Festnahme vor dem Kreishaus
IS-Kämpfer arbeitete bei Horizonte

Warendorf -

Der mutmaßliche IS-Kämpfer, der am Dienstag von einer Spezialeinheit am Kreishaus festgenommen worden war, hat als Ein-Euro-Jobber bei "Horizonte" in Ennigerloh gearbeitet.

Donnerstag, 23.06.2016, 11:06 Uhr

Am Dienstag griff die Spezialeinheit GSG 9 zu: Am Kreishaus verhaftete sie den 30-jährigen Tadschiken Mukhamadsaid S., der mutmaßliches Mitglied der terroristischen Vereinigung „Islamischer Staat“ (IS) ist. Fast zeitgleich wurde die Wohnung des Verdächtigten in Ennigerloh durchsucht und Beweismaterial (Computer und Zubehör) sichergestellt. Seit dem 10. Juni lag der Bundesanwaltschaft ein Haftbefehl des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshof vor.

Der Festgenommene arbeitete seit November vergangenen Jahres als Ein-Euro-Jobber bei Horizonte (Arbeitsförderung und Integration) in Ennigerloh. Dort sei er laut Geschäftsführer Ralf Thorwirth völlig unauffällig gewesen. „Er war vom Ausländeramt zu uns vermittelt worden, sprach gut deutsch. Er war sehr zuverlässig und fleißig und hatte ein völlig unauffällig Sozialverhalten.“ Der Festgenommene arbeitete in der Fahrradwerkstatt. Dort war man mit seiner Arbeit sehr zufrieden. „Zu keinem Zeitpunkt haben wir uns bedroht gefühlt“. Die Festnahme hat Thorwirth zwar nicht geschockt, wohl aber überrascht. „Wenn man sich näher mit der Thematik beschäftigt, muss einem klar sein, dass nicht alle Asylbewerber eine einwandfreie Vergangenheit haben.“

Die Kripo sei nach der Festnahme am Arbeitsplatz gewesen, so Thorwirth, und habe das Spind des 30-jährigen Tadschiken nach Kontaktdaten und Arbeitsmaterial durchsucht – gefunden worden sei jedoch nichts.

Der Festgenommene stammt aus Tadschikistan und war im September 2015 zum zweiten Mal nach Deutschland eingereist. Er stellte einen Asylfolgeantrag und lebte mit seiner Familie in Ennigerloh. Die beiden Kinder werden durch das Jugendamt des Kreises betreut. Nach Informationen unserer Zeitung soll die Frau, die hochschwangere ist, zum Zeitpunkt der Stürmung nicht in der Wohnung gewesen sein. Denn sie befindet sich zurzeit in einem Krankenhaus im Kreis Warendorf.

Laut Bundesanwaltschaft wird der Beschuldigte dringend verdächtigt, sich von April bis September vergangenen Jahres der terroristischen Vereinigung IS angeschlossen zu haben. Er soll Mitte April 2015 von Tadschikistan über die Türkei nach Syrien gereist sein. Er sei, so der Vorwurf, in Videobotschaften aufgetreten und habe darin vornehmlich tadschikische Landsleute aufgerufen, in das „Herrschaftsgebiet“ des sogenannten Islamischen Staates zu reisen, um für die Terrororganisation zu kämpfen. Spätestens Anfang September 2015, so der Generalbundesanwalt, reiste der 30-Jährige aus Syrien aus und kam nach Deutschland. Der Beschuldigte wurde am Mittwoch dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt; seitdem sitzt der Terrorverdächtige in Untersuchungshaft.

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