehen.

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