Von Beruf Hufbeschlagschmied
Das Glück ständig in den Händen

WARENDORF -

Pferde haben Julian Frerich schon als Sechsjährigen interessiert. Damals noch beim Voltigieren. Später beim Reiten und Kutschen fahren. Und jetzt in seinem Beruf. Als selbstständiger Hufbeschlagschmied sorgt er dafür, dass Pferde stets einen guten Gang haben und regelmäßig neue „Schuhe“ bekommen.

Freitag, 30.12.2016, 22:12 Uhr

Handarbeit am Pferd: Hufbeschlagschmied Julian Frerich sorgt mit Praktikantin Raffaela Kamps dafür, dass „Blume“ ein neues „Schuhwerk“ bekommt.
Handarbeit am Pferd: Hufbeschlagschmied Julian Frerich sorgt mit Praktikantin Raffaela Kamps dafür, dass „Blume“ ein neues „Schuhwerk“ bekommt. Foto: Peter Sauer

Ein Hufeisen gilt als Glücksbringer. Je nachdem, wo und wie herum man das gebogene Eisen aufhängt, soll es Glück bewahren oder das Böse abhalten. Und mit Hufeisen hat Julian Frerich jeden Tag zu tun. Denn er macht Pferde glücklich. Als staatlich anerkannter Hufbeschlagschmied verpasst er den Rössern rund um Warendorf alle sechs bis acht Wochen eine Pediküre mit neuem „Schuhwerk“.

Ruhig und geduldig, konzentriert, mit Gespür und handwerklichem Geschick

Denn er liebt Pferde. Als Kind voltigierte er, als junger Mann ritt er mehrere Jahre, und heute fährt er Gespanne – all das beim Reit- und Fahrverein Warendorf. Erst fand er sein Glück auf dem Rücken der Pferde, jetzt zu ihren Füßen. Und das beruflich. Die wichtigste Voraussetzung für seinen Job als selbstständiger Hufbeschlagschmied zeigt der Warendorfer bei seiner Arbeit: Julian Frerich begegnet den Vierbeinern mit Mähne und Schweif sehr ruhig und geduldig, konzentriert, mit Gespür und handwerklichem Geschick.

Orthopädisches Wissen

„Voraussetzung für einen guten Beschlag, ist die Beurteilung des Pferdes in der Bewegung.“ Der 29-Jährige fragt sich bei jedem Pferd: Wie steht es? Wie sind Muskulatur und Gelenke? Was die wenigsten wissen: Ein orthopädisches Wissen ist unerlässlich, um dem Pferd das richtige Hufeisen zu verpassen.

So auch an diesem Vormittag auf einem Hof zwischen Telgte und Einen. Mit gekonntem Griff hebt Frerich, bewaffnet mit einer Lederschürze voller Werkzeug, das Bein der Westfalenstute „Blume“. Mit Hufmesser, Raspel und Schneidezange bearbeitet er die einzelnen Hornkapseln, die die Hufbeine umschließen. Mit feinen Schnitten säubert er den Huf, kürzt das Horn. Alle sechs bis acht Wochen steht eine solche Pediküre an.

Damit das neue Hufeisen schließlich passt, nimmt er genau Maß – mit viel Fingerspitzengefühl. Denn: nur wenige Zentimeter trennen ihn von Blutgefäßen und Nervenbahnen.

Mobiler Gasofen

Damit die neuen Eisen später so perfekt sitzen wie ein guter Schuh, erhitzt Julian Frerich im mobilen Gasofen die Eisen bis 1200 Grad Celsius. Rotglühend nimmt er das neue Hufeisen heraus, legt es auf den 35 Kilo schweren Amboss. Mit erst groben und dann feinen Hammerschlägen formt der Warendorfer das Eisen. Dafür bleiben ihm nur wenige Augenblicke Zeit. Sonst ist das Eisen nicht mehr so gut formbar. Das heiße Eisen drückt er an „Blumes“ Huf. Zischender Rauch steigt auf. Doch „Blume“ spürt vom heißen Eisen nichts, denn das Horn ist an den Hufen ist vergleichsweise dick.

Ein erster Blick und Frerich weiß: „Das neue Eisen muss noch etwas nachbearbeitet werden.“ So feilt er es am Amboss noch hier und da ein bisschen, biegt es ein wenig nach.

Beim Aufdrücken des dann warmen Hufeisens auf den Huf, wird die Oberfläche des Huf-Tragerandes einheitlich abgeschmirgelt. „Dadurch hat das Hufeisen später den perfekten Sitz.“ Der Brandabdruck macht zusätzlich die Nagellöcher des Hufeisens sichtbar, an dem Frerich den genauen Sitz der später eingeschlagenen Nägel erkennt. „Es ist ganz wichtig, darauf zu achten, dass sich die Nägel auf der sogenannten „weißen Linie“ (das ist die Dehnfuge zwischen lebendem und totem Gewebe) befinden, um einen langen Halt und einen gesunden Huf zu erhalten. Dadurch das die weiße Linie elastisch ist, gibt sie dem Huf-Mechanismus nach.“

Bei regelmäßiger Hufform und -stellung verwendet der Hufbeschlagschmied bei den Vorderhufen ein Hufeisen mit einer Zehenkappe und zwei Zehenseitenkappen bei den Hinterhufen. „Dabei bringe ich bei den Vorderhufeisen immer eine Zehenrichtung an, um das Abrollen der Vorderhufe zu erleichtern“, betont Frerich.

Er bietet von der Barhufpflege über Warmbeschläge bis zur Korrektur bei Fehlstellungen, Fehlbelastungen und verformten Huf-Formen alles an. Wie beim Menschen gibt es auch orthopädisches „Schuhwerk“. „Dabei kommt mir meine Ausbildung zum Metallbauer im Bereich Gestaltung sehr zugute, da sich mit dem Stahl des Hufeisens viele Möglichkeiten ergeben, einen orthopädischen Hufbeschlag für ein Pferd zu konstruieren.“

"Ich arbeite gerne mit Pferden"

Als Hufbeschlagschmied ist Frerich im Radius von 40 Kilometern unterwegs, im Auto immer dabei: mobile Werkstatt und Pferde- „Schuhschrank“ mit Eisen in der Größen 0 bis 7: „Ich arbeite gerne mit Pferden. Immer an der frischen Luft. Jedes Pferd ist unterschiedlich. Jeder Huf muss individuell angepasst werden. Das ist spannend. Kein Tag ist wie der andere.“

Dabei prägen sehr kräftige Ambossschläge und viele Arbeiten in gebückter und gebeugter Haltung seinen Arbeitstag. Geht das nicht auf die Knochen beziehungsweise sorgt für schlimmen Muskelkater? „Ach was“, antwortet Frerich, „wenn das Pferd ruhig stehen bleibt, bekomme ich keine Probleme.“ Zwischendurch ein bisschen Fitness, das helfe, und zum Ausgleich Kanu fahren auf der Ems (Bootshaus „Bleiche“).

Derzeit wird Frerich von Praktikantin Raffaela Kamps unterstützt, die die wichtigsten Abläufe erlernt. „Das macht mir sehr viel Spaß. Pediküre ist für Pferde wie Fingernägel schneiden.“

Hufeisen als Glückssymbol

Wie nun das Hufeisen als Glückssymbol wirkt, klärt Julian Frerich abschließend: „Man sollte das Hufeisen mit der Öffnung nach oben aufhängen, damit das herabfallende Glück aufgefangen und bewahrt wird.“ In diesem Sinne: Viel Glück 2017!

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