Nachbarschaft schaut hinter die Kulissen des Theaters am Wall
Vom Kino zum Theater

Warendorf -

Was heute wie selbstverständlich als Theater wahrgenommen werde, ist ursprünglich ein Kino gewesen. „Kino ist in Warendorf mit dem Namen Sparenberg verbunden.“ Es war Theodor Sparenberg, der 1950 den Bau des modernen Gebäudes mit 600 Plätzen vorantrieb. Bereits 1921 hatte er in der Oststraße erste Filmvorführungen angeboten. Ein „genialer Schachzug“ der damaligen Stadtverwaltung habe zum Erfolg des Hauses beigetragen, so André Auer vom Warendorfer Stadtmarketing.

Donnerstag, 03.11.2016, 11:11 Uhr

André Auer (3. v. r.) gewährte den Besuchern aus dem Wohngebiet Düsternstraße/Diekamp einen Blick hinter die Kulissen des Theaters am Wall.
André Auer (3. v. r.) gewährte den Besuchern aus dem Wohngebiet Düsternstraße/Diekamp einen Blick hinter die Kulissen des Theaters am Wall. Foto: Irmler

Es waren seltene Einblicke, die André Auer seinen über 40 Zuhörern gewährte. Die Fördergemeinschaft des Wohngebietes Düsternstraße/Diekamp hatte mit dem zweiten Vorsitzenden des Vereins Theater am Wall einen spannenden Herbstnachmittag erarbeitet. Natürlich kannten die Gäste den großen Saal des Hauses und das Foyer. Doch Auer gewährte ihnen ebenso Zutritt zu jenen Bereichen, die ansonsten nur Schauspielern und Mitarbeitern offen stehen.

So ging es zunächst in den historischen Filmvorführraum. Ursprünglich standen hier zwei große Projektoren, die die 35 Millimeterfilme abspielten. „Auf einer Rolle befinden sich 600 Meter Film, was in etwa 20 Minuten entspricht.“ Die Aufgabe des Filmvorführers sei durchaus fordernd gewesen, so Auer. „Er musste im richtigen Moment von einem Projektor auf den anderen wechseln. Sie müssen dabei aber bedenken: als Kinobesucher sehen Sie den Film einmal, er sah ihn zum vielleicht zehnten Mal. Da muss man dann schon voll bei der Sache sein.“

Vielleicht bestehe ja ein Zusammenhang zwischen dessen Tätigkeit und der Redensart vom „fallenden Groschen“. „Man steckte eine Münze in die Rolle. Und zwar kurz vor dem anstehenden Rollenwechsel. So wurde der Mitarbeiter im letzten Moment erinnert.“ Seit einigen Jahren sind diese nostalgischen Zeiten jedoch vorbei. Mittlerweile werden bei den relativ seltenen Filmvorführungen nur noch digitale Werke angeliefert und über moderne Geräte präsentiert.

Am Sonntag lief jedoch noch einmal eine Wochenschau aus dem Jahr 1966 als klassischer 35 Millimeterfilm. Weitere Stationen bei der rund einstündigen Hausführung der besonderen Art waren der Keller, die Technikräume oder auch ein Abstecher auf die eigentlich nur den Künstlern vorbehaltene Bühne.

Zudem rief Auer die Geschichte des TaW ins Gedächtnis. Was heute wie selbstverständlich als Theater wahrgenommen werde, ist ursprünglich ein Kino gewesen. „Kino ist in Warendorf mit dem Namen Sparenberg verbunden.“ Es war Theodor Sparenberg, der 1950 den Bau des modernen Gebäudes mit 600 Plätzen vorantrieb. Bereits 1921 hatte er in der Oststraße erste Filmvorführungen angeboten. Ein „genialer Schachzug“ der damaligen Stadtverwaltung habe zum Erfolg des Hauses beigetragen, so Auer. Demnach stellte die Stadt beim Verkauf des Grundstücks die Bedingung, im zu errichtenden Gebäude einen Orchestergraben und eine Bühne zu installieren. Nach nur dreimonatiger Bauzeit feierte man am 9. November 1950 die feierliche Eröffnung.

„Wenn die Menschen bewegte Bilder und Nachrichten sehen wollten, mussten sie ins Kino gehen.“ Allerdings wendete sich in den 1960ern das Blatt. „Durch das Aufkommen des Fernsehens verlor das Kino dramatisch an Zuschauern.“ 1986 zählten die Verantwortlichen nur noch 17 000 Besucher, weshalb das traditionelle Angebot aufgegeben werden musste. Doch dank des „genialen Schachzugs“ von 1950 konnte das seit 1991 unter Denkmalschutz stehende TaW als reines Theater genutzt werden.

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