Krippkesbekieken mit dem Heimatverein
Das Jesuskind in die Wanne gesteckt

Freckenhorst/Hoetmar -

„Das war jetzt wirklich Weihnachten“, stellte eine Teilnehmerin des vom Heimatverein organisierten „Krippkesbekieken“ am Donnerstagabend auf der urigen Diele des Hofes Schulze Schleppinghoff in Gronhorst zufrieden fest. Ein Gefühl, das vermutlich auch alle anderen teilten, die sich in angenehmer Gesellschaft am prasselnden Herdfeuer, bei wärmendem Glühwein, Holunder-Glühpunsch und belegten Broten über das zuvor Gesehene – und gewiss auch über die kleinen und großen Ereignisse des zur Neige gehenden Jahres – austauschten und so gar keine Anstalten machten, nach Hause zu fahren.

Freitag, 30.12.2016, 22:12 Uhr

Beeindruckend ist die „Problemkrippe“ in St. Lambertus. Als sie vor rund 40 Jahren angeschafft wurde, gefiel sie den älteren Hoetmarern überhaupt nicht. Sie monierten das Fehlen der Hirten. Inzwischen ist die Kritik weitgehend verstummt.
Beeindruckend ist die „Problemkrippe“ in St. Lambertus. Als sie vor rund 40 Jahren angeschafft wurde, gefiel sie den älteren Hoetmarern überhaupt nicht. Sie monierten das Fehlen der Hirten. Inzwischen ist die Kritik weitgehend verstummt. Foto: Brocker

Auf dem Stiftsmarkt hatte Wilma Richter am Nachmittag eine große Gruppe begrüßt, die dann, verteilt auf Fahrgemeinschaften, die Krippen in der Flintruper Kapelle, in der Buddenbaum-Kapelle und in St. Lambertus, Hoetmar, ansteuerte.

In Flintrup nahmen Änne Friehe und August Finkenbrink die Besucher in Empfang. Die beiden gehören zu den 13 Familien, die sich die Pflege der 1980 von Grund auf renovierten, inzwischen 116 Jahre alten Kapelle teilen. Für den Aufbau der Krippe sei einst Tante Mia zuständig gewesen, berichtete Änne Friehe. Später habe sie diese Aufgabe übernommen, die Gipsfiguren vom Balken geschleppt und aufgestellt. Einmal, als die Figuren gar zu staubig waren, habe sie das Jesuskind und alle anderen sogar in die Badewanne gesteckt.

Weil auch das heißeste Bad bei kleinen Blessuren nicht hilft, ersetzte die Kapellengemeinschaft, die inzwischen Vereinsstatus hat, die angestoßenen Gipsfiguren vor etwa drei Jahren mit Hilfe von Spendengeldern durch Lindenholz-Figuren des Krippen-Bildhauers Vielstädte aus Herzebrock-Clarholz. Dass die heiligen drei König nebst Kamel bereits „in Lauerstellung“ unter dem von Graf Westerholt gespendeten Tannenbaum standen, hatte einen simplen Grund: „Wenn Ihr uns schon besuchen kommt“, so Finkenbrink, „müsst Ihr auch alles sehen.“

Den eindrucksvollen Sonnenuntergang über Flintrup genießend, setzten die Teilnehmer der kleinen Rundfahrt ihre Reise fort. Nächstes Ziel war die Wallfahrtskapelle in Buddenbaum, die viele Besucher zum ersten Mal von innen sahen. So fanden sie es denn auch gar nicht tragisch, dass die ehemalige Küsterin Hedwig Harbrock über die kleine Krippe mit den empfindlichen Gipsfiguren und dem aus Waldliesborn stammenden Stall nur wenig, dafür aber über die 1735 errichtete Kapelle umso ausführlicher berichtete. Vor allem das aus dem Jahr 1450 stammende Gnadenbild sowie die vielen Votivtafeln und Schmuckstücke hatten es den Gästen angetan. Wie es beim Krippkesbekieken guter Brauch ist, stimmten sie auch hier Weihnachtslieder an. Hedwig Harbrock verriet derweil, dass René und Yvonne Löckmann ab Neujahr in Buddenbaum als Küster fungieren werden.

Tief beeindruckt zeigte sich die Gruppe wenig später von der großen Krippe im Chorraum von St. Lambertus, die von ihrer Schöpferin, der Künstlerin Agathe Henning, „Problemkrippe“ betitelt worden ist und nach Ansicht der Betrachter heute aktueller denn je ist. Ein Problem war die sozialkritische Krippe tatsächlich, als sie vor 40 Jahren die alte Krippe, die Dauerleihgabe einer ortsansässigen Bauernfamilie, ersetzte. Ein Problem für die ältere Generation der Hoetmarer. Einige von ihnen seien auf die Barrikaden gegangen, berichtete Küsterin Annette Höne. „Ihnen fehlten vor allem die Hirten.“ Erst ein Krippenspiel der Dechant-Wessing-Schule, bei dem sich die Akteure quasi in die von Agathe Henning geschaffenen Krippenfiguren, Menschen am Rande der Gesellschaft, hineinversetzten, versöhnte die älteren Bürger ein wenig mit der modernen Krippe.

Eingehend betrachteten die Besucher die kunstvoll gearbeiteten Figuren, darunter eine schwarze Frau mit einem Kind auf dem Rücken, eine alte Frau mit faltigem Gesicht, ein Tippelbruder und ein kleiner schwarzer Junge, der, einen Kürbis in den Händen haltend, vor der Krippe mit dem Jesuskind kniet. Anders als im ersten Jahr gebe es inzwischen auch drei prächtig gekleidete Könige, die natürlich erst zum 6. Januar in die Krippe gestellt werden, einen Engel und einige Schafe, bemerkte Annette Höne. Die Schafe stehen auf einer dicken Moos-Schicht. Vor 40 Jahren habe es diese nicht gegeben, erzählte die Küsterin. Damals hätten die Figuren auf dem blanken Stein gestanden. Das war, zumindest nach dem Geschmack einer Besucherin aus Freckenhorst, auch viel passender: „Ich frage mich immer, warum in unseren Krippen Moos liegt. Diese Frage hat mir noch niemand beantworten können. Aber: In Israel gab es kein Moos. Da waren überall nur Steine.“

Zum Thema

Am 7. Januar führt die Krippenfahrt des Heimatvereins um 14 Uhr ab Stiftsmarkt nach Oelde-Sünninghausen. Dort wird die Krippe in der Kirche besichtigt, anschließend im Bauerncafé Reinkenhoff Kaffee getrunken. Anmeldungen bei Wilma Richter, ' 4 47 61.

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