Christophorus-Jugendkammerchor
Mit „Yesterday“ in die Endrunde

Milte/Versmold -

Er gehört schon jetzt zu den besten Chören im Westen, der Christophorus-Jugendkammerchor aus Versmold mit seinem Dirigenten, dem Milter Hans-Ulrich Henning. Am Freitag steht der Chor im Finale des WDR-Wettbewerbs „Der beste Chor im Westen“.

Dienstag, 13.12.2016, 23:12 Uhr

Auf die nächsten Auftritte bereitete sich der Christophorus-Jugendkammerchor mit seinem Dirigenten Hans-Ulrich Henning auch am Montagnachmittag im Musikraum der des CJD-Gymnasiums in Versmold vor.
Auf die nächsten Auftritte bereitete sich der Christophorus-Jugendkammerchor mit seinem Dirigenten Hans-Ulrich Henning auch am Montagnachmittag im Musikraum der des CJD-Gymnasiums in Versmold vor. Foto: Brocker

Wie Robbie Williams ein bisschen mit dem Po zur wackeln und dazu Pop-Songs zu intonieren – nein, das ist nicht die Welt des Hans-Ulrich Henning . Seit der in Milte lebende Musikpädagoge 1979 den Versmolder Christophorus-Jugendkammerchor aus der Taufe gehoben hat, predigt er seinen Schützlingen vor allem eines: „Wir wollen das kulturelle Gedächtnis bewahren.“ Und so hat sich der Chor, der sich in dieser Woche auf zwei höchst unterschiedliche Konzerte vorbereitet, nicht etwa der leichten Muse, sondern dem anspruchsvollen, dem klassischen Chorgesang verschrieben.

In einem Konzert mit dem Männergesangverein Germania Concordia in Dissen am Sonntag werden die zwölf-bis 18-jährigen Schüler vor allem sakrale und säkulare Chorwerke zum Vortrag bringen, darunter ein Werk Sergei Rachmaninoffs. Dessen eindrucksvolle Interpretation lässt den Zuhörer während der Probe am Montagnachmittag glatt vergessen, dass er nicht etwa in einem Kirchenschiff sitzt, sondern „nur“ in einem Chorsaal.

Um diesen dürften Henning allerdings viele Chorleiter-Kollegen glühend beneiden. Der großzügig wirkende Saal, in dem sich die Schüler aller Altersstufen nach sechsstündigem regulärem Unterricht zum gemeinschaftlichen Singen versammeln, ist Herzstück des musischen Zentrums der CJD Jugenddorf-ChristophorusSchule Versmold . Im Mittelpunkt der schulischen Ausbildung des Trägers „Christliches Jugenddorfwerk Deutschlands“ stehe die „Kernkompetenz Musische Bildung“, erläutert Henning.

Folgerichtig probt der Chor – äußerst diszipliniert – sechs Stunden pro Woche, außerdem kommen die Sängerinnen und Sänger bei Gesangspädagogin Sibylle Henning, Ehefrau des Chorleiters, in den Genuss professioneller Stimmbildung. Die Bedingungen sind also optimal.

Da verwundert es nicht, dass der Chor mit schöner Regelmäßigkeit erste Preise bei nationalen und internationalen Wettbewerben gewinnt. Gerade erst ersang er sich einen ersten Platz „with excellent success“ beim „Summa Cum Laude International Youth Music Festival Vienna“ in Wien. Und am Freitag erreichte er das Finale im WDR-Wettbewerb „Der beste Chor im Westen“.

Nachdem ihr Mann die Wettbewerbsausschreibung im Internet gelesen habe, sei er der Meinung gewesen: „Der beste Chor im Westen, das sind wir.“ Und obwohl die Ausschreibung ausdrücklich an Erwachsene adressiert war, bewarb er sich mit seinem Christophorus-Jugendkammerchor. Und durfte teilnehmen. Vielleicht auch, weil der WDR aufgrund seiner langjährigen Zusammenarbeit mit den Versmoldern bei Jazzchor-Uraufführungen und Weihnachtskonzerten um die Qualitäten dieses Chores weiß.

Das Ehepaar Henning wählte für die Teilnahme am Wettbewerb aus den zurzeit 58 Sängern die 39 routiniertesten aus. Der Jüngste ist Maximilian. „Er ist wohl ein Naturtalent“, kommentiert Sibylle Henning die Leistung des Zwölfjährigen, der im Halbfinale, in dem der Chor mit einer modernen Interpretation des Beatles-Klassikers „Yesterday“ brillierte, als Solist hervortrat und sowohl das Publikum wie auch die dreiköpfige Jury überzeugte. Da hatte Coach Giovanni Zarella, einst Sänger bei Bro‘Sis, der mit dem Chor die Performance einstudiert hatte, offenbar einen guten Riecher gehabt.

Seinen Vorschlag, das Bühnen-Outfit (lange blaue Röcke, schwarze Blusen, schwarze Hosen, blaue Hemden) zugunsten modernerer Kleidung zu tauschen, fand „Chor-Papa“ Hans-Ulrich Henning weniger prickelnd.

Er trug es mit Fassung, kündigt aber an, dass sein Chor im Finale zumindest beim Vortrag des Kirchenliedes „In dulci jubilo“ die „alte“ Chorkleidung tragen werde. Sie sei schließlich einmal ganz bewusst gewählt worden, auch mit Blick auf die Anlässe und die häufig sakralen Veranstaltungsräume. Für einen zweiten Beitrag, einen argentinischen Tango, werden sich die Sängerinnen und Sänger dann aber noch einmal umziehen. Das Publikum darf gespannt sein und gerne für den Christophorus-Jugendkammerchor abstimmen.

Im Finale des Wettbewerbs „Der beste Chor im Westen“, das am Freitag (16. Dezember) ab 20.15 Uhr im WDR vergeben wird, vergibt ausschließlich das Publikum die Stimmen. Der Mediziner-Chor, der das Finale nicht erreichte, will dem Chor aus Versmold die Daumen drücken und ließ die Sänger wissen: „Wir finden euch richtig gut.“

Dass ihr Chor das Finale gewinnt, glauben die Hennings nicht. Das sei aber auch nicht wichtig, finden die beiden. Was wirklich zähle seien die vielen neuen Eindrücke und Erfahrungen für den Chor, der auf jeden Fall schon jetzt zu den besten Chören im Westen gehört.

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