Pianist Gustav Piekut begeistert
Anspruchsvoll und brillant

Warendorf -

Mit der Verpflichtung des jungen dänischen Pianisten Gustav Piekut für einen Klavierabend in der Christuskirche ist der Konzertagentur Martin Müller aus Ostenfelde ein absoluter Treffer gelungen.

Sonntag, 06.11.2016, 18:11 Uhr

Der dänische Pianist Gustav Piekut überzeugte.
Der dänische Pianist Gustav Piekut überzeugte. Foto: Schlosser

In der voll besetzten Christuskirche konnte Pfarrer Herwig Behring am Freitagabend diesen bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Künstler begrüßen und dem Publikum einen außergewöhnlichen Klavierabend versprechen. Auch Volker Hedrich vom Verein „Freunde und Förderer der Christuskirche Warendorf “ sowie die stellvertretende Bürgermeisterin Doris Kaiser sprachen Grußworte. Einmal mehr erwies sich die Institution „Klavierkonzerte in der Christuskirche“ als eine Erfolgsmarke, die sich im Warendorfer Kulturleben inzwischen einen festen Platz in der obersten Liga erworben hat.

Martin Müller, der auch Presbyter und Kirchmeister der evangelischen Kirchengemeinde ist, führte sachkundig durch das Programm mit zwei musikalischen „Schwergewichten“: im ersten Teil sieben Préludes von Claude Debussy aus den Jahren 1909 bis 1913 sowie „L‘Isle joyeuse“ von 1904, im zweiten Teil die „33 Variationen über einen Walzer von Diabelli“ op. 120, dem letzten großen Klavierwerk Ludwig van Beethovens , fertiggestellt 1823. Alles ungemein anspruchsvolle Werke mit höchsten Anforderungen an den Pianisten.

Einige der Préludes konnte man passend zur Jahreszeit durchaus als „herbstliche“ Stimmungsbilder verstehen wie die „Feuilles mortes“ (Welke Blätter) oder auch „La Cathédrale engloutie“ (Die versunke Kathedrale). Gustav Piekut verstand es, die große musikalische Farbpalette des impressionistischen „Malers“ Debussy fein differenziert und nuanciert einzusetzen. Mit perfekter Anschlagstechnik brachte er die Vielfalt der unterschiedlichsten Klangbilder brillant zum Leuchten. Schwerelos ließ er die Töne perlen, flirren und schwirren, immer mit scheinbarer Leichtigkeit, zuweilen mit atemberaubender Geschwindigkeit - die „Schule der Geläufigkeit“ hat Piekut offensichtlich mit Bravour absolviert. Zart und einfühlsam erklang „Canope“, entsprechend der Anweisung des Komponisten „Très calme et doucement triste“ (Sehr ruhig und süß traurig) Aber auch mit zupackender Wucht und starkem Ausdruck konnte Pikut überzeugen, wie etwa mit „Feux d‘artifice“, mit dem er ein wahres Feuerwerk abbrennen konnte.

Nach der Pause dann das andere „Schwergewicht“: die Diabelli-Variationen op. 120 von Ludwig van Beethoven. Sie stehen in einer Reihe mit Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen, den Händel-Variationen von Johannes Brahms und Max Regers Bach-Variationen. Auf einen schlichten Ländler von Anton Diabelli schrieb Beethoven 33 Variationen und schuf damit ein Werk, das der große Hans von Bülow schwärmerisch als einen „Mikrokosmos des Beethovenschen Genius, ja sogar ein Abbild der ganzen Tonwelt“ bezeichnete. In der Tat entfaltet Beethoven in diesem kolossalen Werk die ganze Spannbreite seiner Kompositionskunst und stößt zugleich an die Grenzen der klassischen Musik schlechthin, ja überschreitet sie eigentlich schon. Trotz einer Spieldauer von etwa einer Stunde war dem Pianisten kein Nachlassen der Konzentration anzumerken. Bis zum Ende war Piekut absolut präsent. Dabei spielte er alles – wie vorher auch schon die „Préludes“ von Debussy – auswendig. Das Konzert dauerte insgesamt gut zwei Stunden, die Pause nicht mitgerechnet. Für den Pianisten insgesamt eine gewaltige Aufgabe, die der 21-jährige Piekut aber mit großer Souveränität meisterte. Die Welt wird von diesem hoffnungsvollen dänischen Nachwuchstalent sicherlich noch einiges hören.

Das begeisterte Publikum dankte mit tosendem Applaus. Gustav Piekut verabschiedete sich mit dem 1. Satz, dem „Allegro“, aus der Klaviersonate Nr. 1 f-moll op. 2.1, einem Frühwerk Beethovens.

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