33. Bundestreffen der Reichenbacher in Warendorf
Liebe zur Heimat ist grenzenlos

Warendorf -

„In diesem Jahr jährt es sich zum 70. Mal, dass die Menschen aus Schlesien vertrieben wurden. Ihr gesamtes Hab und Gut haben sie damals verloren. Zu diesen Menschen gehörten auch meine Eltern und Großeltern“, erinnerte der Vorsitzende des Heimatbundes Kreis Reichenbach, Heinz Pieper, anlässlich des 33. Bundestreffens der Reichenbacher in Warendorf an die Ereignisse des Jahres 1946. Millionen Menschen aus den damaligen deutschen Ostgebieten waren ab 1945 geflohen oder vertrieben worden; Schlesien, Pommern und Ostpreußen wurden Teile Polens und der Sowjetunion. „Die Vertreibung hat meine Familie tief geprägt.“

Sonntag, 12.06.2016, 14:06 Uhr

Heinz Pieper  überreichte Bozena Olejniczak zum Dank für die gute Zusammenarbeit ein Präsent.
Heinz Pieper  überreichte Bozena Olejniczak zum Dank für die gute Zusammenarbeit ein Präsent. Foto: Irmler

Die Treffen vertriebener Schlesier in Warendorf haben eine lange Tradition. Bereits in den 1950er Jahren kamen Tausende Reichenbacher auf dem Marktplatz zusammen. Am vergangenen Wochenende fand das bereits 33. Bundestreffen im Emshof statt. „In diesem Jahr jährt es sich zum 70. Mal, dass die Menschen aus Schlesien vertrieben wurden. Ihr gesamtes Hab und Gut haben sie damals verloren. Zu diesen Menschen gehörten auch meine Eltern und Großeltern“, erinnerte der Vorsitzende des Heimatbundes Kreis Reichenbach , Heinz Pieper , an die Ereignisse des Jahres 1946. Millionen Menschen aus den damaligen deutschen Ostgebieten waren ab 1945 geflohen oder vertrieben worden; Schlesien, Pommern und Ostpreußen wurden Teile Polens und der Sowjetunion. „Die Vertreibung hat meine Familie tief geprägt.“ Man wolle an die Schicksale der damals Vertriebenen erinnern, aber auch einen Bogen in die Gegenwart schlagen, so Pieper. Das mache vor allem die Kooperation mit dem polnischen Verein „Kraina Sudecka“ deutlich. Dieser hat das touristische Potenzial der Region erkannt und bietet private Übernachtungsmöglichkeiten an. „Alte und neue Bewohner setzen sich gemeinsam für das wunderschöne Schlesien ein“, so die zentrale Botschaft. Zu Mariä Himmelfahrt im kommenden Jahr erwarte man die polnischen Gäste, erläuterte Pieper.

An eine Rückkehr in die alte Heimat östlich der Oder-Neiße-Linie denke heute kaum noch jemand, ist sich Pieper sicher. „Nein, dafür ist es auch schon zu lange her. Viele waren Kinder, als sie hierher kamen. Sie haben hier eine neue Heimat gefunden.“

Heute stehe eindeutig die europäische Perspektive im Mittelpunkt. Daher freue es ihn umso mehr, dass sich vermehrt jüngere Menschen aus beiden Nationen für die Geschichte Schlesiens interessierten.

Am Treffen der Schlesier nahm auch die Vorsitzende des Vereins „Kraina Sudecka“, Bozena Olejniczak , teil. „Wir möchten, dass unsere gemeinsame Arbeit weitergeht und wächst. Wir wissen, dass die Liebe zur Heimat ohne Grenzen ist“, machte Olejniczak am Sonntag deutlich.

Warendorfs stellvertretende Bürgermeisterin Doris Kaiser hob die besondere Verbindung zwischen der Emsstadt und den Reichenbachern hervor. „Die Stadt Warendorf hat als eine der ersten Städte 1952 die Patenschaft über Reichenbach übernommen und den Menschen eine neue Heimat gegeben.“ Der Begriff „Heimat“ sei nur schwer zu greifen. Es sei mehr als nur ein Ort oder ein Gefühl. „Heimat sind die Wurzeln. Zur Heimat gehört auch die Erinnerung, aber eben auch die Zukunft. Solange die Heimat da ist, spürt man sie kaum. Wie gute Luft, die man atmet und für selbstverständlich hält. Erst wenn beides fehlt, erkennt man den Wert.“

Abschließend richtete Doris Kaiser den Blick nach vorn. „Für die Zukunft wünschen wir uns, dass Europas Offenheit standfest genug ist, damit die Werte wie Heimatverbundenheit, Brauchtum, Tradition und Sprache nicht für Machtausübung und Willkür missbraucht werden, sondern die Menschen und Gesellschaften bereichern. In Warendorf ist es uns wichtig, dass die Aufmerksamkeit für den Heimatbund bestehen bleibt und weiter ein Beitrag zur Versöhnung und der friedlichen Aufarbeitung der Geschichte geleistet werden kann.“

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