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WARENDORF -

Weihnachtliche Dekoration ohne Kitsch ist die Pflicht zur alljährlichen Kür, im Advent feierlich die Wohnstuben zu schmücken. Selbst gemacht und wunderbar um die Ecke gedacht zeigt eine Deutsch-Spanierin in Warendorf wie man aus traditionellen Liedtexten feinsinnigen Deko-Schmuck macht. Mitten in der Altstadt. Ein angenehmer Kontrast zu manch überfrachteter Fensterdeko.

Freitag, 09.12.2016, 21:12 Uhr

Musikalisch hat Maria Cristina Costas Rodríguez die Fenster ihres Hauses dekoriert..
Musikalisch hat Maria Cristina Costas Rodríguez die Fenster ihres Hauses dekoriert.. Foto: Peter Sauer

Mit Bräuchen und Ritualen kennt sich Maria Cristina Costas Rodríguez . Die Deutsch-Spanierin ist Magistra Artium in Europäischer Ethnologie, der spanischen Philogie und Geschichte. Volkskunde. In ihrer Abschlussarbeit an der Uni Münster ging es um die Johannisnacht in Galicien im Nordwesten Spaniens . Daher stammt ihre Familie. In der Adventszeit 2016 beschäftigt sie sich – nun ganz privat – mit dem Musikritual der Weihnachtslieder. Und zwar äußerst kreativ. Nicht zwischen zwei Buchdecken, sondern auf den Fensterscheiben ihrer Wohnung in der Altstadt.

Aus bekannten Weihnachtsliedern sammelte die Mutter zweier Söhne zentrale Adjektive und Adverbien. Pro Fenster klebte sie immer ein anderes Wort auf weißes Papier, stets in unterschiedlichen Schriftzügen, versehen mit stimmungsvollen Piktogrammen. So zieren viele kleine Sternlein das „Wort-Fenster“ zu „auserkorn“ und zu „still“ gibt es einen harmonisch zusammengewachsenen Blumenring während „gnadenbringend“ fast wie ein Stempel wirkt auf einem behördlichen Formular. Solche Motive wirken poetisch und entschleunigend und regen gleichermaßen zum Nachdenken an, über das, was zu Weihnachten eigentlich besungen wird.

In Spanien kommen die Geschenke nach alter Tradition übrigens nicht Heiligabend durchs Christkind. Sie werden eher am Heilige-Drei-Königs-Tag (6. Januar) gebracht. Von den Heiligen Drei Königen, die auf Kamelen erwartet werden.

Daher stehen bereits am Vorabend (5. Januar) Becher mit Wasser zur Stärkung der Kamele und Plätzchen für die Könige auf den Fensterbänken der Häuser. Auch bei Costas Rodríguez in Warendorf. „Mancherorts in Spanien steht sogar ein Gläschen Brandy bereit. Aber nicht bei uns“, grinst die Warendorferin.

An Heiligabend genießt ihr Mann Daniel die deutsch-spanische Kultur in vollen Zügen: „Es gibt zweimal lecker etwas zu essen.“ Aus der deutschen Küche von Daniels Eltern kommt gegen 18 Uhr Gulasch: „Mal vom Hirsch, von der Gans oder vom Reh, dazu gibt es Klöße.“

Und was gibt es nun aus der spanischen Küche? „Gambas in Knoblauch“ sind auf jeden Fall jedes Jahr gesetzt. Das macht Maria Cristinas Mutter. Serviert werden sie gegen 21 Uhr. Wie in ihrer spanischen Heimat. Ihre andere große Leidenschaft ist übrigens der Flamenco. Seit ihrem achten Lebensjahr tanzt sie ihn. Bis ihre beiden Jungs auf die Welt kamen brachte die Spanierin Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen den Flamenco bei.

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