Prävention von sexualisierter Gewalt im Sport
Zum Schutz der Kinder

Warendorf -

„Nein“, einen solchen Vorfall habe es bei der Warendorfer Sportunion noch nicht gegeben, sagt Präsident Ralf Sawukaytis. Dass sexualisierte Gewalt im Sport aber vorkommen kann, hat vor ein paar Jahren leidvoll ein Nachbarverein erfahren. Damit es bei der WSU nicht dazu kommt, unternimmt der Club nun Präventionsmaßnahmen.

Freitag, 13.05.2016, 05:00 Uhr aktualisiert: 13.05.2016, 09:39 Uhr
Um sexualisierter Gewalt im Verein vorzubeugen, lässt sich die Warendorfer Sportunion um Jugendleiter Tim Sawukaytis (von links), Vorsitzenden Christoph Schmitz und Präsident Ralf Sawukaytis bald von allen Trainern und Betreuern aus dem Jugendbereich sowie Vorstandsmitgliedern erweiterte polizeiliche Führungszeugnisse vorlegen.
Um sexualisierter Gewalt im Verein vorzubeugen, lässt sich die Warendorfer Sportunion um Jugendleiter Tim Sawukaytis (von links), Vorsitzenden Christoph Schmitz und Präsident Ralf Sawukaytis bald von allen Trainern und Betreuern aus dem Jugendbereich sowie Vorstandsmitgliedern erweiterte polizeiliche Führungszeugnisse vorlegen. Foto: Szybalski

Alle Trainer und Betreuer aus dem Jugendbereich sowie Vorstandsmitglieder – das sind insgesamt um die 280 bei der Sportunion – müssen demnächst ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen und einen Ehrenkodex unterschreiben.

Die Delegiertenversammlung der WSU hatte das so im vergangenen Jahr beschlossen. Sanfter Druck wird auch vom Kreissportbund ausgeübt, der Vereinen, die die Vorlage des Führungszeugnisses nicht einführen, die Fördermittel streicht. „Wir wollen das aber auch tun“, betont Jugendleiter Tim Sawukaytis .

Das Formular zur Anforderung eines erweiterten polizeilichen Führungszeugnisses liegt vor, auch der Ehrenkodex steht – trotzdem bleiben noch einige Fragen offen. Etwa, wo die Grenze liegt? Welche Vergehen veranlassen den Präsidenten und Vorsitzenden der WSU – die einzigen beiden, die die Führungszeugnisse einsehen werden – dazu, mit Trainern oder Betreuern nicht mehr weiter zu arbeiten? In welchem Jahresrhythmus wird das Führungszeugnis erneut überprüft?

Und wie hat sich ein Trainer zu verhalten, wenn die Kinder duschen. Lieber da bleiben und vielleicht als jemand verdächtigt werden, der nackten Kindern beim Duschen zuschaut? Oder den Raum verlassen und bei einem möglichen Unfall sich den Vorwurf gefallen lassen müssen, die Aufsichtpflicht verletzt zu haben?

Klar ist auf jeden Fall jetzt schon: Trainer, Betreuer oder Vorstandsmitglieder, die sich weigern, das erweiterte polizeiliche Führungszeugnis vorzulegen oder den Ehrenkodex zu unterschreiben, haben keine Zukunft im Verein. Ralf Sawukaytis : „Dann werden wir uns von ihnen trennen.“

Eine weitere Präventionsmaßnahme ist die Informationsveranstaltung mit Referent Klaus-Peter Uhlmann vom Landessportbund, der sich inhaltlich mit dem Thema „ Prävention und Intervention sexualisierter Gewalt im Sport“ auseinandersetzen wird. Eingeladen sind nicht nur sämtliche Trainer und Betreuer aus dem Jugendbereich sowie Vorstandsmitglieder der Sportunion, sondern ausdrücklich auch von anderen Vereinen aus der Umgebung.

Vertreter vom Landessportbund sollen den Warendorfern auch bei der Beantwortung der offenen Fragen helfen. Dass die Maßnahmen kein Allheilmittel sind, wissen die WSU-Verantwortlichen auch. Ralf Sawukaytis erinnert an den Fall Edathy, der SPD-Bundestagsabgeordnete war wegen des Besitzes kinderpornografischen Materials angeklagt. Er gab auch zu, verbotenes Material besessen zu haben, wurde aber nicht verurteilt. Edathy musste eine Geldstrafe zahlen, das Verfahren wurde eingestellt – ein Vermerk im polizeilichen Führungszeugnis gibt es deshalb nicht.

„Wir können den Menschen nur vor den Kopf gucken“, sagt Tim Sawukaytis. „Das Führungszeugnis ist auch immer nur eine Momentaufnahme. Alles in Zukunft können wir nicht kontrollieren.“ Mit dem Ehrenkodex, der Aussagen wie „Ich werde das Recht des mir anvertrauten Kindes, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf körperliche Unversehrtheit achten und keine Form der Gewalt, sei sie physischer, psychischer oder sexueller Art, ausüben“ enthält, wird vor allem an das Gewissen appelliert. Tim Sawukaytis: „Mit der Unterschrift verpflichtet sich jeder, sich an die Versprechen zu halten.“ Die Maßnahmen sind vielleicht kein Allheilmittel, aber ein Schritt in die richtige Richtung.

Für die Verantwortlichen der Warendorfer SU heißt das aber auch eine Menge Arbeit. Nachdem der Sammelantrag auf Austeilung der erweiterten polizeilichen Führungszeugnisse gestellt wird, werden Präsident Ralf Sawukaytis und Vorsitzender Christoph Schmitz die alle einsehen, sich eine Liste machen, welche sie wann gesehen haben, anschließend werden die Führungszeugnisse wieder ausgehändigt. Es wartet nicht wenig Arbeit, aber der Schutz der Kinder ist es wert.

Zum Thema

Die Informationsveranstaltung „Schweigen schützt die Falschen – Prävention und Intervention sexualisierter Gewalt im Sport“ mit Klaus-Peter Uhlmann findet am 11. Juni (Samstag) von 15 bis 18 Uhr im Kolpinghaus statt. Eingeladen sind neben den Trainern der WSU auch die der anderen Sportvereine.

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