Erinnerungsprojekt
Sechs neue Stolpersteine

Warendorf/Hoetmar -

23 Stolpersteine in Warendorf und acht in Freckenhorst gibt es bereits. Sie sollen an die Warendorfer Opfer des nationalsozialistischen Terrorregimes zwischen 1933 und 1945 erinnern. Im Dezember kommen jetzt weitere Stolpersteine hinzu – fünf in Warendorf und erstmals einer in Hoetmar. Am 15. Dezember (Donnerstag) wird der Künstler Gunter Demnig, Schöpfer des Erinnerungsprojektes, die Steine verlegen.

Montag, 07.11.2016, 21:11 Uhr

Laurenz Sandmann (Altstadtfreunde) und Matthias M. Ester (Sprecher der Stolperstein-Initiative) zeigen hier schon verlegte Stolpersteine in der Münsterstraße.
Laurenz Sandmann (Altstadtfreunde) und Matthias M. Ester (Sprecher der Stolperstein-Initiative) zeigen hier schon verlegte Stolpersteine in der Münsterstraße. Foto: Wiening

Erinnert wird zum ersten Mal auch an nicht-jüdische Opfer der Nationalsozialisten. So werden in der Oststraße 33 drei Steine für Max, Ida und Ruth Jeremias verlegt. Max und Ida wurde 1937 im Amtsgericht in der Gerichtsfuhlke der Prozess gemacht. Weil sie Zeugen Jehovas waren. Nach dem Prozess begann eine Art Jagd auf die beiden Warendorfer. Max starb 1940 im Konzentrationslager Sachsenhausen, Ida überlebte mehrere Konzentrationslager und die Zwangsarbeit. Sie verstarb in den 1950er-Jahren. Tochter Ruth, die damals der Familie entrissen wurde, starb 2006.

Zwei weitere Stolpersteine werden an der Gerichtsfuhlke 8 verlegt. Hier erinnert man an Berta Samuel und ihre Tochter Juliane Samuel. Die Jüdinnen wurden beide von den Nazis getötet.

Der sechste Stolperstein wird in Hoetmar einen Platz finden. Mit ihm gedenkt man August Wessings. Der katholische Priester wurde 1942 wegen „Feindbegünstigung“ verhaftet und starb 1945 kurz vor der Befreiung des Konzentrationslagers in Dachau. Die Verlegungen der Stolpersteine werden von verschiedensten Gruppen und Menschen begleitet. Geschichtskurse des Mariengymnasiums werden die Prozessprotokolle der Verhandlung gegen die Jeremias verlesen. Außerdem werden Mitglieder der Zeugen Jehovas erwartet. In Hoetmar übernehmen die Pfarrgemeinde und die Dechant-August-Wessing-Grundschule eine Patenschaft. „Wir bekommen immer eine super Unterstützung aus der Gesellschaft. Noch nie gab es bei uns Probleme bei der Verlegung der Stolpersteine“, berichten Laurenz Sandmann (Altstadtfreunde und Matthias M. Ester (Sprecher der Stolperstein-Iinitiative). „Das Schöne an den Steinen ist, dass man immer auf Menschen und Geschichten trifft, die in anderen Erinnerungskulturen oft vergessen werden“, erzählt Ester. Auch deshalb wird weiter in den Archiven geforscht – damit das dezentrale Denkmal immer erweitert werden kann und an die Opfer der Nazi-Zeit erinnert wird.

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