Strafanzeige wegen Verleumdung nach Vorwurf sexueller Kontakte zu Flüchtlingen
Beziehungsstress belastet DRK

Warendorf -

In einem anonymen Schreiben wurden DRK-Mitarbeitern sexuelle Kontakte zu Kollegen und Flüchtlingen in der Notunterkunft in der Miele­straße unterstellt. Diese Mail war an die Geschäftsführung des DRK Warendorf, an den Landrat, die Bezirksregierung und die Medien gerichtet. Jetzt geht das DRK in die Offensive.

Dienstag, 02.08.2016, 18:08 Uhr

Massive Vorwürfe, wonach es in einer ihrer Flüchtlingsunterkünfte wiederholt zu sexuellen Handlungen sowohl zwischen Flüchtlingshelfern und Flüchtlingen als auch unter den DRK-Mitarbeitern gekommen sei, nahm die DRK-Geschäftsführung gestern zum Anlass, in die Offensive zu gehen. Geschäftsführer Jens Peters bezeichnete die Vorwürfe als „haltlos“ und bescheinigte seinen Mitarbeitern die „erforderliche professionelle Distanz“.

Zu keinem Zeitpunkt hätten sich Flüchtlinge bei ihm beschwert. Nach internen Untersuchungen, Gesprächen mit den Mitarbeitern, dem Betriebsrat und dem Sicherdienst der Einrichtung könne er sexuelle Kontakte zwischen DRK-Mitarbeitern und Flüchtlingen in der Einrichtung ausschließen.

Allerdings gebe es privaten Beziehungsstress zwischen zwei Mitarbeitern und deren offenbar gekränkten Lebenspartnern, der seit März „von außen“ in das DRK hineingetragen werde und den guten Ruf des DRK schädige. Hubert Lehmkühler: „Das ist eine persönliche Beziehungskiste. Für uns gilt das Persönlichkeitsrecht, die sexuelle Selbstbestimmung.“ Weder straf- noch arbeitsrechtlich könne man den betroffenen Mitarbeitern Verfehlungen vorwerfen. Sie seien daher auch weiterhin beim DRK beschäftigt. „Und die moralische Bewertung“, so Lehmkühler, „ist nicht unsere Aufgabe.“

Zum Hintergrund: In einem anonymen Schreiben wurden DRK-Mitarbeitern sexuelle Kontakte zu Kollegen und Flüchtlingen in der Notunterkunft in der Miele­straße unterstellt. Diese Mail war an die Geschäftsführung des DRK Warendorf , an den Landrat, die Bezirksregierung und die Medien gerichtet.

Die DRK-Geschäftsführung mit Geschäftsführer Jens Peters, dem DRK-Vorsitzenden Hubert Lehmkühler, dem 2. Vorsitzenden Freiherr Friedrich Spies von Büllesheim, Schatzmeister Heinz Reifert und Klaus Ermeling, Notar und Fachanwalt für Arbeitsrecht, stellte klar: „Wir haben Strafanzeige gestellt wegen Verleumdung, falscher Verdächtigung und übler Nachrede.“ Die Staatsanwaltschaft sei eingeschaltet, um die Adresse des anonymen Email-Schreibers zu ermitteln.

DRK-Ortsvereinsvorsitzender Hubert Lehmkühler: „Hier wird der gute Ruf des DRK geschädigt. Die monatelange Arbeit, die wichtig und erfolgreich war, wird zerstört. Das ist sehr traurig.“

Der DRK-Ortsverein betreut zurzeit noch drei Notunterkünfte in Warendorf (Hermannstraße, Mielestraße und Dr.-Rau-Allee) – Einrichtungen des Landes, die von der Bezirksregierung Münster eingerichtet und zum 31. Oktober diesen Jahres aufgelöst werden.

Aktuell werden 359 Flüchtlinge in allen drei Einrichtungen betreut. Die erste Notunterkunft (Hermannstraße) ging am 19. August 2015 in Betrieb. Damals stellte das DRK in kurzer Zeit 70 Mitarbeiter mit und ohne Migrationshintergrund als Flüchtlingshelfer ein.

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