Auf literarischer Spurensuche
Von der „Themse“ bis an die „Emse“

Warendorf -

Was auch immer in diesem Fall „Dichtung“, was „Wahrheit“ ist: Der Posthof ist einer der Orte in Warendorf, an denen große Literaten ihre Spuren hinterlassen haben. Auf diese Spuren führte Norbert Funken seine Gäste beim literarischen Stadtrundgang des Heimatvereins. Es sollte ein kritischer Rundgang werden, bei dem Funken auch die Unterschiede zwischen großer Literatur und Heimatdichtung verdeutlichte, indem er den ein oder anderen sperrigen Vers zum Besten gab. „Sie werden nicht glauben, was sich alles auf Themse reimt...“, sprach‘s und zitierte aus Christoph Bernhard Schlüters Hymne an – man kann es sich schon denken – die „Emse“.

Montag, 30.05.2016, 14:05 Uhr

Hommage an die Heimatstadt: Hubertus Janssen überraschte die Zuhörer mit einem Gruß des Schriftstellers Otto A. Böhmer an die Warendorfer.
Hommage an die Heimatstadt: Hubertus Janssen überraschte die Zuhörer mit einem Gruß des Schriftstellers Otto A. Böhmer an die Warendorfer. Foto: Wemhoff

War Goethe in Warendorf ? „Ziemlich sicher“, sagt Norbert Funken , schließlich sei sein Aufenthalt in der Fürstbischöflichen Poststation in der Oststraße durch Notizen von Goethes Diener belegt. Doch der Dichter selbst erwähnt die Stadt in seiner „Kampagne in Frankreich“ (1792) mit keinem Wort. Lag es daran, dass ihm die Warendorfer eine allzu „deftige Rechnung“ präsentierten? Oder hatte Goethe gar die Vorhänge zugezogen, als er mit der Kutsche in Warendorf einfuhr?

Immerhin erinnerten die Farben der Stadt an die französische Trikolore, und von der hatte der Dichterfürst nach der Niederlage gegen die Revolutionsarmee „die Schnauze gestrichen voll“.

Was auch immer in diesem Fall „Dichtung“, was „Wahrheit“ ist: Der Posthof ist einer der Orte in Warendorf, an denen große Literaten ihre Spuren hinterlassen haben. Auf diese Spuren führte Norbert Funken seine Gäste am Sonntag beim literarischen Stadtrundgang des Heimatvereins. Es sollte ein kritischer Rundgang werden, bei dem Funken auch die Unterschiede zwischen großer Literatur und Heimatdichtung verdeutlichte, indem er den ein oder anderen sperrigen Vers zum Besten gab.

„Sie werden nicht glauben, was sich alles auf Themse reimt...“, sprach‘s und zitierte aus Christoph Bernhard Schlüters Hymne an – man kann es sich schon denken – die „Emse“.

Schlüter, 1801 in Warendorf geboren, verfasste sage und schreibe 98 Sonette über seine Heimatstadt, von denen kaum eines veröffentlicht wurde. Dafür entdeckte er die Dichterin Annette von Droste Hülshoff, die den Philosophen liebevoll „mein Professorchen“ nannte. Ob die Droste den Schlüter in seinem Geburtshaus (In den Lampen 1) besucht hat? „Bestimmt“, glaubt Heimatvereins-Vorsitzende Mechtild Wolff.

Einer, der in der Riege der großen Schriftsteller nicht fehlen darf, ist Paul Schallück (1922-1976), zugleich auch ein großer Kritiker seiner Heimatstadt Warendorf. Eines von Schallücks Themen, die er in seinem Roman „Engelbert Reineke“ schildert: Die verdrängte Vergangenheit, die den „Traum von der Ordnung im Schatten des Kirchturms“ zu zerstören drohte.

Doch nicht jeder steht mit Warendorf derart auf Kriegsfuß. Eine Überraschung erlebten die Teilnehmer des Rundgangs, als der Dichter Hubertus Janssen die Grüße des in Warendorf aufgewachsenen Schriftstellers Otto A. Böhmer überbrachte. In einem Interview hatte Böhmer jüngst gesagt, er sehe Warendorf bis heute als seine „Heimatstadt“ an. Wenn das keine Hommage an die „Emse“, Entschuldigung, Emsstadt ist.

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